Darum gehts
- Berner Chirurg wegen fehlerhafter Bandscheibenimplantate zu 17 Monaten verurteilt
- Implantate verursachten Wirbelsäulenschäden bei sieben Patienten laut Anklageschrift
- Produkt ab 2010 auf Markt trotz Mängeln aus Tierversuchen, europaweite Probleme
Die Staatsanwaltschaft wirft dem ehemaligen Berner Chirurgen vor, mehreren Patienten angeblich unausgereifte Bandscheibenimplantate eingesetzt zu haben. Das Regionalgericht Bern-Mittelland hat ihn am Montag nun zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 17 Monaten verurteilt.
Der Prozess begann am 12. Januar. Gemäss der zuständigen Staatsanwältin sollen die künstlichen Bandscheiben bei allen sieben vom Chirurgen operierten Patienten versagt und einen körperlichen Schaden an der Wirbelsäule hinterlassen haben.
Der Beschuldigte habe ihm nichts über seine Verbindung zur Herstellerfirma der Rückenprothese gesagt, sagte ein ehemaliger Patient des Arztes. «Das hätte die Ausgangslage stark verändert.» Er habe gemeint, der Chirurg empfehle ihm das beste Produkt. «Er wirkte unabhängig.»
Anwältin wehrt sich gegen Vorwürfe
Die Anwältin des Chirurgen hatte die Vorwürfe in der Tamedia-Beilage «Magazin» zurückgewiesen. Ihr Klient habe sich im Zusammenhang mit dem Fall «sowohl rechtlich als auch berufsethisch korrekt verhalten».
Der Fall wurde 2018 durch ein internationales Recherche-Team mit Beteiligung von Tamedia publik. Der Chirurg soll die Entwicklung des Bandscheibenimplantats «Cadisc-L» wissenschaftlich begleitet und das Produkt zwischen 2011 und 2013 im Salem-Spital in Bern selber sieben Patientinnen und Patienten eingesetzt haben.
Komplikationen bei Dutzenden Patienten
Die Prothese vertrieb die inzwischen Konkurs gegangene britische Firma Ranier. Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, sollen bereits Tierversuche Mängel gezeigt haben. Trotzdem kam das Produkt im Jahr 2010 auf den Markt. Europaweit soll es danach bei Dutzenden Patienten zu schweren Komplikationen gekommen sein.