Auch die Zugerin Weichelt will nicht
Gerhard Andrey bleibt der einzige grüne Bundesrats-Kandidat

Trotz Wahlschlappe haben die Grünen zum Angriff auf einen der beiden FDP-Sitze im Bundesrat geblasen. Nach Ablauf der Meldefrist ist klar: Es gibt nur einen Kandidaten, der bereit ist, sich zur Verfügung zu stellen.
Publiziert: 30.10.2023 um 13:30 Uhr
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Aktualisiert: 03.11.2023 um 14:14 Uhr
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Die Grünen wollen mit Gerhard Andrey einen FDP-Sitz erobern.
Blick-Bundeshausredaktion

Der Freiburger Nationalrat Gerhard Andrey (47) war der erste, der sich aus dem Busch wagte – und er bleibt der einzige. Am Freitagmittag ist die Frist der Grünen für Bundesratskandidaturen abgelaufen. Abgesehen von Andrey, der am Dienstag seine Kandidat bekannt gegeben hatte, sagten alle potenziellen Kandidierenden ab. 

Kurz nach Ablauf der Meldefrist hat die Zuger Nationalrätin Manuela Weichelt (56) am Freitag bekannt gegeben, dass auch sie nicht Bundesrätin werden will. Die langjährige Regierungsrätin sagt aus persönlichen Gründen ab. Sie könne eine Kandidatur aktuell nicht «mit dringend anstehenden, privaten Herausforderungen» vereinbaren. 

Die Grünen zeigen sich trotz nur eines Kandidaten zufrieden. Man freue sich über die «ausgezeichnete Kandidatur, hinter die sich im Verlauf der Woche alle übrigen potentiellen Kandidierenden gestellt haben», liess sich Fraktionschefin Aline Trede (40) in einer Mitteilung zitieren. «Mit seiner langjährigen Erfahrung als Unternehmer in den Bereichen Digitalisierung, nachhaltige Finanzen und Kreislaufwirtschaft sowie seinem Engagement für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie» lebe Andrey die «grünen Werte Klimaschutz und Gleichberechtigung».

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Am kommenden Freitag will die Grünen-Fraktion Andrey offiziell nominieren. Die Grünen hatten vergangene Woche beschlossen, trotz der Wahlniederlage einen der beiden freisinnigen Bundesratssitze anzugreifen. Das Klima brauche eine Stimme im Bundesrat, so das Motto der Grünen. 

Der Versuch dürfte allerdings ziemlich hoffnungslos sein. Kaum jemand ausserhalb der Partei hat im Parlament Interesse, am 13. Dezember Gerhard Andrey zu wählen. 


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Diese Grünen haben alle abgesagt

Manuela Weichelt (56): Als ehemalige Regierungsrätin in Zug kann Weichelt Exekutiverfahrung vorweisen. Seit 2019 sitzt sie im Nationalrat. Sie werde in den nächsten Tagen mit Familie und Partei «ernsthaft über eine Bundesratskandidatur sprechen», sagte sie am Wochenende. Am Ende winkte auch sie aber ab.

Bastien Girod (42): Der Zürcher Nationalrat Bastien Girod hat sich eine Kandidatur überlegt, sagte am Donnerstag aber zu Blick: «Ich bin zum Schluss gekommen, dass ich diesen Winter für eine Kandidatur nicht zur Verfügung stehe.» Mit Gerhard Andrey stehe ein guter Kandidat mit ähnlichem politischen Profil zur Verfügung, das habe den Entscheid vereinfacht. «Er wird die Umwelt- und Klimafahne im Bundesrat hochhalten», so Girod.

Mathias Zopfi (39): «Nein, ich trete nicht an», sagte er dem «Tages-Anzeiger». Der Glarner Ständerat gilt als moderater Grüner, weshalb er bis zu einer Absage als Kronfavoriten der Grünen gehandelt wurde. «Meine persönliche Vision ist, dass wir mit unserer Kandidatur die Hand weit bis in das Lager der Mitte und der Liberalen ausstrecken», ergänzte Zopfi, der eine eigene Bundesratskandidatur für die Zukunft nicht ausschliessen will.

Franziska Ryser (32): Auch die St. Gallerin will sich nicht zur Verfügung stellen. Ihr Fokus liege momentan auf ihrem Amt als Vizepräsidentin der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK) zum CS-Untergang, begründet sie ihre Absage gegenüber Blick. Dabei wäre Ryser wie Lisa Mazzone eine junge Bundesratshoffnung der Grünen. Im Frühjahr ist sie im Rennen um den freigewordenen Ständeratssitz im Kanton gegen SVP-Konkurrenz Esther Friedli (46) unterlegen. 

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Aline Trede (40): Als Fraktionschefin leitet Trede die Suche nach einem Bundesratskandidaten oder einer -kandidatin. Dass sie selbst kandidiert, war daher sehr unwahrscheinlich – ganz ausschliessen wollte sie es aber erst nicht. Gegenüber dem SonntagsBlick sagt sie, eine Kandidatur sei für sie «nicht prioritär».

Bernhard Pulver (58): Für ihn stehe eine Bundesratskandidatur für diesen Herbst nicht zur Diskussion, teilt der Berner mit. «Das heisst aber nicht, dass ich eine Kandidatur für alle Zukunft ausschliesse, aber diesen Herbst ist das für mich kein Thema.» Von 2006 bis 2018 amtete Pulver als Berner Erziehungsdirektor. 

Lisa Mazzone (35): Mazzone muss in Genf gerade um ihre Wiederwahl in den Ständerat bangen. Es sei nun nicht der richtige Zeitpunkt für eine Bundesratskandidatur, begründet sie ihre Absage. Sie wolle ihre Arbeit als Ständerätin für ihren Kanton weiter fortsetzen, sagte sie gegenüber «Le Temps».

Regula Rytz (61): Die Grünen schickten die Bernerin ins vergangene Bundesratsrennen. 2019 forderte die damalige Parteichefin die FDP heraus. Ist die alte Kandidatin auch die neue? «Nein, ich stehe nicht zur Verfügung», sagt Rytz zu Blick. Sie wurde von ihrer Partei schon vor längerer Zeit angefragt, hat aber abgesagt. Das hat auch mit ihrem Rücktritt aus dem Parlament im Mai 2022 zu tun. «Ich habe mein Leben neu organisiert und bin sehr zufrieden damit», sagt sie. Tatsächlich hat sie ein eigenes Beratungsbüro aufgebaut und amtet unter anderem als Helvetas-Präsidentin. Den erneuten Angriff der Grünen will sie als ehemalige Präsidentin nicht kommentieren.

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Balthasar Glättli (51): Sogar der Parteipräsident will von einer Kandidatur nichts wissen. Glättli hält an seinem Entscheid gegen eine persönliche Bundesratskandidatur fest, wie er am Wochenende mitteilte. Die Grünen würden aber eine «überzeugende Kandidatur» präsentieren, zeigte er sich überzeugt.

Martin Neukom (37): Im Alter von 32 Jahren wurde Neukom 2019 in den Zürcher Regierungsrat gewählt. Als Baudirektor ist er für ein wichtiges grünes Thema im grössten Schweizer Kanton verantwortlich: die Energiewende. Auch er gilt als pragmatischer Grüner, was ihn wählbarer macht als andere. Doch Neukom will nicht. «Ich stehe für eine Bundesratskandidatur nicht zur Verfügung», sagt er auf Anfrage von Blick.

Greta Gysin (40): Für die Tessiner Nationalrätin kommt eine Bundesratskandidatur derzeit nicht infrage. Sie wolle sich ganz auf den zweiten Ständerats-Wahlgang im Tessin konzentrieren, sagt sie zum «Tages-Anzeiger». Dort fordert sie unter anderem SVP-Präsident Marco Chiesa (49) und Mitte-Politiker Fabio Regazzi (61) heraus.

Irène Kälin (36): Die Aargauerin war 2021 als Nationalratspräsidentin die höchste Schweizerin und hatte dadurch Bekanntheit erlangt. Für den Bundesrat sagt sie ab. Als Mutter eines kleines Kindes traue sie sich diesen Job derzeit nicht zu, sagte sie zu Tele Züri.

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Nicolas Walder (57): Auch der Genfer hat sich bereits aus dem Rennen genommen, wie er gegenüber «Le Temps» erklärte. Der Nationalrat amtet als Vizepräsident der Grünen Schweiz.

Maya Graf (61): Graf ist ein grünes Urgestein in Bern. Die Baselbieterin sass von 2001 bis 2019 im Nationalrat und vertritt ihren Kanton seither im Ständerat. Den nächsten Schritt aber will sie nicht machen und verzichtet auf eine Bundesratskandidatur. «Ich bin der Typ fürs Parlament», sagt sie zu Blick. «Und diesen Job mache ich sehr gerne.»

Christine Häsler (60): Die Grüne Berner Regierungsrätin Christine Häsler hat kein Interesse an eine Bundesratskandidatur. Sie möchte sich weiterhin auf ihre Aufgabe als Bildungs- und Kulturdirektorin des Kantons Bern konzentrieren. Zwischen 2015 und 2018 war die 60-Jährige für die Grünen im Nationalrat.

Brigit Wyss (63): Die Solothurner Regierungsrätin und ehemalige Nationalrätin hat die FDP schon einmal herausgefordert – und zwar 2010, als es um die Nachfolge von Bundesrat Hans-Rudolf Merz (80) ging. Diesmal verzichtet sie. «Ich stehe nicht zur Verfügung», sagt sie gegenüber Blick. «Ich bin sehr gerne Regierungsrätin.»

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