Solidarität wird bestraft: Eltern wütend wegen Krippen-Misere(02:27)

Politfrauen fordern
Bund soll auch den Familien helfen

Der Bund unterstützt die Wirtschaft in der Corona-Krise nachhaltig. Doch Familien blieben auf der Strecke, klagen Politikerinnen. Das könne sich nach der Krise rächen.
Publiziert: 07.04.2020 um 17:48 Uhr
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Aktualisiert: 23.11.2020 um 11:33 Uhr
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Die Corona-Krise fordert die Familien stark.
Sermîn Faki und Lea Hartmann

Der Bundesrat greift vielen unter die Arme: Angestellten, die wegen der Corona-Krise den Job verlieren könnten, zahlt der Bund 80 Prozent des Lohns über Kurzarbeit. Unternehmer können unbürokratisch zinsfreie Kredite beantragen. Und auch Kulturschaffende bekommen 25 Millionen Franken.

Leer gehen bisher Kitas aus. Was zu absurden Situationen führt: Der Bundesrat verlangt, dass die Kitas offen bleiben. Gleichzeitig sind Eltern angehalten, ihre Kinder zu Hause zu betreuen – die Kita-Plätze müssen sie aber trotzdem bezahlen. Was bei Lohneinbussen wegen Kurzarbeit oder bei Einnahmeausfällen ein schmerzhaftes Loch in die Haushaltskasse reissen kann. Sozialminister Alain Berset (47) wollte deshalb auch den Kitas Bundesgelder zukommen lassen. Im Bundesrat lief er aber auf damit.

Schulschliessungen bringen auch Probleme

Ein weiteres Problem haben die Schulschliessungen geschaffen: Kinder aus bildungsfernen und finanziell schlecht gestellten Familien drohen nun, komplett den Anschluss zu verlieren.

Man müsse nicht nur der Wirtschaft, sondern auch diesen Familien helfen. Das fordern jetzt alt CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer (54) und alt BDP-Nationalrätin Rosmarie Quadranti (62) in einem dringlichen Appell an die Landesregierung.

«Während diese Kinder vor der Corona-Krise auf ein Netzwerk an Schulstrukturen, Kinderkrippen und psychologische Einrichtungen zurückgreifen konnten, sind sie jetzt vielfach auf sich alleine gestellt. Um sie zu schützen und aufzufangen, braucht es jetzt die entsprechenden Ressourcen», sagt Schmid-Federer, die Präsidentin der Jugendstiftung Pro Juventute. Je länger die Schulschliessung dauere, umso grösser werde die Kluft zwischen den privilegierten und mittelständischen Familien einerseits und den belasteten Familien andererseits.

Kein warmes Mittagessen mehr

Und Quadranti, Präsidentin von Kibesuisse, dem Verband für Kinderbetreuung, erinnert daran, dass für mehr als 140'000 Kinder ein warmes Mittagessen schon in normalen Zeiten nicht selbstverständlich sei. «Umso wichtiger waren deshalb schon vor der Krise die kostenfreien Mahlzeiten in Tagesschulen, Kinderhorten und Kinderkrippen. Durch die Schliessung der Schulen und durch den Appell des Bundesrats, Kinder möglichst zu Hause zu behalten, fällt das weg.»

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Schulen, so die beiden Nationalrätinnen, müssten die nötigen Ressourcen erhalten, um die gefährdeten Kinder und Jugendliche aufzufangen. Und der Bund müsse die Kitas in der Krise unterstützen, damit dieses wichtige soziale Netz auch danach noch intakt ist.

Bei dieser letzten Forderung erhalten Quadranti und Schmid-Federer gewichtige Unterstützung: Auch die Wirtschaftskommission und die Sozialkommission des Ständerats fordern den Bund auf, diese zu unterstützen.

Funiciello droht mit Vorstoss

Auch die SP will vom Bundesrat Taten sehen. Unter dem Hashtag «#wirmachendruck» lancierten die SP-Frauen am Wochenende im Netz eine Solidaritätsaktion für Kitas und Eltern. SP-Nationalrätin Tamara Funiciello (30), Co-Präsidentin der Frauensektion, der Partei, droht nun, in der kommenden Session mit einem Vorstoss nachzulegen, sollte der Bundesrat von sich aus nicht tätig werden.

Konkret stellt sie die Forderung auf, dass Bund und Kantone alle Kosten, die den Kitas seit dem Lockdown entstanden sind, übernimmt. Springe die öffentliche Hand nicht ein, «werden die Frauen den Preis der Krise noch stärker bezahlen, als sie es eh schon tun», warnt Funiciello. Zudem pocht sie darauf, dass die Kinderbetreuung künftig vom Staat berappt wird. «Das bietet auch den Kindern mehr Chancengleichheit.»

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