«Habe Verlust selbst ausgeglichen»
SVP-Nationalrat Burgherr muss Dorfladen schliessen

In der Aargauer Gemeinde Reitnau schliesst der letzte Dorfladen mitsamt Poststelle. SVP-Nationalrat Thomas Burgherr hatte lange darum gekämpft. Doch der Schuldenberg wurde schliesslich zu gross.
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Der Dorfladen von SVP-Nationalrat Thomas Burgherr in Reitnau AG schliesst am 28. März seine Tore.
Foto: Patrick Gerber

Darum gehts

  • SVP-Nationalrat Thomas Burgherr schliesst am 28. März seinen Dorfladen in Reitnau
  • Der Schuldenberg, den die Burgherr Holding tragen muss, wurde immer grösser
  • Postdienst künftig via Hauszustellung oder Postagentur in Nachbarsgemeinde
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Patrick GerberRedaktor Politik

SVP-Nationalrat Thomas Burgherr (62) hat die letzten «Dorfladen-News» verschickt. «Am Samstag, 28. März, um 12.15 Uhr, schliesst sich unsere Ladentür für immer», heisst es im Schreiben. Für die Bevölkerung der Aargauer Gemeinde Reitnau bedeutet das: Sie muss künftig ohne Lädeli auskommen – und damit auch ohne Poststelle.

Für das Dorf ist es ein herber Verlust. «Wir hatten einen Spar-Laden, und ausser Kleider hatten wir fast alles im Sortiment», sagt Burgherr gegenüber Blick. Lange habe er nach Lösungen gesucht. «Mehrfach haben wir Sie informiert, dass unser Lädeli nicht kostendeckend ist, und Sie um Kaufunterstützung gebeten», schreibt Burgherr denn auch an die Einwohner. Auch mit der Gemeinde habe man in den vergangenen Jahren intensiv nach Lösungen gesucht – ohne Erfolg. Ein geplantes Projekt habe sich letztlich nicht realisieren lassen.

«Für ältere Leute tut es mir leid»

Der Schritt fällt ihm nicht leicht. «Der Laden ist mir sehr wichtig gewesen, obwohl er nie rentiert hat und ich den Verlust ausgeglichen habe», sagt Burgherr. «Gerade für die älteren Leute, die hier ihren Wocheneinkauf machen, tut es mir sehr leid.» Mit der Schliessung gehe auch ein Stück Dorfkultur verloren: Früher gab es in Reitnau sechs Läden – bald gibt es keinen mehr.

Am Ende blieb jedoch kein anderer Ausweg. Der Schuldenberg, den die Burgherr Holding tragen muss, habe inzwischen ein Ausmass erreicht, das nicht länger zu verantworten war. Man bedauere es, dass die Bevölkerung künftig auf eine Einkaufsmöglichkeit mit Poststelle im Dorf verzichten müsse, heisst es im Schreiben an die Einwohner.

Ganz ohne Grundversorgung soll Reitnau aber nicht bleiben. Der Gemeinderat hat zusammen mit der Post entschieden, dass die Post künftig zu den Menschen nach Hause kommen soll, wie die «Aargauer Zeitung» berichtete. Zudem steht neu die Postagentur im Volg der Nachbargemeinde für sämtliche Postgeschäfte zur Verfügung.

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