Von Pionierarbeiten der Avantgardisten bis zu aktuellen Kunstinstallationen mit Bewegtbildern: Das Kunstmuseum Solothurn und das Aargauer Kunsthaus haben sich unter dem Titel «Mehr Licht» für eine umfassende Präsentation der Videokunst in der Schweiz zusammengetan.
Das Bewegtbild beherrscht heute über Social Media-Kanäle wie Tiktok den Alltag. Auch im Kunstkanon haben sich Videoarbeiten mittlerweile vom Status des Stiefkinds der Museumswelt befreien können. Für die beiden Kunsthäuser in Solothurn und Aarau war dies Grund genug, einen genaueren Blick auf die Geschichte und die aktuelle Szene der Videokunst in der Schweiz zu werfen.
Das Kunstmuseum Solothurn machte nun den Anfang bei der zweigeteilten Präsentation. Das Museum zeigt auch aktuelle Arbeiten, legt aber den Fokus auf die Geschichte der Videokunst in der Schweiz und in einem Beispiel auch im internationalen Kontext.
So beginnt der Ausstellungsparcours mit dem 1988 entstandenen raumfüllenden Werk «One Candle» des Südkoreaners Nam June Paik (1932-2006), dem eigentlichen Vater der Videokunst. Im Zentrum steht eine einzelne Kerze, die von einer Kamera gefilmt und von mehreren Beamern der technischen Urzeit in verschiedenen Farbmischungen an die Wände projiziert wird.
Im darauf folgenden Raum kann man in einem mit wuchtig vergrösserten Sofas und Sesseln ausgestatteten Wohnzimmer ("Das Zimmer") durch die frühen Arbeiten der Schweizer Videokunst-Pionierin Pipilotti Rist hindurchzappen.
Mit raumfüllenden Installationen geht es weiter. Nach der höchst originell zusammengestellten Arbeit «Vorstadt» von Susanne Hofer – sie verwandelt eine Ansammlung von Alltagsgegenständen im Schattenwurf zu einer Skyline – tritt man in einen geheimnisvollen Medienkunst-Kosmos ein, der von Yves Netzhammer arrangiert wurde.
Die Ausstellung «Mehr Licht. Video in der Kunst» zieht sich durch das ganze Museum. So trifft man auch in den Sammlungsräumen im Obergeschoss, eingestreut zwischen Gemälden Ferdinand Hodlers oder Altmeister-Werken, auf zeitgenössische Videoarbeiten. Dies nachdem man sich im Eingangsbereich der Sammlungsgalerien allenfalls an den über 131 Bildschirmen ausgestrahlten Soloszenen von Dieter Roth sattgesehen hat.
Für diese Rieseninstallation musste das Museum extra neue Stromleitungen legen. Mit Problemen der Energiezufuhr hatten auch die Pioniere der Videokunst zu kämpfen. Vor 40 Jahren mussten sie für Aussenaufnahmen einen Stromgenerator mitführen.
Einen Einblick in die technische Entwicklung der Videoarbeit wird im Graphischen Kabinett im Untergeschoss vermittelt: Brauchte es früher geradezu monströsen Gerätschaften, reichen heute die digitalen Alltags-Tools aus, um zumindest technisch künstlerische Videoarbeiten zu erschaffen.
Die Ausstellung «Mehr Licht. Video in der Kunst» im Kunstmuseum Solothurn ist bis 17. Mai zu sehen. Die zweite Schau im Aargauer Kunsthaus wird ihre Tore am 31. Januar öffnen.