Er bereitet die Truppe vor: So läuft die grösste Mobilmachung seit dem Krieg(01:55)

Zahlen und Fakten
Alles zur grossen Mobilmachung

4900 Soldaten im Assistenzdienst, 8000 Pakete pro Tag und rund 250 Verweigerer. BLICK nennt die wichtigsten Fragen und Antworten zur grössten Mobilmachung der Schweizer Armee seit dem Zweiten Weltkrieg.
Publiziert: 05.04.2020 um 22:57 Uhr
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Aktualisiert: 07.04.2020 um 15:46 Uhr
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Gemeinsam mit dem Gesamtbundesrat hat Verteidigungsministerin Viola Amherd die grösste Mobilmachung seit dem Zweiten Weltkrieg befohlen.
Daniel Ballmer

Wie viele Armeeangehörige wurden bis jetzt aufgeboten?
Am Samstag leisteten 4900 Armeeangehörige Assistenzdienst. Die Maximalgrenze liegt bei 8000. Das Personal wird vorab fürs Gesundheitswesen eingeteilt. Dafür setzt der Bundesrat sämtliche dafür zur Verfügung stehenden Kräfte der Armee ein: alle vier Spitalbataillone, fünf Sanitätskompanien, dazu die Rekruten- und Offiziersschulen aus Airolo TI. Sie kümmern sich um Pflege, Patientenüberwachung, sanitätsdienstliche Transporte oder Spitallogistik wie Bettendesinfektion, Küche, Wäscherei und Reinigung. Daneben unterstützen Militärpolizisten und ein Milizbataillon die Grenzwache.

Nach welchen Kriterien werden die Soldaten aufgeboten?
Das richtet sich nach den Bedürfnissen der Kantone. Sie bestimmen, nach welchen Kriterien die Armeeangehörigen aufgeboten werden.

Die Armee macht via SMS mobil. Wie funktioniert das?
Der Soldat erhält ein SMS mit Einrückungsort, Datum und Zeit sowie der Anweisung, die Nachricht zu quittieren. Die Armee versucht, möglichst viel Vorlauf zu geben. Meist hatten die Soldaten 48 Stunden Vorwarnzeit. Zudem wird mindestens 24 Stunden vor der Mobilmachung eine Vorinformation verschickt mit dem Hinweis, dass ein Aufgebot erfolgen könnte. So wurde die Vorwarnzeit nochmals erhöht.

Was, wenn sich Soldaten weigern, den Dienst anzutreten?
80 Prozent der Aufgebotenen haben auftrags­gemäss quittiert, eingerückt sind sogar mehr. Nach der Alarmierung per SMS erhalten Ferngebliebene noch einen schriftlichen Marschbefehl. Dann wird abgeklärt, weshalb Einzelne nicht eingerückt sind – und ob dies gerechtfertigt ist oder nicht. Können Armeeangehörige für ihr Fernbleiben keine guten Gründe anführen, wird ihr Dossiers der Militärjustiz übergeben. Sie müssen «mit Konsequenzen rechnen». Bisher war von rund 250 betroffenen Personen die Rede.

Wie wird sichergestellt, dass die einrückenden Soldaten gesund sind?
Die Armee verzichtet auf Tests beim Einrücken. Wer Symptome aufweist, soll zu Hause bleiben oder wird beim Dienstantritt sofort separiert und in Quarantäne gesetzt. Am Samstag wurden 174 Erkrankte und etwa 850 Personen in Quarantäne verzeichnet. Mit diesem Vorgehen befolge die Armee strikt die Weisungen des Bundesamts für Gesundheit, betont die Militärspitze. Die Tests seien knapp in der Schweiz. Daher sei es wichtig, dass man sie dort einsetze, wo sie dringend benötigt würden.

Wie weit können die Soldaten das Spitalpersonal tatsächlich entlasten?
Die Armee unterscheidet zwischen den Aufgaben im Gesundheitswe­sen und der Unterstützung von Polizei und Grenzwachtkorps bei Schutzauf­gaben. In den Spitälern geht es darum, das zivile Fachpersonal zu entlasten. Dafür verfügen die Spitalsoldaten über eine im Militär erworbene, zivil anerkannte Aus­bildung in der Grundpflege. Auch die Grenzwache wird mit qualifiziertem Personal, unter anderem von Militärpolizisten, sowie bei Kont­roll- und Routineaufgaben entlastet. Die Polizei wird ebenfalls durch die Übernahme rückwärtiger Aufgaben, wie dem Botschaftsschutz, entlastet.

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Armeeangehörige arbeiten oft auf engstem Raum miteinander. Wie werden die Vorgaben des Bundesrats umgesetzt?
Drei Regeln sind festgelegt worden: 1. Die verordneten Hygienemassnahmen und das Social Distancing sind kompromisslos umzusetzen. 2. Im Rahmen von militärischen Ausbildungen ist die Vorgabe von mindestens zwei Me­ter Abstand wenn immer möglich einzuhalten. 3. Dort, wo die Umstände dies nicht zulassen – etwa bei der Ausbildung mit Fahrzeugen oder bei der Sanitätsausbildung – sind Schutzmasken zu tragen. Soldaten aber berichten, dass die Distanzregeln kaum einzuhalten sind.

