Zerbricht SVP-FDP-Allianz im Aargau?
Glarner flirtet mit Mass-Voll – FDP stocksauer

Die Listenverbindung zwischen FDP und SVP im Aargau könnte an Andreas Glarners Sympathien gegenüber der Anti-Corona-Bewegung Mass-Voll zerbrechen.
Publiziert: 12.07.2023 um 09:52 Uhr
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Aktualisiert: 12.07.2023 um 14:17 Uhr
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Sie sind offen für eine Listenverbindung im Aargau: Andreas Glarner, Präsident der SVP Aargau (r.), und Nicolas Rimoldi, Kopf der Mass-Voll-Bewegung.

«Wir wollen flächendeckende Listenverbindungen mit der FDP», das gab SVP-Präsident Marco Chiesa (48) für die nationalen Wahlen im Herbst vor. Nun zeigt sich, dass der Schulterschluss der Bürgerlichen weniger harmonisch verläuft als erhofft.

Mittlerweile sind zwar in mindestens neun Kantonen Listenverbindungen zwischen den beiden geplant. Läuft alles nach dem Willen der Parteistrategen, könnte es sogar in elf Kantonen zu Allianzen zwischen FDP und SVP kommen.

Im Kanton Aargau allerdings scheint die Stimmung zwischen den beiden Parteien verstimmt. Grund dafür ist, dass Andreas Glarner (60), Nationalrat und Präsident der SVP Aargau, sich auch offen gegenüber einer weiteren Listenverbindung mit den Massnahmenkritikern von Mass-Voll zeigt. Das berichtet die «Aargauer Zeitung».

Bevor Glarner einer taktischen Verbindung rund um die Liste von Nicolas Rimoldi (28) definitiv zusagen will, müsse man noch schauen, wer konkret auf der Aargauer Mass-Voll-Liste kandidiere, sagt er. «Aber soweit ich sehe, hat Rimoldi schweizweit bis jetzt valable Kandidaten am Start.» Rimoldi, der als Kopf der Mass-Voll-Gruppe gilt, tritt selber in Zürich für die Wahlen an.

«Rote Linie überschritten»

Doch gerade die Sympathie von Glarner mit Mass-Voll gefährdet die Listenverbindung mit der FDP – weshalb der SVP-Mann nun mit den Freisinnigen über den Pakt reden will.

Doch die FDP stellt sich quer: Eine Listenverbindung mit Mass-Voll kommt für sie nicht infrage, sagt die Aargauer FDP-Präsidentin Sabina Freiermuth (58) zur «Aargauer Zeitung». Damit würde eine rote Linie überschritten.

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Die Allianz der beiden Parteien ist schon früher auf die Probe gestellt worden. So kam es in weiten Teilen der FDP auch nicht gut an, dass die SVP kürzlich muslimische Schweizer Soldaten in einem Tweet verunglimpfte. Dass man eine Listenverbindung mit der SVP eingehe, habe rein arithmetische Gründe, hiess es schon damals vonseiten der FDP Aargau.

Glarner lud Rimoldi ins Bundeshaus

Dass Glarner gute Verbindungen zu Rimoldi pflegt, ist seit einem Vorfall im Bundeshaus schweizweit bekannt: Der SVPler hatte den Massnahmenkritiker ins Bundeshaus eingeladen, just an dem Tag, an dem der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (45) sich in einer Ansprache online ans schweizerische Parlament wandte.

Während Medienschaffenden, Lobbyisten und Partei-Mitarbeitenden der Zugang in die Wandelhalle «aus Sicherheitsgründen» verwehrt war, konnte sich Mass-Voll-Präsident Rimoldi dort unbehelligt bewegen. (sie)

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