Gewinn bricht um 77 Millionen ein – Präsident geht
Sommaruga muss Schwaller-Nachfolge suchen

Fünf Jahre nach Amtsantritt verlässt Urs Schwaller den Posten des Post-Präsidenten. Zu einem schwierigen Zeitpunkt: Im Corona-Jahr 2020 hat die Post 178 Millionen Franken erwirtschaftet. Das sind 77 Millionen Franken weniger als im Vorjahr.
Publiziert: 11.03.2021 um 09:29 Uhr
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Aktualisiert: 23.03.2021 um 23:40 Uhr
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Post-Präsident Urs Schwaller wird per 1. Dezember zurücktreten.
Sermîn Faki

Post-Präsident Urs Schwaller (68) hat genug vom gelben Riesen. Der Freiburger alt Ständerat wird auf den ersten Dezember von der Spitze des Staatskonzerns zurücktreten – nach etwas über fünf Jahren.

Schwallers Amtszeit war überschattet vom Postauto-Bschiss. Die Konzerntochter hatte jahrelang getrickst, um Subventionen zu erschleichen. Das kostete sogar Chefin Susanne Ruoff (63) den Kopf.

Sommaruga muss nun Nachfolge suchen

Auch wenn der Skandal strafrechtlich noch nicht aufgeklärt ist, sagte Schwaller, die Fehler seien konsequent aufgearbeitet und Massnahmen ergriffen worden, damit sich so etwas nicht wiederholen könne. Mit dem Bschiss habe sein Rücktritt denn auch nichts zu tun, so Schwaller. «Mit heute 68 Jahren ist für mich persönlich der richtige Moment gekommen, bewusst beruflich kürzerzutreten.»

Der Bundesrat wird die Nachfolge von Schwaller bestimmen und dem Verwaltungsrat zur Wahl vorschlagen. Die Generalversammlung, die darüber entscheidet, findet am 27. April 2021 statt. Postministerin Simonetta Sommaruga (60) wird nun schnell einen Nachfolger finden müssen – oder eine Nachfolgerin?

Postgewinn bricht um 77 Millionen ein

Schwaller verlässt die Post in schwierigen Zeiten: Denn im Corona-Jahr 2020 erwirtschaftete der Konzern nur einen Gewinn von 178 Millionen Franken – 77 Millionen weniger als im Vorjahr. Vor Steuern fällt die Bilanz noch dramatischer aus: Das Betriebsergebnis (Ebit) lag mit 272 Millionen Franken um 178 Millionen Franken tiefer.

Davon gehen 139 Millionen auf das Konto der Pandemie. Diese lassen sich zurückführen auf den Rückgang bei der Briefpost, Zusatzkosten durch Corona-Schutzmassnahmen (25 Millionen Franken), die Auszahlung von Corona-Prämien an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (23 Millionen) und extreme Verluste bei Postauto (48 Millionen) – weil Auslastung viel geringer war. Dennoch habe Postauto den Betrieb aufrechterhalten, so Konzernchef Roberto Cirillo (50): «Wir haben niemanden an der Haltestelle stehen lassen», wies der CEO auf die Bedeutung der Post für den Service public hin. «Corona hat es gezeigt: Die Post ist relevant für die Schweiz.»

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«Ein starkes Ergebnis»

Der pandemiebedingte Päckli-Rekord – die Post lieferte 23 Prozent mehr Pakete aus als 2019 – konnte diese Verluste nicht auffangen. Der Gewinn von PostLogistics beläuft sich auf 201 Millionen Franken und liegt damit 73 Millionen Franken über dem Vorjahreswert.

Cirillo zeigte sich denn auch zufrieden mit dem Jahresergebnis seines Konzerns. «Auch wenn es unter den Erwartungen lag: Angesichts der Krise ist es ein starkes Ergebnis.»

Doch Corona ist nicht allein schuld am schrumpfenden Gewinn. Neben der Pandemie sorgten auch der Rückgang der Briefmengen und die Negativzinssituation bei Postfinance für das schlechtere Ergebnis. Postfinance steuerte noch 161 Millionen Franken Betriebsgewinn ans Konzernergebnis bei. Im Vorjahr waren es noch 79 Millionen mehr gewesen.

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