Kleidergutschein als Dankeschön
IT-Student hackt sich in FDP-Webseite

Jungunternehmer Philipp Brügger «hackt» aus Versehen die Webseite der FDP und meldet die Sicherheitslücke. Statt Dank erntet er erstmal nur Drohungen – nun kam es doch noch zu einem versöhnlichen Ende.
Publiziert: 12.05.2023 um 17:25 Uhr
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Cyberattacken sind in aller Munde. Diese hat allerdings ein Happy End. (Symbolbild)

Eigentlich war der Jungunternehmer Philipp Brügger (21) vor über zwei Jahren nur auf der Suche nach einer Vorlage für einen Flyer. «Dabei habe ich per Zufall einen Share Point, also einen öffentlichen Ordner zum Datenaustausch gefunden», sagt Brügger. In dem Moment staunt er nicht schlecht – der Ordner ist unverschlüsselt und enthält teils heikle Dokumente.

Eines davon – ein Schulungsdossier für die Administratoren der Partei-Webseite der FDP. Darin enthalten sind auch die Zugangsdaten für eine Testwebseite der Freisinnigen. Aus reiner Neugier versucht Brügger – der nebenbei Wirtschaftsinformatik studiert – sich mit den Informationen auf der offiziellen Webseite der Partei einzuloggen. Erfolgreich!

Voller Zugang auf FDP-Webseite

Dem Jungunternehmer schiessen sofort unzählige Gedanken durch den Kopf. Was man da wohl alles an Schabernack treiben könnte. Vom Einfordern falscher Mitgliederbeiträge, über die Publikation von politisch fragwürdigen Inhalten, bis hin zur Idee sich selber als neuen Bundesrat auf der Seite zu veröffentlichen – die Möglichkeiten für Unfug wären riesig.

Doch trotz seines jungen Alters sieht Brügger von solchen Blödeleien ab und macht stattdessen das einzig Richtige: Er informiert umgehend das Generalsekretariat der freisinnigen Partei und macht dieses auf das ungewollte Einfallstor aufmerksam.

Die FDP reagierte darauf mit gemischten Gefühlen. «Zwar hat man sich bei mir bedankt, mir wurde aber klargemacht, dass das strafbar sei», sagt Brügger.

100 Franken Gutschein vom Vize-Parteichef

Vonseiten der Freisinnigen klingt die Geschichte ein bisschen anders. «Wir haben uns herzlich bei Herrn Brügger für den Hinweis bedankt. Denn Cybersicherheit ist ein wichtiges Thema», sagt FDP-Mediensprecher Marco Wölfli auf Anfrage von Blick.

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Philipp Brügger hätte daraufhin bei der Partei eine kleine Entschädigung für den Hinweis auf die Sicherheitslücke verlangt. «Darauf sind wir nicht eingegangen», sagt Wölfli.

«Wir haben Ende 2020 unsere Schlüsse aus der Sache gezogen und sensibilisieren unsere Mitarbeiter stetig für das Thema Cybersicherheit», heisst es bei der FDP weiter.

Nun ging Philipp Brügger mehr als zwei Jahre später mit der Geschichte an die Öffentlichkeit und erhält doch noch die gewünschte Entschädigung. FDP-Vizepräsident Andri Silberschmidt (29) schickte dem Jungunternehmer am Freitag eine persönliche Nachricht und bedankte sich mit einem 100-Franken-Kleidergutschein. (shq)

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