Kosten von 8,5 Millionen Franken im vergangenen Jahr
Armee-Kader buchten 121’000 Hotel-Nächte

Die Schweizer Armee hat für ihre Kader im vergangenen Jahr mehr Übernachtungen in Hotels gebucht als gewisse Touristengruppen. Kostenpunkt: 8,5 Millionen Franken. Im laufenden Jahr dürften die Ausgaben sogar noch steigen.
Publiziert: 06.08.2023 um 12:39 Uhr
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Aktualisiert: 06.08.2023 um 17:57 Uhr
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Die Soldaten im Hotel, ...

Hotelbett statt Kaserne: 121'000 Übernachtungen hat die Schweizer Armee im vergangenen Jahr für Militärangehörige in Schweizer Hotels gebucht. Das entspricht etwa 40 Prozent des Gesamtaufwands für die Truppenunterkünfte. Kostenpunkt: 8,5 Millionen Franken. Das zeigt eine Auswertung, die das Verteidigungsdepartement (VBS) auf Anfrage der «NZZ am Sonntag» erstellt hat.

Die Schweizer Armee generiert damit mehr Übernachtungen als etwa Touristinnen und Touristen aus Japan. Sie dürfte so mutmasslich die grösste Einzelkundin der hiesigen Hotellerie sein, heisst es im Bericht weiter. Das, obwohl der Armee rund 7000 Immobilien in der Schweiz zur Verfügung stünden, in denen sie ihr Personal unterbringen kann.

Hotelkosten im laufenden Jahr wohl noch höher

Im laufenden Jahr könnten die Kosten zudem um weitere drei Millionen Franken steigen. Der Grund: Die Armee erhöht zum ersten Mal seit 2012 die Tagessätze. Höheren Unteroffizieren und Offizieren stehen neu 100 statt 70 Franken pro Nacht zur Verfügung. In Einzelfällen könne die Zimmerentschädigung sogar bis auf 200 Franken pro Person und Nacht erhöht werden, so das VBS.

Das Armeekader in der Schweiz hat Anspruch auf Übernachtungen in Hotels. Ein Segen für die Hotelbranche. So rät der Branchenverband Hotelleriesuisse seinen Mitgliedern denn auch, Militärs bei sich aufzunehmen. «Es bietet Ihnen Vorteile, da bei Wiederholungs- und Ausbildungskursen eine bestimmte Auslastung über längere Zeit gesichert ist», zitiert die «NZZ am Sonntag» aus einem entsprechenden Dokument.

Armee muss über die Bücher

In der Politik ist man nicht nur erfreut über die Ausgaben der Armee. «Ich bin sehr überrascht über diese vielen Hotelübernachtungen», lässt sich etwa die Solothurner SP-Nationalrätin und Sicherheitspolitikerin Franziska Roth (57) zitieren. Hier müsse die Armee über die Bücher.

Etwas anders sieht es Mitte-Nationalrat Lorenz Hess (62). Als ehemaliges Armeekader verteidigt er die Praxis: Es sei richtig, dass man Kadermitglieder separat von der Truppe unterbringe, das habe mit Wertschätzung zu tun. Und doch hält selbst Hess die 121'000 Hotelübernachtungen für eine «imposante Zahl». (oco)

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