Boom-Branche Cannabis
Millionengeschäft trotz Einschränkungen

Der Verkauf von Cannabis ist in der Schweiz seit Ende 2016 legal. Allerdings mit Einschränkungen.
Publiziert: 22.03.2017 um 18:34 Uhr
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Aktualisiert: 07.09.2022 um 23:54 Uhr

Colorado Light, Big Bud Indoor oder Greenhouse Haze. Die Kunden bei Dr. Green im schweizerischen Lausanne haben die Wahl. Seit Dezember 2016 sind hier mehrere Sorten Cannabis im Angebot. Um die 10 Euro kostet ein Gramm. Immer mehr Kunden wissen das Sortiment zu schätzen.

«Ich suche ein Produkt, das mich entspannt, das mir gut tut, ohne mich komplett high zu machen, so dass ich gar nicht mehr reden oder arbeiten kann.»

«Ich möchte es als Kräutertee ausprobieren. Ich habe Probleme mit den Gelenken, Arthritis. Je nachdem, wie es schmeckt, versuche ich es auch in Keksen. Ich würde es lieber essen, statt es zu rauchen. Ich bin eine Nichtraucherin.»

Der Verkauf von Cannabis ist in der Schweiz seit Ende 2016 legal. Allerdings unter einer Bedingung: Der Wert der psychoaktiven Substanz THC muss unter einem Prozent liegen, weiß auch Paul Monot, der Mitbegründer von Dr. Green.

«Das Tetrahydrocannabidiol ist für den psychoaktiven Effekt verantwortlich. Unsere Produkte enthalten weniger als 0,99 % THC, in Übereinstimmung mit dem schweizerischen Gesetz. Dieses Cannabis ist also legal, da es keine psychoaktive Wirkung hat.»

Sein Produkt bekommt er von Cannabisfarmen wie dieser rund 200 Kilometer nordöstlich von Lausanne. Die Nachfrage ist groß. Die Gründer der Farm kommen mit dem Anbauen kaum noch hinterher. Teilweise haben sie Bestellungen von mehr als 700 Kilogramm pro Woche. Tendenz steigend. Doch der Boom hat auch seine Schattenseiten, sagt der Mitbegründer der Cannabisfarm, Corso Serra di Cassano.

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«Wie in jeder stark wachsenden Industrie, wird es auch hier Menschen geben, die möglichst viel Gewinn rauszuschlagen wollen. Dann geht es vielleicht nicht mit rechten Dingen zu. Sie ziehen die Pflanzen zu schnell hoch oder verwenden bei Krankheiten Chemikalien. Ich kann mir vorstellen, viele hätten da keine Bedenken.»

Kritik kommt auch von Ärzten. Sie weisen auf die schlechten Kontrollen hin. Man wisse nie genau, was in der Substanz drin sei und ob der Grenzwert von 1 Prozent THC tatsächlich eingehalten werde. Außerdem könnten manche Nichtraucher durch den Konsum von Cannabis zu Rauchern werden.

Diese Risiken scheinen die Kunden bei Dr. Green nicht abzuschrecken. Das Geschäft blüht, sagt Monot. Monatlich verkaufen sie Cannabis im Wert von bis zu 90.000 Euro. Er überlegt, weitere Filialen aufzumachen.

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