Für mehr als 6 Millionen Franken
Bundesrat lässt sein Landgut ausbauen

Auf dem Landgut Lohn im bernischen Kehrsatz begrüsst die Landesregierung immer wieder prominente Gäste aus dem In- und Ausland. Jetzt soll das Gebäude für Millionen renoviert und für einen unbestimmten Betrag erweitert werden.
Publiziert: 19.04.2024 um 13:00 Uhr
|
Aktualisiert: 20.04.2024 um 12:30 Uhr
1/14
Im Januar begrüsste Bundespräsidentin Viola Amherd den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski auf dem Landgut Lohn.
RMS_Portrait_AUTOR_1050.JPG
Sophie ReinhardtRedaktorin Politik

Der britische Premierminister Winston Churchill (1874–1965), der französische Präsident François Mitterrand (1916–1996) und fast alle früheren europäischen Königspaare haben schon hier residiert. Der Bundesrat hat hier Kubas Präsident Fidel Castro (1926–2016), die Schweizer Fussballnationalmannschaft und den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski (46) empfangen: auf dem Landgut Lohn in Kehrsatz BE.

Der Landsitz, eine Villa im frühklassizistischen Stil mit grossem Garten und Springbrunnen, ist das Gästehaus unserer Landesregierung. Hier begrüsst der Bundesrat seine Staatsgäste. Seit 1994 übernachten diese aber nicht mehr «im Lohn», wie man in Bern sagt, sondern meistens im Hotel Bellevue Palace unweit des Bundeshauses. Es gehört wie das Lohn dem Bund.

Festzelt soll durch Bau ersetzt werden

Das Landgut ausserhalb der Stadt ist in die Jahre gekommen. Deshalb will das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) das historische Gebäude für sechs Millionen Franken sanieren lassen. Besonders die Haustechnikinstallationen seien sanierungsbedürftig, heisst es beim BBL. Die Gebäude seien zwar stets gut unterhalten, aber seit den 1960er-Jahren keiner umfassenden Sanierung unterzogen worden. 

Das repräsentative Haus wird aber nicht nur renoviert, sondern auch ausgebaut. Das geht aus einer öffentlichen Ausschreibung hervor. «Die Erweiterung wird vor allem zur Durchführung von Medienkonferenzen benötigt», sagt eine BBL-Sprecherin auf Anfrage.

In den vergangenen Jahren musste im Prachtanwesen wegen Platzmangels jeweils ein Festzelt mit Beleuchtung, Heizung, Kühlung und Lüftung für die Presse aufgestellt werden. Diese Provisorien seien aufwendig, teuer und nicht nachhaltig, heisst es beim BBL. Darum startet der Bund nun einen Architekturwettbewerb. Was die Erweiterung kosten wird, könne man noch nicht sagen, heisst es beim zuständigen Bundesamt. Abgeschlossen wird das Bauprojekt frühestens im Jahr 2029. 

Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.

Angesichts der Sparpläne des Bundesrats dürfte dieses Bauprojekt aber nicht bei allen auf Freude stossen. Zur Erinnerung: Die SVP hatte kürzlich vorgeschlagen, das Büro für Konsumentenfragen zu schliessen und damit eine Million Franken zu sparen. Gegen die Sanierung und den Ausbau des Lohn ist diese Summe ein Klacks.

Werbung

Ein Geschenk der Bundesratsschwiegertochter

Der Eidgenossenschaft gehört das Landgut Lohn erst seit 1942. Damals wurde es von seiner letzten Besitzerin, Helene Welti-Kammerer (1865–1942), in Erinnerung an ihren Schwiegervater, Bundesrat Emil Welti (1825–1899), der Eidgenossenschaft geschenkt.

Ein weiteres repräsentatives Gebäude, das der Schweiz gehört, ist das Beatrice-von-Wattenwyl-Haus in der Berner Altstadt. Es wurde schon 1934 dem Bund vermacht. Auch dieses Haus wird vom Bundesrat für Gästeempfänge genutzt. Zudem wohnte dort zwischenzeitlich Bundesrätin Doris Leuthard (61) in einer der Wohnungen.

Fehler gefunden? Jetzt melden
Alle Kommentare