Bedenkliche Ewigkeitschemikalie
Studie zeigt brisanten Anstieg von TFA in Schweizer Gewässern

Seit den 90er-Jahren nimmt die Konzentration der Chemikalie Trifluoracetat in Gewässern massiv zu. Forscher warnen: Studien deuten darauf hin, dass TFA langfristig gesundheitsgefährdend sein könnte.
Kommentieren
1/4
Der Lac de Châteaupré.
Foto: IMAGO/imagebroker

Darum gehts

  • Studie zeigt: Schweizer Gewässer sind zunehmend mit Trifluoracetat (TFA) belastet
  • Hauptursache: Zerfall von Hydrofluorolefinen, verwendet als klimafreundliche Treibmittel.
  • TFA-Konzentrationen seit Mitte der 90er vervier- bis versechsfacht.
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
KEYSTONE-SDA_Quadrat_pos.jpg
Keystone-SDADie Schweizer Nachrichtenagentur

Die Belastung von Schweizer Gewässern mit einer «Ewigkeitschemikalie» ist in den vergangenen 25 Jahren massiv angestiegen. Eine neue Studie zeigt, dass sich die Konzentrationen von Trifluoracetat (TFA) seit Mitte der 90er-Jahre vervier- bis versechsfacht haben.

Für die kommenden Jahre erwarten Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), des Bundesamts für Umwelt (Bafu) und der Universität Bern einen weiteren Anstieg. Das teilte die Empa am Dienstag mit.

«Sollten nach Vorsorgeprinzip handeln»

Was das für Mensch und Umwelt bedeutet, ist laut der Empa dabei noch nicht abschliessend geklärt. Zwar sind die gesundheitlichen Auswirkungen von TFA bisher kaum erforscht, einzelne Studien deuten jedoch auf mögliche langfristige toxische Effekte hin.

Angesichts des Anstiegs dieser Chemikalie mahnen die Forschenden zu Vorsicht. «Wir sollten daher nach dem Vorsorgeprinzip handeln und den Einsatz der Vorläuferstoffe so gut es geht einschränken», liess sich der Empa-Forscher Stefan Reimann in der Mitteilung zitieren.

Was für den Anstieg verantwortlich ist

Um dem Ursprung der Belastung auf die Spur zu kommen, kombinierten die Forschenden jahrelange Messungen mit einem aufwendigen Computermodell.

Als zentralen Treiber des Anstiegs identifizierten sie den wachsenden Einsatz sogenannter Hydrofluorolefine (HFO). Diese Gase werden als Kühl- und Treibmittel eingesetzt und gelten eigentlich als klimafreundlicher Ersatz für Hydrofluorkohlenwasserstoffe (HFKW). Doch der vermeintliche Fortschritt hat eine Kehrseite: HFO zerfallen in der Atmosphäre rasch – und bilden dabei unter anderem TFA.

Pflanzenschutzmittel werden zum Problem

Neben der Luft gibt es einen zweiten Eintragspfad: den Boden. Beim Abbau bestimmter Pflanzenschutzmittel entsteht ebenfalls TFA, das direkt in Gewässer ausgewaschen wird.

TFA ist das kleinste Molekül aus der Gruppe der per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS), die auch als «Ewigkeitschemikalien» bezeichnet werden. Diese sind in der Umwelt nur sehr schwer abbaubar.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen