Abstimmung über Covid-Gesetz
In Skeptiker-Dörfern stürmen die Bürger an die Urnen

In vielen Dörfern mit niedriger Impfquote ist die Quote hoch. Was das für den Urnengang bedeutet.
Publiziert: 14.11.2021 um 11:30 Uhr
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Aktualisiert: 14.11.2021 um 13:25 Uhr
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Die Abstimmung über das Covid-Zertifikat mobilisiert die Stimmbürger.
Camilla Alabor

Bis zum Sommer war Fischenthal ZH vor allem für seine idyllische Lage am Fuss des Hörnli bekannt. Nun sorgt das Dorf für Schlagzeilen, weil es mit 2500 Einwohnern zu den impfskeptischsten im Kanton zählt. Während die Immunisierungsquote Ende Oktober in der gesamten Schweiz 64 Prozent betrug, belief sie sich in Fischenthal gerade mal auf 47,5 Prozent.

Da ist es kaum erstaunlich, dass die Abstimmung über das Covid-Zertifikat in Fischenthal mobilisiert wie kaum eine zuvor. Gestern Freitag lag die Rücklaufquote der Stimmkuverts bei rund 17 Prozent. Zum Vergleich: Bei den Abstimmungen vom 13. Juni und 26. September dieses Jahres betrug die Stimmbeteiligung zum selben Zeitpunkt neun und sieben Prozent.

Und dies, obwohl bereits die Abstimmung vom 13. Juni die bäuerliche Bevölkerung mobilisierte wie selten zuvor: Die geballte Opposition gegen die beiden Pestizid-Initiativen sorgte dafür, dass die Stimmbeteiligung auf dem Land teils rekordhohe Werte erreichte.

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Eine tiefe Impfquote heisst noch nichts

Impfskeptisch ist die Bevölkerung auch in Appenzell Innerrhoden. Im Bezirk Appenzell zeigt sich ein ähnliches Bild wie in Fischenthal: Die Beteiligung ist deutlich höher als bei anderen Abstimmungen. Derzeit liegt sie bei 19 Prozent, während es im September 16 waren. Als es vor einem Jahr um die SVP-Begrenzungs-Initiative und das Jagdgesetz ging, waren es lediglich neun Prozent. Einzig die Bauern vermochten im Juni dieses Jahres noch stärker zu mobilisieren: Zwölf Tage vor der Abstimmung betrug die Beteiligung bereits 21 Prozent.

Natürlich bedeutet eine tiefe Impfquote bei hoher Mobilisierung nicht automatisch, dass in einer Gemeinde in erster Linie die Gegner des Covid-Zertifikats abstimmen gehen. Zumal viele Stimmzettel erst in der letzten Abstimmungswoche in den Gemeindehäusern eintrudeln – und das Bild nicht immer derart eindeutig ist.

So liegt die Stimmbeteiligung in Diemtigen BE, das in einem Bezirk mit tiefer Impfquote liegt, derzeit bei 13 Prozent, deutlich höher als im September (sechs Prozent), aber tiefer als bei der Abstimmung im Juni (16 Prozent).

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Situation in Städten schwierig zu beurteilen

Und wie sieht die Stimmbeteiligung in den Städten aus, die typischerweise eine höhere Impfquote aufweisen? Nachfragen in Zürich, Bern und St. Gallen ergeben kein eindeutiges Bild. So lag die Quote in Zürich am Freitag bei 15 Prozent. Das ist weniger als bei der Abstimmung über die Ehe für alle im September (17 Prozent), aber höher als bei den Agrar-Initiativen im Juni (13 Prozent).

Anders die Situation in St. Gallen: Dort liegt sie mit 23 Prozent deutlich über den zwei vergangenen Abstimmungen (19 und 18 Prozent). Auch in der Stadt Bern ist die Stimmbeteiligung mit 15 Prozent bisher verhältnismässig hoch.

Was heisst das nun alles für die Abstimmung über das Covid-Zertifikat? Klar scheint, dass das Thema die Stimmbürger mobilisiert – egal, wo sie wohnen.

Falls die Gegner des Covid-Zertifikats aber in deutlich höherem Masse an die Urne gehen als die Befürworter, dann könnte das Resultat am Ende knapper ausfallen, als es die Umfragen derzeit vermuten lassen.

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