«Es ist ein bisschen traurig, aber gleichzeitig erlösend»
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Besitzerin Luisiana Steffen:«Es ist ein bisschen traurig, aber gleichzeitig erlösend»

Aus für traditionsreiches Möbelhaus in Studen BE
«Es kam nur noch ein Kunde pro Tag»

Das Traditionsmöbelhaus Laubscher in Studen BE machte bis zu 10 Millionen Franken Umsatz – bis die Corona-Pandemie den Markt durchrüttelte und die Karten neu mischte. Nun ist Schluss. Die Besitzerin ist traurig und erleichtert zugleich.
Publiziert: 00:27 Uhr
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Luisiana Steffen (52) am ersten Tag der Liquidation ihres Unternehmens. 60 Jahre lang verkaufte Möbel Laubscher in Studen BE Sofas, Betten, Kindermöbel. Ihr Stiefvater gründete das Unternehmen. Sie kaufte die Firma 2020.
Foto: Beat Michel/Blick

Darum gehts

  • Möbelhaus Laubscher schliesst nach 60 Jahren. Liquidationsverkauf läuft
  • Onlinehandel und Preisdruck führten zum Ende des Traditionsunternehmens
  • Geschäft hatte früher 15'000 Quadratmeter Verkaufsfläche auf vier Stockwerken
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Beat MichelReporter

Die Parkplätze des riesigen Möbelhauses Laubscher in Studen BE sind alle besetzt. Noch bevor sich die Schiebetüren öffnen, warten mehrere Dutzend aufgeregte Kunden vor den Schaufenstern. Manche klopfen sogar ungeduldig an das Glas. Es ist Liquidationszeit.

Nach 60 Jahren Möbelhandel gibt die Besitzerfamilie auf. Die Möbel werden günstig verkauft. Die Besitzerin Luisiana Steffen (52), Stieftochter des Gründers, steht mitten im hektischen Treiben des Liquidationsverkaufs. «Ich höre mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf», sagt sie zu Blick. Und weiter: «Der Markt hat sich so stark verändert, da können wir nicht mehr mithalten. Der Abschied ist traurig, gleichzeitig freue ich mich über das gute Gelingen der Liquidation. Wir haben keine Schulden, die Angestellten haben alle eine gute Anschlusslösung, auch die Kunden werden übernommen, die Garantieleistungen sind gesichert.»

Nur noch ein Kunde pro Tag

Die Liquidierung des Lagers des Traditionsunternehmens findet auf einer kleinen Fläche im Parterre statt. Zu früher sei das kein Vergleich, sagt Steffen. Sie erinnert sich: «Die Kunden konnten auf 15'000 Quadratmetern verteilt auf vier Stockwerken flanieren und Möbel ausprobieren. Wir waren für die Leute ein Ausflugsort.» Viele Kunden hätten nach dem Besuch des benachbarten Zoos Seeteufel einen Einkaufsbummel im Möbelhaus gemacht. Jetzt sei alles anders. «Manchmal kam nur noch ein Kunde pro Tag», sagt Luisiana Steffen. «Das ist extrem frustrierend.»

Kunden kommen nur zum Probesitzen

Die Geschäftsfrau sieht im Einrichtungsgeschäft für kleine und mittlere Unternehmen keine Zukunft. Sie sagt: «Das Einkaufsverhalten hat sich krass verändert. Die Kunden vergleichen die Preise im Internet und bestellen bei Onlinemarktplätzen. Bei uns kamen sie nur noch zum Probesitzen.» Das Möbelhaus stelle die kompetente Beratung und die Ausstellungsfläche. Verdienen würden dann die Onlineplattformen, sagt die Geschäftsfrau. Sie erlebte den Wandel hautnah, sie arbeitete bereits seit 25 Jahren in verschiedenen Positionen in der Firma.

Luisiana Steffen kämpfte von Anfang an mit viel Gegenwind, nachdem sie schliesslich das Unternehmen 2020 von ihrem Stiefvater übernommen hatte. «Wir richteten uns neu aus, stellten zusätzlich vier Leute ein, dann kam Corona. Wir mussten die Türen gleich nach der Neueröffnung wieder schliessen», sagt sie. Doch sie habe in der schwierigen Zeit während der Pandemie niemanden entlassen. «Wir konnten dank der grossen Fläche mit Abstandsregeln wieder öffnen.» Doch der Einbruch im Absatz sei nachhaltig gewesen. Die Kunden hatten gelernt, von zu Hause aus einzukaufen.

Preisdruck ist riesig

Ein weiteres Problem seien die ganz grossen Player im Geschäft, die Billigmöbel anbieten. Sie sagt: «Die Leute kaufen lieber alle drei Jahre für wenig Geld eine neue Einrichtung als ein etwas teureres Möbelstück bei uns, das ein ganzes Leben hält.»

Unterstützt wird Luisiana Steffen vom Liquidator Thomas Karger (52). Für ihn ist das Ende von Laubscher bereits die fünfte Liquidation eines Schweizer Möbelhauses, die er innert zwei Jahren durchführt. Auch er sieht vor allem den hohen Preisdruck als Umsatzkiller: «Der Zerfall des Euros hat zum Beispiel das nahe Ausland stark begünstigt. Die deutschen Anbieter konnten allein durch die Abwertung der Währung mehr als 25 Prozent günstiger anbieten.»

Noch bis Ende Jahr begleitet er die Liquidation. Laufend kommen neue Möbel dazu, die die Firma bereits bestellt hatte, bevor das Ende in Sicht war. Auch diese Ware muss Möbel Laubscher stark vergünstigt abgeben, Ende Jahr soll das Lager leer sein.

Endlich Zeit für die Familie

Die Zeit des Abschieds sei für die Familie nicht einfach, sagt Luisiana Steffen. Aber: Sie freut sich auch auf die Zeit nach der Liquidation. Sie sagt: «Jetzt habe ich dann endlich mehr Zeit für die Familie. Und es ist auch eine finanzielle Erleichterung. Die Kosten waren am Schluss höher als der Erlös.»

Ganz aufhören will sie nicht, und sie bleibt im Einrichtungsbusiness. «Das ist meine Leidenschaft», sagt sie. «Ich sattle leicht um und mache eine Ausbildung in Interior Design.»


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