Politologe Claude Longchamp: «Das ist das Ende der Mass-Voll-Bewegung»(07:42)

Resultat im Kanton Zürich
Schlappe für Corona-Skeptiker Rimoldi

Für mehrere Zürcher Politikerinnen und -politiker endete der Wahlsonntag bitter: Sie wurden abgewählt. Nebst dem Ökolager gehören auch die Corona-Skeptiker zu den Verlierern. Die Siegerinnen: Mitte und SP.
Publiziert: 22.10.2023 um 22:30 Uhr
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Aktualisiert: 21.11.2023 um 17:18 Uhr
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Nicolas Rimoldi hat die Wahl klar verpasst.
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Lea HartmannRedaktorin Politik

Kurz vor 21.30 Uhr herrschte Gewissheit. Meret Schneider (31) hat es nicht geschafft. Die Grünen-Nationalrätin ist abgewählt – gerade einmal vier Jahre, nachdem sie die Klimawahlen nach Bern gebracht hatten, ist die Politkarriere schon wieder zu Ende. Die Abwahl sei «brutal schmerzhaft», schrieb sie am Sonntagabend auf X. Im Moment möchte sie «einfach nur im Boden versinken».

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Auch für Schneiders Kollegin Katharina Prelicz-Huber (64) sah es lange so aus, als sei die Zeit in Bern zu Ende. Sie, die schon einmal abgewählt worden ist, hatte sich schon mit ihrem Schicksal abgefunden. «Für mich beginnt jetzt ein anderes Leben», sagte sie. Doch als das Endergebnis eintraf, die Überraschung: Für Prelicz-Huber reichte es doch. Der Absturz der Grünen: Er ist in Zürich doch nicht so gross, wie im Verlauf des Sonntagnachmittags erwartet worden war.

Prelicz-Huber nicht abgewählt: «Unglaublich, ich konnte es erst gar nicht glauben»(01:43)

Dafür müssen die Grünliberalen bluten. Ihre Delegation schrumpft von vier auf zwei Sitze. Für die Bisherigen Judith Bellaiche (52) und Jörg Mäder (48) ist Schluss.

Zwei Neue für die SP

Während das Ökolager verliert, machen die Sozialdemokraten ein Plus. Die SP holt acht Sitze – einen mehr als bisher. Durch den Rücktritt des bisherigen Nationalrats Angelo Barrile (47) haben es zwei neue SPler ins Bundeshaus geschafft: Islam Alijaj (37), der im Rollstuhl sitzt und sich für die Rechte von Menschen mit Behinderungen starkmacht, und die queere Aktivistin und Autorin Anna Rosenwasser (33). Beide kommen aus der Stadt Zürich.

Auch die Mitte legt zu, von einem Sitz auf drei. Damit nähert sich die Mitte den geschrumpften Grünen.

Rimoldi chancenlos

Zu den Verlierern gehören neben GLP und Grünen auch die Corona-Skeptiker. Nicolas Rimoldi (28) waren intakte Chancen auf einen Sitz ausgerechnet worden. Doch daraus wurde nichts. Die Massnahmenkritiker, die sich während der Corona-Pandemie formiert haben, blieben chancenlos. Mass-Voll-Anführer Rimoldi holte gerade einmal knapp 10'400 Stimmen. Die Listenverbindung zwischen Mass-Voll, der anderen massnahmenkritischen Organisation Aufrecht, den Schweizer Demokraten und der EDU stellte sich zum Vorteil letzterer Partei heraus: Diese konnte ihren ersten Sitz holen.

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Weil Zürich aufgrund des Bevölkerungswachstums einen zusätzlichen Sitz erhalten hat, geht der EDU-Gewinn nicht auf Kosten der SVP. Diese bleibt stärkste Partei und vermag ihre zehn Sitze zu halten. Aber auch hier gibt es eine Verliererin: Therese Schläpfer (64) wird abgewählt. Die FDP bleibt bei fünf Sitzen.

Jositsch im ersten Wahlgang gewählt

Zusätzlich zum achten Nationalratssitz kann sich die Zürcher SP über die Wahl von Ständerat Daniel Jositsch (58) freuen. Er liegt im Ständeratsrennen mit knapp 237'000 Stimmen klar vorn und wird als einziger im ersten Wahlgang gewählt. Hinter ihm folgt Gregor Rutz (51) von der SVP und mit etwas grösserem Abstand Regine Sauter (57, FDP), GLP-Kandidatin Tiana Angelina Moser (44) und Daniel Leupi (57) von den Grünen. Mitte-Kandidat Philipp Kutter (48) und EVP-Kandidat Nik Gugger (53) sind abgeschlagen.

Im zweiten Wahlgang stehen sich schliesslich Rutz und Moser gegenüber – wobei sich die Grünliberale deutlich durchsetzt. Für Moser rutscht Patrick Hässig (44) in den Nationalrat nach.

Ständerat: Daniel Jositsch (SP), Tiana Angelina Moser (GLP).

Nationalrat: Gregor Rutz, Alfred Heer, Thomas Matter, Mauro Tuena, Barbara Steinemann, Benjamin Fischer, Martin Haab, Nina Fehr Düsel, Bruno Walliser, Martin Hübscher (alle SVP), Jacqueline Badran, Mattea Meyer, Priska Seiler Graf, Min Li Marti, Fabian Molina, Céline Widmer, Islam Alijaj, Anna Rosenwasser (alle SP), Martin Bäumle, Corina Gredig, Barbara Schaffner, Patrick Hässig (alle GLP), Balthasar Glättli, Marionna Schlatter, Bastien Girod, Katharina Prelicz-Huber (alle Grüne), Andri Silberschmidt, Regine Sauter, Hans-Peter Portmann, Beat Walti, Bettina Balmer (alle FDP), Philipp Kutter, Nicole Barandun, Yvonne Bürgin (alle Mitte), Nik Gugger (EVP), Erich Vontobel (EDU).
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