Lirija Sejdi (30): «Wenn wir nicht auf der Strasse sind, gehts nur rückwärts»(01:34)

Das war der Frauenstreik 2023
Zehntausende tauchen die Schweiz in Violett

In der ganzen Schweiz demonstrierten Frauen am Mittwoch für mehr Gleichstellung. An den Erfolg von 2019 kommt die diesjährige Ausgabe aber nicht heran.
Publiziert: 14.06.2023 um 11:49 Uhr
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Aktualisiert: 14.06.2023 um 21:04 Uhr
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Zehntausende Frauen gingen am Mittwoch auf die Strasse.

«Genug, basta, ça suffit!» Um 19.15 Uhr war der Bundesplatz so voll, dass die Organisatorinnen des Frauenstreiks 2023 die Demonstrantinnen aufrufen mussten doch näher zusammenzurücken. Unter ihnen auch SP-Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider (59) und ihre Vorgängerin Simonetta Sommaruga (63).

Auch in Lausanne, Zürich, Basel und anderen Städten demonstrieren mehrere Zehntausende Frauen jeden Alters für mehr Respekt, anständige Löhne und Renten.

Feministischer Schwur

Bereits am frühen Mittag hatten sich über tausend Frauen und queere Menschen zu einer feministischen Landsgemeinde auf dem Bundesplatz versammelt. Die Teilnehmenden schworen den «feministischen Eid» und streckten dazu die linke Faust in die Luft. «Wir schwören, dass wir so lange für die Gleichstellung aller Menschen in diesem Land kämpfen werden, bis diese erreicht ist», hiess es unter anderem in der Schwurformel.

Danach wurden eine Reihe von Forderungen verabschiedet – gleicher Lohn für gleiche Arbeit verlangt und ein Gleichstellungsgesetz, das Verstösse bestraft. Auch brauche es Renten, die den Existenzbedarf deckten.

2019 bleibt unerreicht

Solche und ähnliche Aktionen gab es im ganzen Land. Dem Frauenstreik vor vier Jahren, als schweizweit eine halbe Million Frauen auf die Strassen gingen, konnte die diesjährige Wiederholung jedoch nicht das Wasser reichen.

Die Dynamik von 2019 wollte sich einfach nicht einstellen. Was vielleicht daran lag, dass der Frauenstreik 2023 als von den Gewerkschaften dominiertes Projekt angesehen wurde. Was auf dem Bundesplatz gut zu beobachten war. Der grosse Ballon in Form einer in den Himmel gestreckten Faust war zwar violett – die Farbe des Frauenstreiks – doch prangte ein grosses Unia-Emblem darauf.

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Frauenstreik öffnet sich

Bürgerliche Frauen sprachen darum schon im Vorfeld von einer linken Angelegenheit, die Nicht-Linke ausschliessen würde. Wobei diese Frauen offenbar vergessen haben, dass sie auch 2019 vom «linksextremen Frauenstreik sprachen, bis sie fünf Tage vor dem Termin auf den Zug aufsprangen und flugs eine kleine Aktionen auf die Beine stellten.

Noch ein Unterschied zu 2019: War der Streik damals den Frauen vorbehalten, schloss frau dieses Jahr auch intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und queere Menschen mit ein. Und forderte unter anderem ein Ende der Gewalt gegen diese Menschen. «Genug, basta, ça suffit!»

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