Trotz 32'000 Hospitalisierungen
Ärzte melden kaum Medi-Nebenwirkung

Eine neue Studie zeigt, dass nur wenige Ärzte die Nebenwirkungen von Medikamenten melden. Die Hintergründe.
Publiziert: 27.09.2023 um 19:48 Uhr
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Aktualisiert: 28.09.2023 um 08:30 Uhr
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In der Schweiz müssen jedes Jahr 32'000 Menschen wegen Nebenwirkungen von Medikamenten ins Spital, das zeigt eine neue Studie.

Medikamente sollen heilen. Häufig tun sie das auch. Doch nicht immer. In der Schweiz müssen jedes Jahr 32'000 Menschen wegen Nebenwirkungen von Medikamenten ins Spital, das zeigt eine neue Studie. Dazu kommt es zu 700 Todesfällen pro Jahr. Studienautor Patrick Beeler relativiert gegenüber dem «Tages-Anzeiger». «Es sind aber nicht alle an den Nebenwirkungen gestorben. Häufig waren die Hospitalisierten in einem schlechten gesundheitlichen Zustand.» 

Eigentlich müssten schwerwiegende Nebenwirkungen an die Zulassungsstelle Swissmedic gemeldet werden. Faktisch passiert das aber nur wenig: Gerade mal fünf Prozent der Hospitalisierung und 12 Prozent der Todesfälle werden gemeldet. Im internationalen Vergleich sei die Schweiz aber gut dran. «In anderen Ländern liegt die Melderate von Spitaleinweisungen bei 0,6 bis knapp 5 Prozent.» Angesichts der vielen Medikamente, die jeden Tag eingenommen werden, sei die Zahl nicht beunruhigend.

Wissen die Ärzte nichts davon?

Warum die Meldepflicht nicht so stark umgesetzt wird, ist unklar. Beeler verweist auf eine Studie aus Deutschland, wonach einige Ärzte von der Meldepflicht nichts wissen. «Genannt wurden auch der hohe Aufwand einer Meldung, Datenschutzbedenken oder Angst vor juristischen Folgen. Manche bemängelten zudem fehlende Anreize», sagt er zum «Tages-Anzeiger».

Beeler will, dass die Meldepflicht auch in der Ausbildung von jungen Ärztinnen und Ärzten angesprochen wird. «Ich kann mich nicht erinnern, dass dies während meines Studiums jemals thematisiert wurde.»

Trotz fehlender Meldungen. «Das System funktioniert gut», sagt Beeler. Es würden nur selten unbekannte Nebenwirkungen entdeckt. «Natürlich wäre es besser, wenn mehr gemeldet würde. Aber letztlich gibt es auch keine Alternative zum Meldesystem, wie wir es kennen.» (bro) 


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