Darum gehts
- Gianna Hablützel-Bürki will Grossratspräsidentin in Basel-Stadt werden
- Hängiges Strafverfahren wegen Verleumdung belastet ihre Kandidatur
- Zweifache Silber-Gewinnerin bei Olympischen Spielen, erfolgreichste Schweizer Fechterin
Sie ist ein Aushängeschild der SVP Basel-Stadt – bekannt wurde sie jedoch als Sportlerin. Gianna Hablützel-Bürki (56) ist ehemalige Profi-Fechterin, hat olympische Medaillen gewonnen und wurde mehrfach «Basler Sportlerin des Jahres». Seit 2017 sitzt sie für ihre Partei im Grossen Rat. Nun greift sie nach höheren Weihen: Hablützel-Bürki will höchste Baslerin werden.
Doch vor der Wahl zur Grossratspräsidentin am Mittwoch – sie gilt gemeinhin als reine Formalie – gibt es Misstöne. Mit geschlossenem Widerstand sei zwar nicht zu rechnen, fasst die Regionalzeitung «bz» zusammen. «Aber viele im Parlament sind nicht wirklich glücklich über die Personalie.» Wie kommt es dazu?
SVP-Wirren um Wahl ins Präsidium
Da ist zunächst das Politische: Hablützel-Bürki politisiert am rechten Rand der SVP – laut früheren Auswertungen galt sie zeitweise sogar als «rechteste Vertreterin» im Kantonsparlament. Für das Ratspräsidium, das zwischen den Fraktionen turnusgemäss wechselt, sind traditionell kompromissfähige Köpfe gefragt. Das gilt für bürgerliche Parteien erst recht in einem eher links geprägten Kanton wie Basel-Stadt.
Hablützel-Bürki war im vergangenen Jahr bereits unerwartet zur Statthalterin im Ratspräsidium gewählt worden – das Resultat fiel allerdings wenig berauschend aus. Sie kam damals als «Ausweich-Kandidatin» ins Spiel. Eigentlich war ihr Parteikollege Beat K. Schaller (70) für das Amt vorgesehen. Doch linke, aber auch einzelne bürgerliche Vertreterinnen und Vertreter hielten ihn für die falsche Person.
Schaller war im Vorfeld unter anderem eine despektierliche Haltung gegenüber queeren Gruppen vorgeworfen worden. In zwei Wahlgängen verfehlte er das absolute Mehr, danach zog er seine Kandidatur zurück.
«Wir stehen zum Anspruch der SVP auf das Präsidium, aber ihre Kandidatin hinterlässt durchaus Fragen», lässt sich SP-Fraktionschefin Melanie Nussbaumer (39) nun in der «bz» zitieren. Immerhin: Hablützel-Bürki habe im vergangenen Jahr als Statthalterin auch bei den Linken ein gewisses Vertrauen gewinnen können. Die SVP-Frau selbst hatte bereits 2025 in einem Interview mit der «Basler Zeitung» versichert: «Ich will eine Statthalterin sein, die alle integriert.»
Ein Strafverfahren ist hängig
Hinzu kommt ein hängiges Strafverfahren wegen Verleumdung und Persönlichkeitsverletzung gegen Hablützel-Bürki. Abgeschlossen ist es nicht – für die frühere Profisportlerin gilt die Unschuldsvermutung –, doch es wirft einen Schatten auf sie.
Auslöser sind Internet-Einträge über Mitglieder des Schweizerischen Fechtverbandes. Kläger ist ihr liberaler Grossratskollege Gabriel Nigon (69), ebenfalls ein ehemaliger Fechter. Hablützel-Bürki äusserte sich 2021 in den sozialen Medien auch über ihn und warf ihm unter anderem Stimmenkauf für eine Vorstandswahl vor. Ein Gericht entschied gegen sie, doch wegen ihrer Einsprachen ist das Verfahren weiterhin hängig.
In ihrer früheren Karriere als Spitzensportlerin gewann die Baslerin unter anderem zwei Mal Silber an den Olympischen Sommerspielen in Sydney. Damit gilt sie als erfolgreichste Schweizer Fechterin aller Zeiten.