Fertig mit Schnäppchen-Mieten
Berns Politiker-Palais steht leer – für immer?

Das Von-Wattenwyl-Haus des Bundes stand wegen sehr günstigen Mieten für Politiker in der Kritik. Jetzt steht es leer, schon seit Jahren. Nun könnte Schluss sein mit Vermieten.
Publiziert: 23.01.2024 um 10:06 Uhr
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Aktualisiert: 23.01.2024 um 13:39 Uhr
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Das Von-Wattenwyl-Haus: Hier empfängt der Bundesrat manchmal Gäste.

Alt Bundesrat Pascal Couchepin (79, FDP) wohnte hier. Ebenso Ex-Bundesrätin Doris Leuthard (58, Mitte) oder alt Bundeskanzler Walter Thurnherr (58, Mitte). Und auch der Bündner Nationalrat Martin Candinas (41, Mitte) nutzte das noble Von-Wattenwyl-Haus als temporären Wohnort. Das fast 600-jährige Patrizierhaus mit wunderschönem Garten und herrlicher Aussicht auf die Aare gehört dem Bund.

In den unteren Etagen empfängt der Bundesrat Gäste oder die Spitzen der Bundesratsparteien zu den Von-Wattenwyl-Gesprächen. Oben kann gewohnt werden – oder besser gesagt: könnte. Die drei Mietwohnungen, in denen die Spitzenpolitiker zu Spottmieten gewohnt hatten, stehen heute leer.

Politiker muss man sein

Die zuletzt von Leuthard bewohnte 5-Zimmer-Wohnung mit 250 m² Wohnfläche kostete 2450 Franken monatlich, inklusive Nebenkosten. Thurnherr berappte 2000 Franken für seine 3,5-Zimmer-Wohnung mit 120 m². Und Candinas' 16-Quadratmeter-Einzelzimmer ging für den Schnäppchenpreis von 200 Franken weg.

Wer in den Genuss dieser günstigen Mieten kommen will, muss aber einige Voraussetzungen erfüllen. Nur Bundesräte, Bundesrichter, Staatssekretäre, Parlamentarier oder Bundesbeamten haben Chancen – aus Sicherheitsbedenken.

Besichtigungstermine, aber keine Unterschrift

Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, sei es zu Besichtigungsterminen mit mehreren Interessenten gekommen. Ein Mietvertrag wurde aber nicht unterschrieben – zum einen, weil man sich nicht über die Miethöhe einigen konnte, zum anderen, weil der Ausbaustandard zu wünschen übrigliess.

Nun will der Bund sanieren, schreibt die Zeitung. Dies sei schon vor Jahren angedacht gewesen. Im Sommer soll die Gasheizung ersetzt werden, frühestens ein Jahr später würden dann «Instandsetzungsmassnahmen» bei der Gebäudehülle, den Fenstern, der Haustechnik und den Sanitäranlagen folgen.

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Dabei soll auch geprüft werden, ob die Wohnung als Besprechungsräume oder Garderobe für die Empfänge des Bundesrates genutzt werden können. Die Wohnungen werden also noch eine Zeit lang leer stehen – und vermutlich nicht mehr vermietet werden. (bro)

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