Der Druck auf die Armeeangehörigen ist gross. Wie werden sie unterstützt?
Hunderte Soldaten können über Wochen nicht nach Hause. Sie schlafen wenig, leisten emotional fordernde Einsätze – mit dem Risiko einer Ansteckung. Die Armee setzt daher psychologisch-pädagogische Spezialisten ein.

Die Soldaten können über Wochen nicht heim. Wird ihnen die Wäsche gewaschen?
Ja, jeder Armeeangehörige hat Anrecht auf das Waschen von fünf Kilo Schmutz­wäsche alle zwei Wochen. Dennoch wird auch viel Dreckwäsche nach Hause geschickt. Das bekommt die Feldpost zu spüren. Waren es früher 1000 Pakete täglich, sind es jetzt 8000. Darunter viele Wäschesäcke. Eine Rekordzahl.

Darf man den Soldaten Fresspakete schicken?
Fresspäckli und Briefe sind auch während dem Einsatz Corona 20 willkommen, betont die Militärspitze. Die Post befördert nach wie vor kostenlos Brief- und Paketsendungen an Armeean­gehörige bis zu einem Maximalgewicht von fünf Kilo.

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Welcher Austausch mit Familie und Freunden ist noch möglich?
In der Freizeit auf elektronischem Weg. Zudem sind individuelle Urlaube im Assistenzdienst wieder möglich.

Die Armee leistet einen ausserplanmässigen Grosseinsatz. Läuft sie damit Gefahr, dass ihr die jetzt eingesetzten Soldaten dafür in Zukunft fehlen?
Nein. Weil der Einsatz länger dauern kann, wird nur ein Teil an die Ausbildungspflicht angerechnet. Konkret: jene Diensttage, welche die Armeeangehörigen in diesem Jahr ohnehin hätten leisten müssen. Ansonsten würden sie ihre Dienstpflicht so rasch vollenden, dass der Armee tatsächlich auf Jahre hinaus Sanitätseinheiten fehlen würden.

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Schutz gegen Coronavirus

Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit, wie Sie sich selbst schützen können:

Hygienemassnahmen

  • Hände regelmässig mit Wasser und Seife waschen und/oder Desinfektionsmittel nutzen.
  • Nicht in Hände niesen oder husten, sondern Taschentuch oder Armbeuge nutzen. Taschentücher anschliessend sofort korrekt in geschlossenem Abfalleimer entsorgen.
  • Bei Fieber und Husten zwingend zu Hause bleiben.

Kontakt minimieren

  • Zu Hause blieben und Kontakte mit Personen möglichst minimieren. Nur in Ausnahmesituationen aus dem Haus gehen: Lebensmittel einkaufen / Arzt- oder Apothekenbesuch / Homeoffice ist für Ihre Arbeit nicht möglich / Sie müssen anderen Menschen helfen. Kontakt mit Personen vermeiden, die Atembeschwerden oder Husten haben.
  • Wichtig: Keine Begrüssungsküsschen, keine Umarmungen, kein Händeschütteln.
  • 2 Meter Abstand zu Mitmenschen halten, beispielsweise beim Anstehen oder bei Sitzungen.
  • Öffentliche Verkehrsmittel meiden und Lieferdienste nutzen.
  • Bei Symptomen (Atembeschwerden, Husten oder Fieber) nicht in die Öffentlichkeit gehen und umgehend – unbedingt zuerst telefonisch – eine Ärztin, einen Arzt oder eine Gesundheitseinrichtung kontaktieren.

Informiert bleiben

  • An die Regeln und Ansagen der Behörden halten. Infoline Coronavirus: 058 463 00 00, Info-Seite des BAG: bag-coronavirus.ch

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Hygienemassnahmen

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  • Nicht in Hände niesen oder husten, sondern Taschentuch oder Armbeuge nutzen. Taschentücher anschliessend sofort korrekt in geschlossenem Abfalleimer entsorgen.
  • Bei Fieber und Husten zwingend zu Hause bleiben.

Kontakt minimieren

  • Zu Hause blieben und Kontakte mit Personen möglichst minimieren. Nur in Ausnahmesituationen aus dem Haus gehen: Lebensmittel einkaufen / Arzt- oder Apothekenbesuch / Homeoffice ist für Ihre Arbeit nicht möglich / Sie müssen anderen Menschen helfen. Kontakt mit Personen vermeiden, die Atembeschwerden oder Husten haben.
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  • An die Regeln und Ansagen der Behörden halten. Infoline Coronavirus: 058 463 00 00, Info-Seite des BAG: bag-coronavirus.ch
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