Schock nach Brandsanierung: «Es stinkt noch grauenhaft nach Russ und Rauch»(01:53)

Helena K. hat bei einem Hausbrand in Pieterlen BE alles verloren – und kämpft bis heute um ihr Recht
«Die wahre Katastrophe begann nach dem Brand!»

Im September 2023 verliert Helena K. durch einen Brand in Pieterlen BE fast ihren gesamten Besitz. Zwar wird in dem Feuer nur ein Zimmer komplett zerstört, doch die Sanierung dauert Monate und ist ungenügend. Dann will die Versicherung auch nicht alles zahlen.
Publiziert: 19.06.2024 um 00:47 Uhr
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Aktualisiert: 20.06.2024 um 12:55 Uhr
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So sah es im Brandzimmer in der Wohnung in Pieterlen BE aus, nachdem das Feuer gelöscht worden war.
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Gina KrücklReporterin

Als Helena K.* (44) aus Pieterlen BE mitten in der Nacht von ihrem 15-jährigen Sohn geweckt wird, steigt ihr ein beissender Geruch in die Nase. Dann sieht sie die Flammen im Zimmer des Sohnes. Sie packt ihre drei Kinder, stürmt mit ihnen aus dem Haus, zum Glück wird niemand ernsthaft verletzt. Brandursache ist ein technischer Defekt.

Während sich die herbeigerufene Feuerwehr an die Arbeit macht, sieht die Familie vom Strassenrand aus zu, wie dicke Rauchschwaden aus dem Kinderzimmerfenster quellen. In dieser Nacht verliert Helena K. fast ihr ganzes Hab und Gut – das wird ihr aber erst klar, als die Abrechnung der Versicherung kommt: «Sie lässt mich mit Schaden von 20'000 Franken sitzen.»

Das Feuer in ihrer Wohnung in der Nacht auf den 17. September 2023 nur der Beginn eines monatelangen Kampfes. «Die wahre Katastrophe begann nach dem Brand!», sagt K. zu Blick. Zunächst einmal dauert es vier Tage, bis ihre Hausratsversicherung Vaudoise auf die Schadenmeldung antwortet: Die Firma Belfor werde sich um die Brandsanierung kümmern. Doch es dauert weitere fünf Wochen, bis Belfor sich zum ersten Mal meldet.

Nach der Sanierung nicht sauber

Als die Sanierung der Wohnung vermeintlich endlich abgeschlossen ist, wartet auf Helena K. der Schock: Das Brandzimmer wurde zwar saniert, im Rest der Wohnung ist aber fast nichts passiert. Es stinkt nach Rauch und überall gibt es Russspuren.

K. reklamiert, doch Vaudoise und Belfor stellen auf stur. Belfor erklärt, die Arbeit sei entsprechend Auftrag erledigt worden. Die Vaudoise sagt: Der Auftrag wurde entsprechend Experteneinschätzung umgesetzt. Die genannten Experten sind aber jene des Gebäudesanierers Belfor. Helena K. traut den Firmen nicht, ein schriftliches Gutachten hat sie bis heute nicht erhalten. Für sie ist klar: «Die arbeiten zusammen, um möglichst nichts machen zu müssen. Laut den Belfor-Experten musste das am weitesten entfernte Zimmer überhaupt nicht gereinigt werden – obwohl die Möbel verfärbt waren und es Russspuren gab.»

Mitte November wohnt die Familie noch immer in einer Ein-Zimmer-Notunterkunft. Ein Rückzug in die alte Wohnung kommt für sie inzwischen nicht mehr infrage: «Der Brand war für uns traumatisch, wir leiden noch heute unter Alpträumen.» Helena K. kündigt die Wohnung, doch der Vermieter will die ausserordentliche Kündigung nicht akzeptieren, leitet sogar eine Betreibung ein.

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K. findet im nahen Ausland eine Wohnung. Wegen des baldigen Umzugs will sie nicht länger auf die Reinigung ihrer Möbel warten, was sie auch so der Vaudoise sagt. Ein Fehler! «Für Möbel, die gereinigt werden können, wird nämlich kein Ersatz gezahlt. Ich habe aus Versehen offiziell auf Schadenersatz verzichtet.» Im April 2024 kommt die Abrechnung, die Vaudoise übernimmt nur rund die Hälfte der Schadenssumme. K. bleibt auf Kosten von über 20'000 Franken sitzen.

Auftrag ausgeführt oder nicht?

Auf Anfrage will sich die Vaudoise trotz Schweigepflichtsentbindung nicht zu den Vorwürfen äussern. Auch Belfor hält sich eher kurz: Die Brandsanierung sei zwei Wochen nach dem Brand abgeschlossen gewesen. «Aufgrund der Unzufriedenheit der Kundin hat Belfor aus Kulanz die gesamte Wohnung nochmals gereinigt – auch diejenigen Räume, welche von der Brandlast nicht betroffen waren.»

Die Gebäudeversicherung Bern (GVB) gibt etwas mehr Auskunft: «Die Wohnung war immer bewohnbar, mit Ausnahme des Brandzimmers.» Ausserhalb des Brandzimmers habe es keine Brandspuren wie etwa Russablagerungen oder ein Brandgeruch gegeben. Dennoch sei sicherheitshalber eine Geruchsneutralisierung durchgeführt worden. «Am 19. Oktober waren die Arbeiten abgeschlossen.»

Blödsinn, findet Helena K. Tatsächlich sieht man auf Videoaufnahmen, die K. einen Tag vor dem offiziellen Abschluss der Arbeiten gemacht hat, überall dunkle Spuren an Möbel und Wänden. «Bis Mitte November hat hier garantiert nie jemand richtig geputzt.» Auch nach ihrem Umzug hätte sie noch etliche Sachen wegschmeissen müssen, weil diese noch immer nach Rauch stanken. «Vielleicht sind diese Experten inzwischen abgestumpft.»

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