Grünen-Vize Girod kontert Schilys Blocher-Brief
«Vergleich mit deutscher Energiewende geht nicht auf!»

Macht die Schweiz mit der Energiestrategie 2050 die gleichen Fehler wie Deutschland? Das glaubt Otto Schily, Mitgründer der deutschen Grünen. Nationalrat Bastien Girod widerspricht vehement.
Publiziert: 18.05.2017 um 16:30 Uhr
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Aktualisiert: 30.09.2018 um 20:09 Uhr
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Bastien Girod empfiehlt Christoph Blocher, «auch mit japanischen und britischen Ministern eine Brieffreundschaft aufzubauen».

Dass der deutsche Ex-Minister und Grünen-Mitbegründer Otto Schily (SPD) darauf hofft, dass die Schweizer Bevölkerung am Sonntag die Energiestrategie ablehnt, sorgt für hitzige Diskussionen in Bundesbern.

Dass er seine Haltung ausgerechnet gegenüber alt Bundesrat Christoph Blocher offengelegt hat, macht die Sache für die Befürworter auch nicht besser.

Girod: Schily liefert keine Alternative

Sympathien gibt es auf Seiten der Schweizer Grünen jedenfalls keine. Vizepräsident und Umweltwissenschaftler Bastien Girod zeigt sich schockiert. Schily zeige in seinem Brief keine Alternative auf. Er lasse einzig «durchblicken, dass er eine Weiterentwicklung der Nukleartechnik wünscht».

Damit sei er auf SVP-Linie – Blocher und Parteichef Albert Rösti wollten nämlich auch «ein neues AKW herbeisubventionieren». Dem SVP-Strategen empfiehlt Girod, «auch mit japanischen und britischen Ministern eine Brieffreundschaft aufzubauen».

Der brisante Brief von Otto Schily an Christoph Blocher.

Japan könne ihm erklären, dass man nie alle Risiken im Griff habe. Und die Briten könnten darlegen, dass ihre neuen AKW teurer seien als erneuerbare Energien, so Girod. Der Nationalrat sagt, dass die Energiewende in der Schweiz viele Arbeitsplätze schaffen werde.

Zu Schilys Argumentation sagt der grüne Politiker, dass sich die Schweizer Energiestrategie nicht eins zu eins mit der deutschen Energiewende vergleichen lasse. Denn unser nördlicher Nachbar habe vergessen, die Energieeffizienz zu verbessern. Diesen Fehler mache die Schweiz eben nicht.

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Vogelschutz in der Schweiz hoch gewichtet

Girod erklärt weiter: «Während in Deutschland fossile Kraftwerke als Speicher einspringen mussten, ist die Schweiz in der komfortablen Situation, dass sie 60 Prozent Wasserkraft hat und ein grosser Teil davon sehr flexibel ist und somit zusammen mit der Bioenergie die Wind- und Sonnenenergie ideal ergänzt.»

Auch Schilys Argument, dass Windräder den Vögeln Schaden zufügen, kann der Zürcher nicht ernst nehmen. Die Schweiz gewichte den Schutz der Tiere hoch. «In Grenchen gibt es sogar einen Radar, der die Windanlagen abstellt, wenn ein Vogelzug kommt.»

«Zeigt das Preisschild»

Begeistert von Schilys Kritik an der Energiewende ist hingegen FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen (BE), der selbst für ein Nein am Sonntag kämpft. «Grossartig! Herr Schily bringt genau die Argumente hervor, die ich bereits versucht habe, an die Leute zu bringen», so der Berner. Es sei wohltuend, dies nun von einem Linken zu hören. «Die sogenannte Energiewende in Deutschland zeigt uns das Preisschild, was uns die ganze Energiereform kosten wird. Es ist erstaunlich, dass es zuerst einen Schily braucht, der den Schweizern das aufzeigt». (vuc/thk)

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