SVP-Nationalrat fordert
Zivis sollen den Wolf verjagen

Die Bergbevölkerung ist besorgt. Nutztiere sind vom Wolf immer stärker gefährdet. Meist wird deshalb der Abschuss der Tiere gefordert. SVP-Nationalrat Michael Graber schlägt nun eine andere Lösung vor.
Publiziert: 06.12.2021 um 09:32 Uhr
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Aktualisiert: 07.12.2021 um 09:40 Uhr
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130 bis 150 Wölfe leben derzeit in der Schweiz, 30 bis 50 davon im Wallis.

Das Wolf-Problem sei gross. Der Walliser SVP-Nationalrat Michael Graber (40) betont es gleich mehrfach. «Bei uns brennt es der Bevölkerung unter den Nägeln. Jeder hat einen Onkel oder eine Cousine, die nebenbei noch Schafe hat», sagt er. Immer mehr Tiere würden gerissen.

Gerade im Oberwallis ist die Zucht der Schwarznasenschafe eine landwirtschaftliche Tradition. Das betrifft längst nicht nur ein paar Bauern, sondern im Nebenerwerb auch Beamte oder Fabrikarbeiter. Vom Wolf sind daher viele betroffen. Das zeigte sich auch am letzten Sonntag: 63 Prozent haben Ja gesagt zur Initiative «Kanton Wallis ohne Grossraubtiere». Da das Volksbegehren aber Bundesrecht widerspricht, wird sich kaum etwas ändern.

Für einige Wochen auf die Alp

Graber will deshalb einen neuen Weg einschlagen. Mit einer soeben eingereichten Motion ruft er den Bundesrat um Hilfe an: Die Landesregierung soll sofort den Zivildienst aufbieten, um den Wolf in seine Schranken zu weisen. Während der Sommermonate sollen Zivis jeweils ein paar Wochen auf Alpen verbringen und als Hirten die Schafe und Ziegen beschützen.

130 bis 150 Wölfe leben derzeit in der Schweiz, 30 bis 50 davon im Wallis. Und jedes Jahr wächst die Population um 20 bis 30 Prozent. Sogar Wolfsfreunde sind einverstanden, dass es Massnahmen wie Herdenschutz oder Regulierungen braucht. Die Alpung von Schafen ist wegen Schutzzäunen und dem Lohn für Hirten aufwendiger geworden. Und wo Schutz fehlt oder lückenhaft ist, gehen jedes Jahr Schafe an den Wolf verloren.

«Tierhalter sind verzweifelt»

Allein in diesem Sommer sind rund 300 Nutztiere gerissen worden. «In den Gebirgskantonen wurden auf zahlreichen Alpen Schafe und Ziegen vorzeitig abgezogen», sagt Graber. «Die Tierhalter sind verzweifelt und beginnen vielerorts ob der Machtlosigkeit zu resignieren.» Vermutlich würden viele Alpen im nächsten Sommer gar nicht mehr bestossen. Gebiete würden unausweichlich verwildern.

Um das zu verhindern, brauche es die Präsenz des Menschen. Oft seien Herden mit Hunden unterwegs, dennoch komme es zu Wolfsrissen. Vielen Züchtern aber sei es nicht möglich, selber den Sommer auf einer Alp zu verbringen oder jemanden dafür zu bezahlen, gibt Nationalrat Graber zu bedenken: «Hier ist nun der Bund gefordert.»

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Vorschlag stösst auf Interesse

Grabers Vorschlag stösst auch bei Umweltorganisationen in einer ersten Reaktion auf Interesse. Das erstaunt nicht. Immerhin hat etwa Pro Natura Graubünden in diesem Jahr das Pilotprojekt «Pasturs Voluntaris» ins Leben gerufen, mit dem die Organisation für den Herdenschutz Freiwillige sucht.

Heute sei der Zivildienst gerade auch im Bereich der Landwirtschaft, der Landschaftspflege und zum Erhalt von Kulturgütern tätig. Dabei entscheidet der Bundesrat, in welchen Fällen Einsätze auch anderweitig erlaubt sind. «Das sollte auch hier möglich sein», mein Graber. «Immerhin wird das Militär zum Beispiel auch für Skirennen eingesetzt. Das hat ja auch nicht unmittelbar mit der Sicherheit des Landes zu tun.» (dba)

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