Berformance-Chef soll Anleger um 109 Millionen betrogen haben
Ex-FC-Schaffhausen-Sponsor verhaftet

Der FC Schaffhausen setzte bis vor kurzem auf die Berformance Group AG als Hauptsponsor. Gemäss Blick-Recherchen wurde nun der Chef Christian Lux wegen Betruges verhaftet. Seine Firma soll Anlegern Schein-Anlageprodukte in Kryptowährungen vermittelt haben.
Publiziert: 13.06.2024 um 17:30 Uhr
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Aktualisiert: 13.06.2024 um 17:49 Uhr
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Der FC Schaffhausen setzte seine Hoffnung auf Christian Lux und sein Unternehmen Berformance Group AG mit Sitz in Zürich.
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Stolz präsentierte der FC Schaffhausen vergangenen Sommer den neuen Hauptsponsor: die Berformance Group AG. Auch das Stadion wurde gar nach dem Unternehmen benannt. Der neue Partner rettete den FC Schaffhausen aus einer akuten finanziellen Misere. Der Klub sollte jährliche Beträge in sechsstelliger Höhe erhalten. Doch kaum als Sponsor bekannt, sorgte Berformance für negative Schlagzeilen. So etwa, als es Anfang Jahr Zahlungsschwierigkeiten gab. Auch warnte die deutsche Finanzaufsicht.

FCS-CEO Jimmy Berisha zog die Reissleine. Seit März greift ein anderes Unternehmen dem FCS finanziell unter die Arme.

Doch jetzt wird bekannt, wie schlimm es um die Berformance steht. Wie Blick aus sicherer Quelle weiss, wurde Chief Executive Officer Christian Lux im Rahmen von Razzien in mehreren europäischen Ländern von der Polizei verhaftet. Neben ihm kam es zu weiteren Verhaftungen innerhalb des Berformance-Kaders. Die Gruppe soll Anleger um 109 Millionen Franken betrogen haben.

Hausdurchsuchungen in der Schweiz

Unter Federführung des Thüringer Landeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft Erfurt waren Ermittler europaweit gegen die Bande vorgegangen. In der Schweiz gab es am Dienstag etwa am Wohnort von Lux am Vierwaldstättersee sowie in den Berformance-Büroräumlichkeiten in Zürich Hausdurchsuchungen.

Erich Wenzinger, Leiter der Kommunikation der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft, sagt auf Blick-Anfrage: «Die Zürcher Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft haben die Strafverfolgungsbehörden von Thüringen (D) in einer international koordinierten Aktion gegen gewerbs- und bandenmässigen Betrug unterstützt und vorgestern rechtshilfeweise Hausdurchsuchungen in mehreren Kantonen durchgeführt sowie mehrere Personen verhaftet.» Auch die Luzerner Polizei bestätigt Blick einen Einsatz in ihrem Kantonsgebiet unter dem Lead der Staatsanwaltschaft Erfurt.

Ab Februar immer weniger Geld

Dass es bei Berformance schon länger stinkt, kriegte auch der betroffene Anleger Michael S.* (37) aus Stuttgart mit. Auf Blick-Anfrage erklärt er: «Ich hatte was geerbt und habe die Hälfte im November 2023 bei Berformance investiert.» Das Unternehmen habe er durch Freunde gekannt, die seit Jahren Gewinn machten und regelmässig monatliche Zahlungen erhielten. «Am Anfang lief alles super. Doch ab Februar wurde das Geld immer weniger. Berformance erklärte mir, sie hätten Probleme mit der Compliance.» Ab Mai wurden die Zahlungen ganz eingestellt. «Sogar da versuchte Berformance, sich irgendwie aus der Affäre zu ziehen. Sie meinten, es gebe eine Umstellung im Zahlungsrhythmus. Neu sollen die Anleger einmal im Jahr den gesamten Gewinn erhalten.»

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Weil Michael S. trotz dieser Erklärung ein komisches Bauchgefühl hatte, setzte er sich mit einem Schweizer Berformance-Vertreiber in Kontakt. «Dieser hat im Mai begonnen, gemeinsam mit Ermittlern die Berformance näher anzuschauen.» Erst gestern habe Michael S. über den Vertreiber von der Verhaftung von Lux und Co. erfahren. Michael S. sagt: «Ich hoffe, dass noch etwas Geld da ist. Wenn ich wenigstens die Hälfte zurückbekommen würde, wäre ich enorm erleichtert!»

Eine Blick-Anfrage liess die Berformance Group AG bis Donnerstag unbeantwortet. Auf ihrer Website ist der FC Schaffhausen aber weiterhin als Sponsoring-Partner gelistet.

*Name geändert 

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