Lange Zeit galt Swissmedic als finanziell solide. Bei jährlichen Einnahmen von rund 115 Millionen Franken erwirtschaftete das Institut des Bundes regelmässig Überschüsse in Millionenhöhe. Ende 2023 beliefen sich die Reserven auf mehr als 100 Millionen Franken. Der Bundesrat ging davon aus, dass sich absehbare Mehrkosten – etwa im IT-Bereich – problemlos damit decken liessen.
In kurzer Zeit hat sich die Situation grundlegend gewandelt. 2024 resultierte ein Verlust von 23,4 Millionen Franken. Und es blieb nicht bei einem einmaligen Einbruch: Auch für die kommenden Jahre rechnet Swissmedic mit Defiziten. Aus einem komfortablen Polster ist ein strukturelles Finanzierungsproblem geworden.
Personalbestand wuchs um 42 Prozent
Reaktion des Bundes: Die Mehrkosten sollen weitergereicht werden. Die Medtech-Branche wird künftig jährlich rund 25 Millionen Franken zusätzlich für die öffentlich-rechtliche Zulassungsbehörde bezahlen – finanziert über Gebühren. Die Summe entspricht in etwa dem aktuellen Fehlbetrag.
Ein Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre wirft Fragen auf. Unter der Leitung von Raimund Bruhin wuchs der Personalbestand zwischen 2019 und 2024 um nicht weniger als 42 Prozent, der Personalaufwand um 52 Prozent. Insgesamt nahm der Betriebsaufwand um 62 Prozent zu. Parallel stiegen auch die Vergütungen auf Führungsebene: Die stiegen in der Geschäftsleitung von 1,8 auf 2,1 Millionen Franken. Der verantwortliche Direktor Raimund Bruhin (65) trat Ende 2025 ab.
Die neue Chefin Vincenza Trivigno (55) steht vor der Aufgabe, diese Entwicklung zu korrigieren; ihre Sprecherin verweist auch auf den Einfluss externer Faktoren: die strengere Regulierung von Medizinprodukten, den Ausschluss aus der europäischen Zusammenarbeit nach Abbruch des Rahmenabkommens mit der EU, den Aufbau eigener Systeme wie «Swissdamed» sowie steigende IT-Kosten.
Reserven in kurzer Zeit verbrannt
Das alleine erklärt allerdings nicht vollständig, weshalb die Ausgaben derart stark gewachsen sind – und wieso nun die Privatwirtschaft die Konsequenzen tragen soll.
Trivigno hat kurz nach ihrem Antritt im Januar Sparmassnahmen angekündigt: Bis Ende 2027 sollen die Sachkosten um mindestens sechs Millionen Franken gesenkt und rund 45 Vollzeitstellen abgebaut werden.
Swissmedic erfüllt einen klar definierten gesetzlichen Auftrag. Wenn eine Behörde aber über Jahre hinweg erhebliche Reserven aufbaut – und die anschliessend in kurzer Zeit verbrennt –, muss sie sich kritischen Fragen des Parlaments stellen.
Am Freitag wird die Gesundheitskommission das Thema beraten.