Auslastung steigt seit Jahren
Viele Schweizer Gefängnisse sind überbelegt

Regionalgefängnisse sind derzeit voll bis übervoll, wie eine Umfrage zeigt. Die Auslastung spitzt sich seit Jahren zu. Einige Kantone wälzen deshalb Um- und Ausbaupläne für ihre Justizvollzugsanstalten.
Kommentieren
1/4
Schweizer Gefängnisse sind derzeit voll bis übervoll, wie eine Umfrage zeigt.
Foto: Blick
KEYSTONE-SDA_Quadrat_pos.jpg
Keystone-SDADie Schweizer Nachrichtenagentur

Im Kanton Bern beispielsweise lag die Gesamtauslastung über alle Vollzugseinrichtungen gesehen im vergangenen Jahr bei 107 Prozent, wie das kantonale Amt für Justizvollzug auf Anfrage von Keystone-SDA bekanntgab. Die Regionalgefängnisse in Bern, Biel, Burgdorf, Moutier und Thun verzeichneten gar eine Auslastung von 124 Prozent. Projekte wie ein Gefängnisneubau in Witzwil sind aufgegleist, aber noch nicht realisiert.

Überbelegt ist auch das Gefängnis im Zürcher Kreis 4 mit einer Auslastung von 102 Prozent. In der Pöschwies ist es mit 95 Prozent Belegung ebenfalls eng.

Am höchsten sind die Belegungen in den Waadtländer Gefängnissen Bois-Mermet in Lausanne und La Croisée in Orbe. Dort betrug die Auslastung 2024 laut einem Anfang Februar veröffentlichten Bericht 166 Prozent bzw. 143 Prozent.

Eine seit Jahren chronische Überbelegung gibt es auch im Genfer Gefängnis Champ-Dollon. Aktuell ist dieses zu 122 Prozent ausgelastet.

Auslastung steigt seit Jahren

Gesamtschweizerisch waren die Gefängnisse im Dezember 2025 durchschnittlich zu 94 Prozent belegt, wie Zahlen des Schweizerischen Kompetenzzentrums für den Justizvollzug (SKJV) zeigen. Diese Zahl zeige «einen echten Druck auf das System», sagt dazu die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD).

Die Auslastung steige seit mehreren Jahren. Doch dürfe der Druck auf die Schweizer Strafanstalten nicht als generelles Systemversagen betrachtet werden. Gegenmassnahmen würden ergriffen.

Erweiterungen sind geplant

Im Kanton Basel-Landschaft sind die Gefängnisse aktuell bei der Untersuchungshaft zu 95 Prozent und beim Strafvollzug zu 107 Prozent ausgelastet, wie es auf Anfrage hiess.

Etwas besser sieht es in Basel-Stadt aus. Dort sind die Gefängnisse laut dem Justiz- und Sicherheitsdepartement zwar gut ausgelastet, aber nicht überbelegt. Im Untersuchungsgefängnis Waaghof liegt die aktuelle Auslastung bei 73 Prozent und damit unter dem Jahresdurchschnitt von 2025 von 83 Prozent. Im Bässlergut beträgt sie 94 Prozent. Der Durchschnitt lag 2025 bei 90 Prozent.

Die Haftplatz-Situation sei auch im Kanton Luzern angespannt, so das Justiz- und Sicherheitsdepartement. 2025 war die Justizvollzugsanstalt Grosshof in Kriens zu 98,4 Prozent ausgelastet.

In der Zentralschweiz sind deshalb in den nächsten Jahren Erweiterungen geplant. So soll die Justizvollzugsanstalt Wauwilermoos LU bis 2034 saniert und ausgebaut werden. Die Kapazität der Justizvollzugsanstalt Bostadel in Menzingen ZG soll von 2027 bis 2029 erweitert werden. Auch das Schwyzer Kantonsgefängnis in Biberbrugg plant einen Ausbau.

Überbelegung im Thurgau

In der Südostschweiz sind die Gefängnisse ebenfalls mehr als gut gefüllt. Die geschlossene Abteilung der Bündner Justizvollzugsanstalt Cazis Tignez ist beispielsweise laut dem zuständigen Amt zurzeit zu 95,3 Prozent ausgelastet.

Überbelegt war Ende 2025 das Thurgauer Kantonalgefängnis in Frauenfeld mit einer Auslastung von 104 Prozent. Das Regionalgefängnis in Altstätten SG war zu 114 Prozent und das Gefängnis Gmünden in Teufen AR zu 100 Prozent ausgelastet. In allen drei Kantonen gibt es Ausbaupläne.

Im Kanton Neuenburg liegt die Auslastung der Strafvollzugsanstalt Bellevue in Gorgier im Durchschnitt zwischen 95 und 100 Prozent und bei der Haftanstalt La Promenade in La Chaux-de-Fonds zwischen 85 und 95 Prozent.

Ähnliche Auslastungszahlen gibt es aus dem Jura: Das Gefängnis von Delsberg gibt einen Auslastungsgrad von 93 Prozent und jenes von Pruntrut einen von 89 Prozent an.

Alternativen zur Haft werden geprüft

Das Gefängnis von Pruntrut, das von der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter wegen seiner unzulässigen und menschenunwürdigen Haftbedingungen kritisiert wurde, wird in der zweiten Jahreshälfte 2026 geschlossen. Das derzeit renovierte Gefängnis von Moutier wird nach seiner Wiedereröffnung zusätzliche Plätze bieten. Im Jura gibt es noch ohne genauen Zeitplan Pläne für eine neue Strafvollzugsanstalt.

Der Kanton Waadt setzt langfristig vor allem auf den Bau des neuen Gefängnisses in Orbe. Geprüft werden auch Alternativen zur Haft wie elektronische Fussfesseln oder gemeinnützige Arbeit. Genf sucht nach Grundstücken für den Bau eines neuen Gefängnisses.

Auch der Kanton Freiburg will seine Strafanstalt Bellechasse ausbauen und spricht von einer teilweisen 100-Prozent-Belegung dieser Einrichtung. In Bellechasse protestierten Anfang Februar 32 Insassen des geschlossenen Vollzugs während fast drei Stunden gegen ihre Haftbedingungen.

Im Kanton Wallis ist laut den Behörden derzeit lediglich das Untersuchungsgefängnis von Sitten überbelegt. Der Kanton will in Pramont ein neues, geschlossenes Erziehungszentrum bauen und ein Zentrum erstellen für therapeutische Massnahmen.

Die Tessiner Justizvollzugsanstalten weisen laut der SKJV eine durchschnittliche Belegungsrate von 95 Prozent aus.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen