Nach 194 Jahren haben die Berner ihren Wappen-Bären wieder
So reagieren die Einwohner von Eriz BE auf die Rückkehr

Vor wenigen Tagen wurde in der Berner Gemeinde Eriz ein Bär gesichtet. Im Dorf freut man sich über das wilde Tier. Solange es scheu bleibt und flüchtet, wenn Menschen in seine Nähe kommen, wird es in Ruhe gelassen.
Publiziert: 30.05.2017 um 11:54 Uhr
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Aktualisiert: 07.10.2018 um 10:09 Uhr
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Das exklusive Bild des Bären in Eriz.
Anian Heierli und Marlene Kovacs

In der 500-Einwohner-Gemeinde Eriz BE ist der Bär los. Ein Einheimischer konnte einen jungen Braunbären aus 30 Metern Entfernung fotografieren. «Ich hatte keine Angst. Auch nicht, als der Bär kurz stehen blieb und mir direkt in die Augen blickte», sagt der Fotograf, der anonym bleiben will. «Als er mich sah, suchte er das Weite.» Das exklusive Bild entstand am Freitag um 10.17 Uhr in einer Höhe von 1600 Metern beim Ramsgrind.

Eine Sensation! Denn es ist der erste Bär im Kanton Bern seit 194 Jahren. Die letzte Sichtung gab es 1823 im Saanenland. «Es ist ein historischer Moment, dass das Wappentier zurückgekommen ist. Wir sind sehr froh und stolz darüber», sagt der Berner Jagdinspektor Niklaus Blatter (42).

Der Erizer Gemeindepräsident Daniel Jost (57) ist stolz: «Die  Anwesenheit eines Bären zeigt doch, dass die Natur in unserer Gemeinde noch fast unberührt ist.» Bleiben solle das grosse Raubtier aber nicht. «Wir wollen nicht, dass der Bär Dauergast wird.»

Berner Bär kommt wahrscheinlich aus dem Kanton Uri

Das Tier könnte der Bär aus dem Kanton Uri sein. Dieser kam ursprünglich über den Splügenpass in die Schweiz. «Es ist sehr naheliegend, dass es sich um den Bären aus dem Kanton Uri handelt. Er ist derzeit der einzige Bär in der Region», sagt Blatter.

Auch Andreas Ryser (52), Bärenverantwortlicher bei der Koordinationsstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement (Kora), sagt: «Ein Bär kann in ein bis zwei Tagen etliche Kilometer wandern. Vom Tier im Kanton Uri fehlt derzeit jede Spur.» Sicher sei aber nichts. «Das muss nun abgeklärt werden.»

Eher scheues und bisher ungefährliches Tier

Gefährlich sei das Tier aber nicht. Der Berner Bär sei genauso scheu wie der Urner Bär. «Er sucht nicht die Nähe von Menschen, lebt eher zurückgezogen», erklärt Ryser. Er passiere unbemerkt viele Orte. «Und das ist gut so. Im Gegensatz zum Problembär JJ3. Dieser musste damals getötet werden, weil er immer wieder in die Siedlungen von Menschen kam.»

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Kulttrainer Hanspeter Latour (69) hat seinen Zweitwohnsitz in Eriz: «Ich finde es toll, dass der Bär zurück in Bern ist. Und ich bin sogar etwas neidisch. Als passionierter Tierfotograf hätte ich das Foto gerne selber geschossen. Es fuchst mich, dass ein Kollege von mir schneller war. Ich kann verstehen, dass es Menschen gibt, die dem Raubtier weniger positiv gegenüberstehen. Es braucht deshalb Gespräche mit beiden Parteien.»

Ob ein Bär zum Problem werde, hänge davon ab, wie das Tier aufwachse. «JJ3 hatte eine Mutter, die angefüttert wurde. Sie hat ihm die Nähe zu Menschen sozusagen beigebracht», sagt Ryser. Der Berner Bär verhalte sich momentan ganz anders, flüchte sofort, wenn er in die Nähe von Menschen komme. «Nun können wir hoffen, dass es so bleibt. Dann kann der Bär in Ruhe weiterleben.»

Einen politischen Vorstoss gab es trotzdem schon. Der Unterlangenegger SVP-Grossrat Samuel Krähenbühl will in einer Anfrage vom Berner Regierungsrat wissen, wie er die vom Bären ausgehende Gefahr einschätze.

Ein Bär vor mir: Was tun?

Eriz BE – Immer wieder streifen Bären durch die Schweiz. Doch wie verhält man sich, wenn man nun tatsächlich ein Tier antrifft? Wichtig ist, ruhig zu bleiben und den Bären in Ruhe zu lassen! Und auf keinen Fall sollte man auf das Tier zugehen.

«Am besten spricht man den Bären normal an, damit er weiss, dass es sich um einen Menschen handelt», sagt And­reas Ryser von Kora. Durch Schreie könnte das Tier aufgeschreckt werden. Bären greifen nur an, wenn sie sich in die Enge getrieben und bedroht fühlen. Nach dem Zusammentreffen mit dem Tier sollte umgehend die zuständige Behörde informiert werden.

Zu wild, um nur Wappentier zu sein. So sieht BLICK-Zeichner Igor Kravarik den Bären.
Zu wild, um nur Wappentier zu sein. So sieht BLICK-Zeichner Igor Kravarik den Bären.
Igor Kravarik

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«Am besten spricht man den Bären normal an, damit er weiss, dass es sich um einen Menschen handelt», sagt And­reas Ryser von Kora. Durch Schreie könnte das Tier aufgeschreckt werden. Bären greifen nur an, wenn sie sich in die Enge getrieben und bedroht fühlen. Nach dem Zusammentreffen mit dem Tier sollte umgehend die zuständige Behörde informiert werden.

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