Es ist in der Urnenhalle
Das ist das erste Friedhofsrestaurant der Schweiz

Essen auf dem Friedhof: In Bern startet mit «La Vie» Anfang März ein schweizweit einmaliges Restaurant. Es richtet sich an Trauergäste – und an alle, die bewusst innehalten wollen. Wie kam es zu dem ungewöhnlichen Projekt?
Kommentieren
1/2
Blick in das neue Restaurant, das in zwei umgebauten Urnenhallen auf dem Berner Bremgartenfriedhof entstanden ist.
Foto: zVg/Bernische Genossenschaft
KEYSTONE-SDA_Quadrat_pos.jpg
Keystone-SDADie Schweizer Nachrichtenagentur

Anfang März geht in Bern das erste Restaurant innerhalb eines Friedhofs in der Schweiz in Betrieb. Es nennt sich «La Vie» und richtet den Blick auf das Lebendige, ohne die Endlichkeit auszublenden.«Hier entsteht eine feine Brücke zwischen Genuss und Innehalten. Das Restaurant lädt ein, sich Zeit zu nehmen – für Gespräche, Genussvolles aus der Küche, für Erinnerungen und neue Gedanken», wird Geschäftsführer Michael Kräuchi in einer Mitteilung vom Mittwoch zitiert. Am ersten März findet ein Tag der offenen Türe statt.

Das Restaurant auf dem Bremgartenfriedhof richtet sich an unterschiedliche Menschen und Bedürfnisse. Es ist ein Ort für Trauergäste, die nach einer Abschiedsfeier zusammenkommen wollen. Gleichzeitig heisst es die Nachbarschaft willkommen, Berufstätige aus der Umgebung oder Spazierende. Der Wintergarten steht auch Firmen und Organisationen für Workshops, Sitzungen und besondere Anlässe offen.

Das ist geplant

In den Räumlichkeiten sollen auch Lesungen, leise Konzerte, Gespräche über das Sterben und den Tod sowie Ausstellungen stattfinden. «Das Krematorium wird belebt – würdevoll, offen, mit Respekt und nah am Menschen. Mit der behutsamen Sanierung der historischen, denkmalgeschützten Urnenhallen ist auf dem Bremgartenfriedhof ein neuer Ort entstanden, der überrascht und verbindet», sagt Mirjam Veglio, Geschäftsführerin der bernischen Genossenschaft für Feuerbestattung.

Bestattungen in den feierlich-stillen Urnenhallen mit ihren vielen kleinen Nischen würden heute kaum mehr nachgefragt, erklärte Veglio vergangenen Sommer bei einem Baustellenbesuch der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Viel eher möchten Leute heute die Urnen ihrer Angehörigen mit nach Hause nehmen oder draussen, an einem stimmigen Ort, bestatten.

Weil der Krematoriumskomplex mit seinen Urnenhallen denkmalgeschützt ist, muss er erhalten werden. Damit drängte sich irgendwann die Frage auf, was mit den kaum mehr nachgefragten Urnenhallen geschehen soll.

Die Genossenschaft habe die Hallen nicht einfach «fürs Museum» restaurieren wollen, sondern sich überlegt, wie man für den Friedhof einen Mehrwert schaffen und die Hallen sinnvoll nutzen könnte.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen