Darum gehts
- FDP und SVP starten Referendum gegen höhere Löhne für Zürcher Lehrpersonen
- Mehrkosten von 83 Millionen Franken, Gemeinden tragen Hauptteil der Belastung
- Zürcher Lehrer verdienen bis zu 127'235 Franken, höchste Löhne in der Deutschschweiz
Über zehn Wochen Ferien im Jahr, spätestens um 16.00 Uhr klingelt die Schulglocke und dann ab in die Badi und am Mittwochnachmittag ist sowieso frei. Die Klischees sind bekannt: Lehrerinnen und Lehrer müssen sich oft anhören, sie hätten einen Schoggijob – im Kanton Zürich wird diese Diskussion in den kommenden Monaten zunehmen.
Die FDP und die SVP ergreifen das Referendum gegen ein geändertes Lohnsystem für die Lehrpersonen. Der Kantonsrat entschied, dass die Pauschale für Klassenlehrpersonen erhöht wird und Lehrpersonen eine Stunde mehr bezahlt bekommen für die Vorbereitung. Somit müssen Lehrpersonen für den gleichen Lohn weniger unterrichten. Es braucht mehr Personal oder höhere Pensen. Das führt zu Mehrkosten von 83 Millionen Franken jährlich. Den grössten Teil übernehmen die Gemeinden. Zuerst hatten der «Tages-Anzeiger» und die «NZZ» darüber berichtet.
Lehrer: Acht Wochen unbezahlte Überzeit
Während der Verband der Lehrpersonen zufrieden ist und darauf verweist, dass heute jede Lehrerin und jeder Lehrer im Schnitt acht Wochen unbezahlte Überzeit leisten, ergreifen die kantonale FDP und die kantonale SVP das Referendum. Die Änderung bringe keine Entlastung und keinen pädagogischen Mehrwert. «Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Löhne der Lehrpersonen im Kanton Zürich heute schon sehr grosszügig sind, und weit über privatwirtschaftliche Löhne bei vergleichbarer Qualifikation hinausgehen», heisst es in einer Medienmitteilung.
Doch stimmt das auch? Die nordwestschweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz vergleicht die Löhne der Lehrerinnen und Lehrer aus der Deutschschweiz. Ein Primarlehrer oder eine Primarlehrerin verdient in der Deutschschweiz im Mittel zu Beginn seiner Laufbahn 83'551 Franken. Maximal kann er oder sie 127'235 Franken verdienen.
Zwischen den Kantonen gibt es aber grosse Unterschiede. Zum einen bei den Löhnen: So starten Zürcher Lehrpersonen tatsächlich mit dem höchsten Einstiegslohn von über 99'000 Franken und können auch den höchsten Maximallohn erreichen. Vergleichsweise bescheiden mit jeweils über 75'000 Franken beginnt man in Ob- und Nidwalden.
Maximallohn wird selten erreicht
Ähnliche Unterschiede gibt es auch bei den Sek-Lehrpersonen. Sie beginnen im Mittel mit 95'790 Franken und kommen auf maximal 145'591 Franken. Auch hier verdient man in Zürich am meisten, jedoch kann man auch in den Kantonen Schwyz und Appenzell Innerrhoden mit über 100'000 Franken starten.
Die Unterschiede zeigen sich aber auch beim Pensum. So gelten im Kanton Zürich bereits 27 Stunden für ein 100-Prozent-Pensum, im Kanton Appenzell Ausserrhoden sind es 30 Stunden.
Die Erziehungsdirektorenkonferenz weist zudem darauf hin, dass die Lohnsysteme nur eingeschränkt sind: Verschiedene Kantone hätten mitgeteilt, dass der Maximallohn ein theoretischer Wert sei, «der von den Lehrpersonen selten oder gar nicht erreicht werden kann». Zudem müssten auch andere Parameter, wie die Lebenshaltungskosten und die Steuern im Kanton berücksichtigt werden.