Nationale Wahlen 2023
Zuwanderung und Kaufkraft-Sorgen gaben den Ausschlag

Sorgen um die Zuwanderung und das Abebben der grünen Welle von 2019 haben der SVP und der SP bei den eidgenössischen Wahlen 2023 Gewinne verschafft. Die SVP konnte zudem gut mobilisieren, und die SP profitierte von Debatten um Kaufkraft und Krankenkassenprämien.
Publiziert: 20.06.2024 um 10:56 Uhr
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Aktualisiert: 20.06.2024 um 12:26 Uhr
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Bei den nationalen Wahlen im vergangenen Herbst ist es zu einigen Verschiebungen gekommen.
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SDASchweizerische Depeschenagentur

Das zeigt die am Donnerstag in Bern vorgestellte Studie aus dem Wahlforschungsprojekt Selects, das vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördert und vom Schweizer Kompetenzzentrum Sozialwissenschaften Fors in Lausanne durchgeführt wurde.

Das SVP-Lager konnte stärker mobilisieren als 2019, und der SVP blieb die Wählerschaft laut Studie treu. 55 Prozent der Menschen, die sich rechts verorten, gingen wählen, gegenüber 49 Prozent vier Jahre davor. Und fast neun von zehn Personen, die 2019 der SVP die Stimme gaben, taten das auch im Herbst 2023.

SVP-Sieg auf Kosten von FDP und Mitte

Zudem konnte die SVP der FDP und auch der ehemaligen CVP und BDP Wähleranteile von 2019 abspenstig machen. Bei der FDP holte sie sich 14 Prozent, bei der Mitte-Partei 7 Prozent.

Die Grünen und auch die GLP hingegen konnten nicht alle ihre mit der grünen Welle von 2019 gewonnenen Stimmen halten. Den Grünen blieben im Herbst 54 Prozent der Wähler treu, der GLP 61 Prozent. Rund ein Viertel der Grünen-Wählenden entschieden sich 2023 für die SP.

Die Anteile der GLP gingen an SP und Grüne, aber auch an die FDP und die Mitte-Partei. Auch verlor die GLP bei jungen Menschen. Stimmen von 18- bis 24-Jährigen gingen vermehrt an die SP. Die SP und die SVP waren bei den Jüngsten die wählerstärksten Parteien.

Grüne sind nicht mehr alleinige Umwelt-Partei

Bei Wählerinnen und Wählern, für die Umwelt- und Energiefragen an oberster Stelle standen, genoss die SP dieselbe Gunst wie die Grünen. Der SP sei es im Vergleich mit 2019 besser gelungen, sich bei Umwelt-Affinen als Alternative zu den Grünen zu etablieren, schrieben die Autoren und Autorinnen der Studie dazu.

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Zusätzlich profitierte die SP davon, dass die Themen Kaufkraftverlust und steigende Krankenkassenprämien im Lauf des Wahlkampfes an Bedeutung gewannen.

Die FDP konnte ihren Abwärtstrend im Herbst nicht aufhalten. Sie wurde von der SVP bedrängt. In den letzten Wochen des Wahlkampfes verlor sie «beträchtliche Wähleranteile» an die SVP, wie die Studienautoren feststellten. Jede fünfte Person, die noch im Juli 2023 die FDP habe wählen wollen, habe am Ende die SVP gewählt.

Die Wählerschaft der ehemaligen Parteien CVP und BDP hielten sich zu 82 Prozent an die Nachfolgerin, die Mitte-Partei. Die für breitere Schichten als die CVP wählbare Mitte bedrängte gemäss der Studie die FDP, zog aber auch Wechselwählerinnen und -wähler von Links an.

Die Studienautoren verglichen zudem die Positionen zwischen Kandidierenden und deren Wählerschaft. Dabei zeigte sich, dass die Polarisierung unter den Kandidierenden stärker war als bei den Wählerinnen und Wählern, sowohl bei SP und Grünen als auch bei SVP und FDP.

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Bürgerliche mit deutlich höherem Budget

Das selbst deklarierte Wahlbudget pro kandidierende Person betrug im Durchschnitt knapp 5500 Franken. Männer verfügten über gegen 6000 Franken, Frauen nur über rund 4300 Franken. Kandierende von SVP und FDP hatten im Mittel rund dreimal so viel Geld zur Verfügung wie Kandidierende von ökologischen Parteien.

Für die Studie befragt wurden rund 5000 Wahlberechtigte nach den Wahlen. Und zwischen 5500 und 8000 Personen wurden vor und nach dem Wahltag vom 22. Oktober dreimal befragt. Ausserdem gaben rund 2500 Kandidierende für den National- und den Ständerat Auskunft.

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