Mit dem Pistenbully unterwegs: Martin lebt täglich seinen Bubentraum(02:48)

Blick begleitet Pistenbully-Fahrer Martin Kaufmann (37) in Wengen BE
«Ich lebe meinen Bubentraum»

Es wirkt wie Zauberei: Aus wenig bis keinem Schnee flicken Pistenbully-Fahrer auch heuer eine passable Piste. Blick hat Martin Kaufmann bei seiner Arbeit auf dem Männlichen begleitet.
Publiziert: 08.01.2023 um 18:05 Uhr
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Aktualisiert: 08.01.2023 um 18:12 Uhr
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Martin Kaufmann nimmt Blick mit bei seiner Arbeit: Er fährt seit 15 Jahren Pistenfahrzeuge.

Bilder von Schweizer Skipisten gehen aktuell um die Welt: Vielerorts ist Schnee Mangelware und lediglich ein schmales weisses Band lädt zum Skifahren ein – gesäumt vom leuchtend grünen Gras. Auch in Wengen BE ist der Schnee knapp: Die Talabfahrt ist geschlossen, alle beten zum Wettergott und hoffen auf Schneenachschub.

Ganz oben auf dem Männlichen findet man sie aber auch aktuell: eine wunderbar verschneite Berglandschaft. Entspannt ist die Lage jedoch nicht. «Wir müssen gut haushalten mit dem Schnee. Das müssen wir natürlich auch, wenn wir viel Neuschnee haben – aber jetzt besteht die Gefahr, dass man einen Landschaden verursacht», erklärt Pistenfahrzeugführer Martin Kaufmann (37). Deswegen müsse man besonders vorsichtig sein.

Ein Job für Flexible

Es ist kurz nach 16 Uhr, und die Sonne verschwindet schon langsam hinter den Berggipfeln, als der Arbeitstag des gelernten Landmaschinenmechanikers aus Grindelwald BE beginnt. «Wir entscheiden immer erst nach dem Mittag, ob wir am späten Nachmittag mit der Arbeit beginnen oder erst nach Mitternacht», sagt Kaufmann. «Es bringt nichts, wenn wir abends fahren, obwohl in der Nacht noch haufenweise Neuschnee fällt. Daher müssen wir das immer spontan entscheiden.» Flexibilität sei in seinem Job also unabdingbar.

Seit 15 Jahren fährt er bereits Pistenbully – dieses Jahr ist er zum ersten Mal ganzjährig im Skigebiet angestellt, bisher arbeitete er im Sommer jeweils noch in seinem einstigen Lehrbetrieb als Landmaschinenmechaniker. «Auch im Sommer gibt es viel zu tun, beispielsweise mit der Revision der Pistenfahrzeuge», führt der Berner Büezer aus.

Wenig Schnee fordert viel Erfahrung

Routiniert steigt er über die Raupen in das 13 Tonnen schwere Pistenfahrzeug ein. «Einfach gut festhalten beim Einsteigen», warnt er. Ein Sturz auf den Aluminium-Raupen könne ansonsten böse enden, die seien sehr scharfkantig. Er startet das Fahrzeug und fährt bis zum Anfang einer roten Piste. Dort steigt er aus und hakt das Gefährt an ein Metallseil: «Die Seilwinde ist aber, anders als viele Leute meinen, nicht wie das Kletterseil beim Bergsteiger zur Absturzsicherung, sondern das ist wirklich eine Hilfe, um das Fahrzeug je nach Fahrtrichtung zu bremsen oder bergwärts zu ziehen.»

Martin Kaufmann beginnt damit, den Schnee gleichmässig zu verteilen. Er fugt die Schneemassen, die durch die unzähligen Skifahrer tagsüber an den Pistenrand gerutscht sind, wieder an Ort und Stelle. Die Bordinstrumente helfen ihm dabei, erklärt er: «Auf diesem Bildschirm sehe ich immer, wie dick die Schneedecke unter dem Fahrzeug ist.» Dieses Tool habe das Fahrzeug erst seit ein paar Jahren: «Und zu Beginn musste ich dann lernen, dass ich mich trotzdem nicht nur darauf verlassen kann. Denn wenn die Schneedecke zwar überall gleich dick ist, heisst das noch lange nicht, dass die Piste für die Skifahrer gut befahrbar ist.» Deswegen sei der Blick durch die Windschutzscheibe unabdingbar – und die jahrelange Erfahrung hilfreich.

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Mit mehr Schnee macht die Arbeit mehr Spass

«Ich bin neben der Skipiste gross geworden, und das hier ist mein Bubentraum», meint Martin Kaufmann, während er routiniert die rote Piste hoch- und runterfährt. «Jeden Abend, als ich das Pistenfahrzeug hörte, bin ich zum Fenster gerannt.» Bis heute habe ihn die Faszination fest im Griff. Zwar mache es schon mehr Spass, wenn mehr Schnee liege als heuer. Denn: «Dann ist auch das Gebiet grösser und wir haben mehr offene Pisten, die wir präparieren müssen.» Doch auch der wenige Schnee habe seinen Reiz. «Man versucht halt immer, aus den vorhandenen Mitteln das Möglichste herauszuholen», sagt der Pistenpräparator.

Nachdem der Oberländer den Schnee schön gleichmässig verteilt hat, geht es nun ans Fräsen der Piste: So entstehen die typischen Rillen, die man von frisch präparierten Skipisten kennt. Mittlerweile ist es dunkel draussen, doch der Mond ist beinahe voll und beleuchtet den weissen Schnee und die verschneiten Berggipfel ringsherum – die Sterne funkeln am Himmel. Auch die Lichter weit unten im Dorf sind zu sehen.

Mit den Ski in Richtung Bett

«Über fehlende Aussicht bei meinem Job kann ich mich tatsächlich selten beklagen», meint Kaufmann schmunzelnd. Kurz nach 19 Uhr ist die rote Piste oben auf dem Männlichen fertig präpariert, und er hängt die Seilwinde wieder ab.

Zu Ende ist seine Schicht aber noch lange nicht: «Jetzt gehts weiter, ich muss unter anderem noch den Schlittelweg präparieren.» Danach trete er etwa um Mitternacht den Heimweg an. Mit den Ski unter dem Sternenhimmel bis zum parkierten Auto – und von da aus heim ins warme Bett.

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