Darum gehts
Es ist das Gefühl, im eigenen Heim nicht mehr sicher zu sein, das Caroline Schüpbach zermürbt hat. Drogenkonsum im Treppenhaus und Diebstähle in der Waschküche sind seit zwei Jahren Alltag im Leben der 54-Jährigen.
Die Situation belastet sie so sehr, dass sie ihre Wohnung in Biel kaum noch nutzt: «Ich schlafe seit mehreren Wochen bei einer Freundin und komme jeden Tag nur kurz heim, um meine Katzen zu füttern», sagt Caroline Schüpbach zum Beobachter.
Der Konflikt begann im Dezember 2023, als eine achte, neue Partei gegenüber von Schüpbach in das Mehrfamilienhaus einzog. Seither erlebt sie immer wieder Situationen, die für sie nicht tolerierbar sind: «Im Treppenhaus waren Blutspuren an den Wänden. Als ich das Blut sah, dachte ich nur: Das ist kein Wohnhaus mehr, das ist ein Tatort.»
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
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In der Waschküche, die sie mit den Nachbarn teilen muss, habe sie wiederholt Löffel, Alufolie und «weisses Pulver» entsorgt – Drogenutensilien. Zudem fand sie immer wieder leere, teils zersplitterte Alkoholflaschen.
Neben den unhygienischen Zuständen kam es zu Diebstählen. Immer wieder verschwand Kleidung. Angezeigt hat sie dies nie. «Wäre ich jedes Mal zur Polizei gegangen, wenn ein T-Shirt fehlte, wäre ich dort Dauergast gewesen.» Und regelmässig wurde sie nachts aus dem Schlaf gerissen, wenn mutmassliche Drogenkonsumenten auf der Suche nach Stoff versehentlich an ihrer Tür klingelten.
Diebstähle und aufgebrochene Türe
Im Februar 2026 eskalierte die Lage: Ihr wurden ein teures Bügeleisen und eine rollbare Klimaanlage im Wert von rund 1000 Franken aus der Waschküche entwendet. Diesmal zeigte sie den Diebstahl bei der Polizei an.
Zuvor hatte die Mieterin versucht, den Waschraum abzuschliessen, doch die Tür wurde laut ihren Schilderungen mit Gewalt aufgebrochen – ein Vorfall, den sie ebenfalls der Polizei meldete. «Ich fühle mich in meinem Eigentum und in meiner Privatsphäre absolut nicht mehr sicher», erklärt Schüpbach.
Nach dem Diebstahl ist es laut Schüpbach zu einem Streitgespräch mit den Nachbarn gekommen, bei dem ihr gedroht wurde. Sie schildert den Vorfall so: «Der Mann stand vor mir und drohte, mich umzubringen. In diesem Moment realisierte ich, dass es nicht mehr nur um Sachbeschädigungen geht.»
Untätigkeit der Verwaltung
Bereits im August 2024 wandte sich Schüpbach erstmals schriftlich an ihre Verwaltung und machte auf die beschriebenen Umstände aufmerksam. Damals schrieb der für sie zuständige Verwalter, man nehme ihre Meldungen so auf – wie das genaue Vorgehen sei, wisse man noch nicht.
Man versicherte ihr jedoch: «Was ich Ihnen sagen kann, ist, dass wir am Ball bleiben und unser Bestmögliches geben.» Trotz dieser Zusage änderte sich im Haus aus ihrer Sicht lange nichts.
Ende des Albtraums in Sicht
Eine Sprecherin der Verwaltung betont auf Anfrage die rechtlichen Hürden: «Mietrechtliche Massnahmen setzen klar dokumentierte Vertragsverletzungen voraus. Eine Kündigung kann nicht allein gestützt auf Vorwürfe ausgesprochen werden.»
Der Mietvertrag der Nachbarn sei zwar bereits vor einem Jahr gekündigt worden, doch erst jetzt kommt Bewegung in die Sache. Die Polizei Biel vollzieht derzeit die Räumung. «Die angesprochene Mietpartei wurde Anfang März ausgewiesen. Die Situation wird sich damit erledigen», teilte die Sprecherin mit.
Die Verwaltung bestätigt, dass die Ausweisung durch die Behörden «im Gange» sei – der genaue Zeitpunkt der Räumung stehe aber noch nicht fest.
Zudem sei die beschädigte Waschraumtür zur Reparatur angemeldet und die Reinigung eingeleitet worden. «Sachbeschädigungen werden von uns nicht toleriert und entsprechend instand gestellt.»
Caroline Schüpbach wusste nichts von der Mietvertragskündigung und bleibt skeptisch: «Ich glaube erst an ein Ende dieses Albtraums, wenn ich die leere Wohnung mit eigenen Augen sehe.»