Ermittlungen gegen Arzt
Hätte Kilians Tod in der Zelle verhindert werden können?

Ein 20-Jähriger stirbt am 26. Dezember 2018 nach einer Goa-Party in der Zelle der Polizeiwache am Berner Waisenhausplatz. Gegen den Arzt, der ihn damals untersuchte, wird nun ermittelt.
Publiziert: 21.02.2019 um 10:32 Uhr
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Aktualisiert: 21.02.2019 um 12:53 Uhr
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Die Gedenkstätte für Kilian auf dem Waisenhausplatz in Bern.

Blumen und Kerzen erinnern an den Tod des 20-jährigen Kilian S. am Berner Waisenhausplatz. Hier starb der junge Schweizer nach einer Goa-Party am Weihnachtsabend – allein in einer Zelle der Polizeiwache.

Zuvor hatten Barmitarbeiter an der Party den kaum mehr ansprechbaren Mann nach draussen geführt, jemand rief die Polizei, ein Streife rückte an und nahm in schliesslich mit auf die Wache. Warum, ist laut «Der Bund» noch unklar. In der Polizeimitteilung hiess es, er habe Drogen auf sich gehabt. Waren Kilians Vorstrafen mit ein Grund, dass er im Gefängnis statt im Spital landete?

Arzt entschied gegen Spitaleinweisung

Das hätte ihm womöglich das Leben gerettet. Denn Kilian S. wurde zwar von einem Arzt untersucht, der die sogenannte Hafterstehungsfähigkeit prüft. Doch dieser Arzt entschied, dass Kilian in einer normalen Zelle eingesperrt werden darf – unter der Bedingung, dass die Beamten alle zwei Stunden nach ihm schauen. 

Die regelmässigen Kontrollen hätten stattgefunden, teilt die Polizei mit. Doch Fakt ist: Kilian starb alleine in seiner Zelle, kurz nach 5.30 Uhr am Morgen des 26. Dezembers finden ihn die Beamten leblos vor, Wiederbelebungsversuche schlagen fehl. 

Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Arzt, der Kilian untersucht hatte, wie «Der Bund» berichtet. Hatte er die toxische Wirkung der von Kilian konsumierten Substanzen unterschätzt? Laut einer Expertin können Partydrogen, wie sie der 20-Jährige wohl intus hatte, schwere Nebenwirkungen verursachen.

Mutter: «Kilians Tod muss lückenlos aufgeklärt werden»

Und der Chefarzt des Notfallzentrums am Berner Inselspital warnt gegenüber der Zeitung davor, Drogen miteinander zu kombinieren. Er plädiere bei Komplikationen auf eine sofortige Spitaleinweisung – vor allem weil der Verlauf kaum abschätzbar sei.

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Die Mutter des 20-Jährigen hat sich einen Anwalt genommen und tritt als Privatklägerin auf. Sie sagt zur Zeitung: «Mir ist wichtig, dass die Umstände von Kilians Tod lückenlos aufgeklärt werden.» Niemand könne ihr ihren Sohn zurückgeben. Doch sie will verhindern, dass der gleiche Fehler nicht ein zweites Mal passiert.

Die Gedenkstätte mit Blumen, Briefen und Kerzen auf dem Waisenhausplatz ist unterdessen zum Politikum geworden. Ein SVP-Stadtrat möchte sie wegräumen lassen, angeblich haben sich bei ihm Polizisten darüber beschwert. Nun muss der Berner Gemeinderat entscheiden, ob sie bleiben darf. (neo) 

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