Keine Stellvertreter mehr
Wenn kein Lehrer da ist, dürfen Schüler in Wil nachmittags heim

In Wil SG greift die Stadt zu einer besonderen Sparmassnahme. Ab der dritten Klasse werden bei kürzeren Ausfällen keine Stellvertreter mehr gesucht. Für manche Eltern ist das ein Problem.
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Die Stadt Wil SG greift zu einer aussergewöhnlichen Sparmassnahme.
Foto: Getty Images/Imagebroker RF

Darum gehts

  • Wil SG spart bei Stellvertretung in Schulen
  • Eltern ärgern sich
  • 90 Prozent der Familien sollen laut Stadt mit neuen Regeln klarkommen
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Tobias BruggmannRedaktor Politik

Die Stadt Wil SG muss sparen. Das tut sie sogar bei den Schülerinnen und Schülern, wie die «Wiler Zeitung» und die «Wiler Nachrichten» berichten. Bislang galt – wie vielerorts: Wenn eine Wiler Lehrerin oder ein Lehrer ausfällt, organisiert die Schulleitung eine Stellvertretung. Gut für die Eltern, denn das Kind bleibt genau gleich lange in der Schule wie gewohnt.

Doch seit Anfang Jahr ist alles anders. Für alle Kinder ab der dritten Klasse gilt die Regel nur noch am Vormittag. Fällt nachmittags die Schule aus, dürfen die Kinder nach Hause gehen. Nur in Einzelfällen könnten Kinder bis zum Ende des Schultages betreut werden. «Wir sind der Meinung, dass ein Kind ab der dritten Klasse durchaus ein bis zwei Stunden alleine zu Hause bleiben kann», heisst es in einem Schreiben der Schule. 

Eltern sind hässig

Das sorgt für Ärger bei den Eltern. Das Schreiben der Schule sei eine «Frechheit» und «beschämend», zitieren die «Wiler Nachrichten» Betroffene. «Ein Kind in diesem Alter sollte nicht allein zu Hause sein und schon gar nicht alleine Hausaufgaben machen müssen.»

Die Schule begründet den Entscheid mit Entlastungsmassnahmen für das Budget. Beim Personal habe man nur wenig Spielraum, so die Stadt gegenüber der Zeitung. «Bei den Lehrpersonen ist die Besoldung kantonal geregelt, und die Stadt hat keinen direkten Einfluss auf das Lohnsystem.»

Man nehme die Sorgen der Eltern aber ernst und «lasse sicher niemanden hängen», sagt Donat Ledergerber, Leiter des Wiler Departements Bildung und Sport, gegenüber der «Wiler Zeitung».

90 Prozent der Familien würden mit der neuen Regel umgehen können, beispielsweise durch Hilfe von Eltern, Verwandten oder Nachbarn. Auf der Primarstufe gebe es am Nachmittag ja nur ein bis zwei Lektionen pro Nachmittag. Und würde eine Lehrperson länger ausfallen, werde «spätestens ab dem zweiten oder dritten Tag eine Stellvertretung» organisiert.

Wie präsentiert sich die Lage auf dem Lehrermarkt schweizweit? 2027 dürfte die Zahl der Kinder im Primarschulalter in der Schweiz zurückgehen. Entsprechend geht das Bundesamt für Statistik davon aus, dass der Bedarf an Primarlehrerinnen und Primarlehrern stark zurückgeht.

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