Die wichtigsten Fragen und Antworten
Das musst du über das elektronische Patientendossier wissen

Gesundheitsminister Alain Berset will das digitale Patientendossier massiv stärken. Künftig soll jeder Schweizer ein solches haben, wenn er sich nicht explizit dagegen wehrt. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Publiziert: 30.06.2023 um 13:59 Uhr
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Aktualisiert: 30.06.2023 um 14:01 Uhr
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Bundesrat Alain Berset will das elektronische Patientendossier stärken.

Kurz vor seinem Abgang hat Gesundheitsminister Alain Berset (51) noch mal ein heisses Eisen angefasst. Er schickt die Revision des elektronischen Patientendossiers (EPD) in die Vernehmlassung. Die digitale Krankenakte ist – neben dem Faxgerät – zum Symbol dafür geworden, wie es bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen harzt. Bis Mai 2023 wurden gerade mal etwas mehr als 20'000 Dossiers eröffnet.

Was ist das elektronische Patientendossier?

Wenn die Ärztin das Behandlungszimmer betritt, trägt sie oft eine dicke blaue Mappe mit viel Papier unter dem Arm. Wird die Patientin zum Spezialisten geschickt, braucht es dann Briefe, Telefonate oder Mails, damit wieder alle Informationen beisammen sind.

Das elektronische Patientendossier sammelt elektronische Dokumente und Daten mit den Gesundheitsinformationen, erklärt Nassima Mehira, die beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) für das EPD verantwortlich ist. «Die Ärzte können dann die Daten für die Behandlung nutzen und es selbst ergänzen.»

Warum ist es so unbeliebt?

Bislang ist das EPD ein Flop. Nicht nur die Patienten, auch die Spitäler und Pflegeheime nutzen es kaum. Gerade mal 44 Prozent aller Spitäler und 33 Prozent der Pflegeheime sind angeschlossen – obwohl sie gemäss Gesetz dabei sein müssten. Doch es gibt keine Sanktionen und offenbar auch nur wenig Anreize, um dabei zu sein.

Viele Spitäler haben bereits ein eigenes Praxisinformationssystem. Rund 80 bis 90 verschiedene Systeme seien auf dem Markt. Die brauchen eine Schnittstelle für das EPD.

Die Spitäler würden auf ihre eigenen Systeme setzen, sagt Michael Jordi, Generalsekretär der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren. «Das ist falsch gegenüber den Patienten.» Dazu sei auch die Schulung des Personals zu wenig weit fortgeschritten. Und laut dem Berufsverband der Ärzte FMH arbeitet ein Drittel der Arztpraxen in Papierform, wie «SRF» schreibt.

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Wie will Berset das ändern?

Bundesrat Berset hat am Mittwoch eine grosse Reform vorgestellt. Doch das Patientendossier gibt es bereits, und das BAG will mit einer Kampagne jetzt das Gesundheitsfachpersonal überzeugen, mitzumachen.

Gleichzeitig wird die digitale Krankenakte erweitert. Noch in diesem Jahr soll auch der Impfausweis digitalisiert werden können.

Die grosse Revision, die Berset nun in die Vernehmlassung schickt, sieht dann vor, dass auch Hausärzte, Apotheker und Physiotherapeutinnen das EPD künftig nutzen müssen. Und auch die Bevölkerung soll automatisch eine Akte bekommen. Wer keine will, muss beim Kanton innerhalb von drei Monaten Widerspruch einlegen.

Sind Strafen irgendwann denkbar?

Für die Bevölkerung nicht. Man könne auch Nein sagen, so Gesundheitsminister Berset. Auch dass es später einen Zwang geben könnte, glaubt BAG-Leiterin Mehira nicht. «Das müssten Bundesrat und Parlament entscheiden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das tun werden.» Gegen einen solchen Entscheid wäre auch ein Referendum möglich.

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Kommt der Vorschlag von Berset durch, drohen widerspenstigen Spitälern oder Hausärztinnen jedoch Strafen, wenn sie das EPD nicht nutzen. Der Katalog beginnt bei einer Verwarnung und geht bis zu einem Entzug der Möglichkeit, über die Krankenkassen abrechnen zu können. Auch Bussen bis zu 250'000 Franken sind möglich.

Was passiert mit den Daten?

«Die Daten gehören Ihnen», betonte Mehira mehrmals. Die Patientin kann bestimmen, welche Ärzte auf die Akte zugreifen können. Mit der neuen Revision darf sie auch entscheiden, ob die Daten für die Forschung verwendet werden können.

Wer hat alles Zugriff auf meine Daten?

Die Daten werden nur zwischen Patient und Ärztin geteilt, sagt Mehira. Auch ein aussenstehender Arzt hat also keinen Zugriff. «Die Informationen bleiben zwischen Arzt und Patient.»

Was, wenn eine Cyberattacke kommt?

Das Risiko einer Cyberattacke ist real und kann sich verheerend auswirken. Deshalb seien auch die Sicherheitsvorschriften hoch, sagt Gian-Reto Grond vom BAG. Dafür sorge die Zertifizierung. «Das Login ist sicherer als beim E-Banking.» Zudem würden bei den Spitälern auch Notfall-Pläne vorliegen. (bro)

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