Polizei leitet Abklärung ein
Berner SVP hat keine Lust auf Masken

Volle Ränge, fleissiges Händeschütteln, kaum Masken: Die geltenden Covid-Regeln hatten an der Delegiertenversammlung der Berner SVP einen schweren Stand. Das ruft gar die Kantonspolizei auf den Plan.
Publiziert: 07.07.2021 um 12:28 Uhr
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Aktualisiert: 07.07.2021 um 17:34 Uhr
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An der Delegiertenversammlung der Berner SVP kamen mehr Parteimitglieder als geplant.

«Wir wurden vom Ansturm völlig überrascht», sagte der abtretende Kantonalpräsident Werner Salzmann am Mittwoch im Berner Regionaljournal von Radio SRF. 160 Parteimitglieder hätten sich angemeldet, erschienen seien am Dienstagabend dann 375. Grund für den Ansturm war die Wahl eines neuen Kantonalpräsidenten.

Laut SVP bietet der Saal in Belp bei entsprechender Bestuhlung Platz für mindestens 550 Personen. Der Bund schreibt für Anlässe ohne Covid-Zertifikat allerdings vor, dass bloss zwei Drittel der Kapazität genutzt werden dürfen. Da noch 50 Gäste im Saal waren, wurde die zulässige Zahl womöglich überschritten.

Polizei leitet Untersuchung ein

Der Verstoss gegen die Corona-Regeln auch der Berner Kantonspolizei aufgefallen. «Auch wir haben durch die Berichterstattung Kenntnis von dem Anlass genommen und nun entsprechende Abklärungen eingeleitet», schreibt diese auf Twitter. Und betont gleichzeitig: «Denen können wir hier aber nicht vorgreifen.»

«Wurden überrannt»

Schutzmasken trugen nur wenige Delegierte, obwohl die Parteileitung im Lauf des Abends mehrfach auf die Maskenpflicht im Saal aufmerksam machte. Das sei bedauerlich, erklärte Salzmann. «Aber wir haben keine Schutzpolizei, demzufolge mussten wir es durchgehen lassen.» Man sei überrannt worden, betont der abtretende Kantonalpräsident. «Das macht mir schon Sorgen.»

Einer der wenigen, die eine Maske trugen, war der bernische Gesundheitsdirektor und SVP-Regierungsrat Pierre Alain Schnegg. Er äusserte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA Bedauern darüber, «dass die Leute so schnell vergessen, was passiert ist während den letzten 16 Monaten».

Auf Maskenpflicht hingewiesen

Die Geschäftsführerin der Partei, Aliki Panayides, wies auf Anfrage darauf hin, dass die Parteispitze auf dem Podium ihre Vorbildfunktion wahrgenommen und Masken getragen habe. Auch seien Mitarbeitende im Saal unterwegs gewesen, um auf die Maskenpflicht hinzuweisen. «Aber letztlich sind die Leute eigenverantwortlich.»

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Bilder von vielen Menschen ohne Maske gebe es zurzeit auch von anderen Veranstaltungen, sagte Panayides - zum Beispiel von Public Viewings. «Die Zahlen sind im Moment tief, gerade im Kanton Bern - auch wenn sie nun leicht ansteigen auch aufgrund von EM-Rückkehrern. Wie es mit der Pandemie weitergeht, wird sich weisen.»

Auch Panayides wies darauf hin, dass der grosse Ansturm trotz Termin in der Ferienzeit die Partei überrascht habe. «Normalerweise haben wir 200 bis 300 Delegierte.»

Abschluss mit Gesang

Man habe aber ein schriftliches Schutzkonzept erarbeitet und die Mitarbeitenden entsprechend instruiert. «Zudem liessen wir die Fenster offen. Die Zugluft war auch auf der Bühne gut spürbar. Wir machten, was möglich ist.» Auch die Kontaktdaten seien vorschriftsgemäss erfasst worden.

Es ist nicht das erste Mal, dass SVP-Delegierte wenig Lust auf Masken zeigen. Schon vergangenes Jahr sorgte eine Delegiertenversammlung der nationalen Partei im Aargau für Aufsehen, weil man es mit den Corona-Regeln nicht so genau nahm.

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Bühler folgt auf Salzmann

Zum neuen Kantonalpräsidenten wurde alt Nationalrat Manfred Bühler gewählt. Auch er trug keine Maske, als er die Gratulationen von Gesundheitsdirektor Schnegg entgegennahm. Der Abend endete, indem der ganze Saal aus vollen Kehlen den Klassiker «Bärnbiet» von Jakob Ummel sang. (gbl/SDA)


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