Islamrat-Illi war mal Auns-Mitglied
Fehr: «Vielleicht waren wir ihm zu wenig extrem»

BERN – Als er noch Patric hiess, trat der heutige Muslim Qaasim Illi (28) der Auns bei. Jetzt warnt Auns-Chef Hans Fehr (63) vor dem verlorenen Sohn.
Publiziert: 31.05.2010 um 15:30 Uhr
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Aktualisiert: 28.09.2018 um 21:15 Uhr
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30. 3. 2010, «Club», «Wie gefährlich sind Fundamentalisten?» «Wenn radikal der Glaube bedeutet, dass der Koran Wort für Wort von Gott offenbart worden ist, dann bin ich radikal. Wir können die Schriften des Korans nicht relativieren.» Qaasim Illi, IZRS-Sprecher
Foto: SF
Von Raphael Diethelm

Der PR-Chef des Islamischen Zentralrats (IZRS) trat vor rund zehn Jahren der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) bei. «Ich war gegen den EU- und den Uno-Beitritt der Schweiz», erklärte der Student Abdel Azziz Qaasim Illi gegenüber der Zeitung «Sonntag».

Vier Jahre lang blieb der junge Patric Illi als «aktives Passivmitglied» bei der Auns, wie er sagte. Im Februar 2002 organisierte er in Schaffhausen sogar eine kleine Demo gegen den Schweizer Uno-Beitritt (siehe Bild).

«Sozialschmarotzer» und Extremist

Heute ist Qaasim Illi mit seiner Frau Nora im Vorstand des Islamrats. Sie leben laut «Sonntag» auf Staatskosten. Und «unter dem Existenzminimum», wie der 28-Jährige selber sagt. Zwei Töchter – und 35 Franken Jahreseinkommen auf der Steuererklärung 2008? «Wir kommentieren unsere finanziellen Verhältnisse nicht.»

Nur: Auns-Exponenten wie Hans Fehr oder Ulrich Schlüer können weder mit «Sozialschmarotzern» noch mit Extremisten etwas anfangen. Von Letzteren distanziert sich die Auns sogar explizit. Burkas und andere Verschleierungen sind für die Patrioten ein rotes Tuch.

Auns-Chef Fehr: «Wir werfen Fanatiker raus»

Auns-Geschäftsführer Hans Fehr (63) wiederholt gegenüber Blick.ch, was er gestern bei «Giacobbo / Müller» auf SF sagte: «Wir werfen Fanatiker raus, wenn sie nicht selber gehen. Und Herr Illi ging offenbar selbst.»

Wenn man wie die Auns eine klare Linie habe, ziehe man halt auch mal extreme Leute an, so Fehr weiter. «Ich erinnere mich an einen Holocaust-Leugner in Genf, den wir ausschliessen mussten.»

«Illi hat sich in die Steinzeit katapultiert»

Der konvertierte Muslim Illi sei damals als hoffnungsvoller, junger SVPler zur Auns gestossen, sagt Fehr weiter. «Vielleicht waren wir ihm zu wenig extrem, so dass er sich nach seinem Austritt mit der Konvertierung zum Islam buchstäblich in die Steinzeit katapultiert hat.»

Jetzt müsse man ihn beobachten – und einschreiten, falls er sein Gedankengut in die Tat umsetzen will, so der Auns-Chef. In einem islamischen Land sei Illi «sicher willkommen. Für seine Ausreise würde ich ihm sogar noch fünf Franken Sackgeld mitgeben.»

Schlüer: «Das sind spätbubertäre Regungen»

Fehrs Parteikollege Ulrich Schlüer (65), die treibende Kraft hinter dem Minarettverbot, kritisiert den Werdegang des radikalen Muslims, der einst für eine neutrale und unabhängige Schweiz kämpfte: «Er weigerte sich, einen Beruf aufzubauen, um spätpubertäre Gelüste oder Regungen zu befriedigen.»

Dass der Islam-Konvertit darum heute auf Staatskosten leben soll, «verwundert mich nicht», so Schlüer. Wie Fehr fügt er an: «Herr Illi sollte mal in ein Land gehen, das er hier vertritt, und schauen, wie er empfangen wird.»

Nora Illi geht nicht mehr alleine raus
Nora Illi (26), die verschleierte Frauenbeauftragte des IZRS, geht wegen «weniger tollen Reaktionen» in letzter Zeit nur noch mit Begleitpersonen aus dem Haus. Diese bezahlt der IZRS. Wie die zweifache Mutter im Chat auf Blick.ch erklärte, hatte ihr «der Gebetsruf in Dubai» den Ausschlag gegeben, zum Islam zu konvertieren.
Das ganze Chat-Protokoll lesen Sie hier.
Nora Illi (26), die verschleierte Frauenbeauftragte des IZRS, geht wegen «weniger tollen Reaktionen» in letzter Zeit nur noch mit Begleitpersonen aus dem Haus. Diese bezahlt der IZRS. Wie die zweifache Mutter im Chat auf Blick.ch erklärte, hatte ihr «der Gebetsruf in Dubai» den Ausschlag gegeben, zum Islam zu konvertieren.
Das ganze Chat-Protokoll lesen Sie hier.
Illi: Staatstropf war ein Stipendium
Qaasim Illi äussert sich auf der Website des Islamrats zu den Vorwürfen: Der «Staatstropf», aus er mit Frau und Kindern zehrte, sei ein reguläres, kantonales Stipendium gewesen. Es treffe mitnichten zu, «dass meine Familie seit 2006 von der Sozialhilfe lebe».

«Unklar bleibt, weshalb meine einstige Auns-Mitgliedschaft als ‹überraschende Station› auf einer politischen Karriere verkauft wird», so Illi. Es sei ihm «überhaupt fremd, von einer ‹politischen Karriere› zu sprechen.»
Qaasim Illi äussert sich auf der Website des Islamrats zu den Vorwürfen: Der «Staatstropf», aus er mit Frau und Kindern zehrte, sei ein reguläres, kantonales Stipendium gewesen. Es treffe mitnichten zu, «dass meine Familie seit 2006 von der Sozialhilfe lebe».

«Unklar bleibt, weshalb meine einstige Auns-Mitgliedschaft als ‹überraschende Station› auf einer politischen Karriere verkauft wird», so Illi. Es sei ihm «überhaupt fremd, von einer ‹politischen Karriere› zu sprechen.»
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