Darum gehts
- Die fünf grössten Städte der Schweiz unterstützen die Individualbesteuerung
- Städte betonen fairere Besteuerung, Vereinfachung und Beitrag gegen Fachkräftemangel
- 25 Prozent zahlen keine Bundessteuer, viele werden finanziell entlastet
Die meisten Kantone sind gegen die Individualbesteuerung und warnen vor mehr Bürokratie. Die fünf grössten Städte widersprechen dem energisch und votieren für ein Ja am 8. März.
Zürichs Corine Mauch (65), Genfs Alfonso Gomez (65), Basels Finanzdirektorin Tanja Soland (50), Lausannes Grégoire Junod (51) und Berns Marieke Kruit (58) stellen sich demonstrativ hinter die Reform. Die Stapis halten die Individualbesteuerung für fair, modern und praxistauglich.
«Langfristig wird das Steuersystem einfacher»
«Wir unterstützen ein Ja zur Individualbesteuerung, weil sie die steuerliche Benachteiligung von Zweiverdiener-Ehen beendet und die Gleichstellung stärkt. Sie schafft faire Anreize, damit sich Mehrarbeit – gerade bei Zweiteinkommen – wieder lohnt. Damit wird ein wichtiger Beitrag gegen den Fachkräftemangel geleistet», steht in einer gemeinsamen Erklärung, die Blick vorliegt. «Für uns ist zentral: Diese Reform ist in der Praxis umsetzbar. Langfristig wird das Steuersystem einfacher, weil in Zukunft aufwendige Teilungen nach Scheidung oder Tod nicht mehr notwendig sind», argumentieren die Städte-Politiker.
Rückenwind gibts von der Konferenz der städtischen Finanzdirektoren. Zwar koste der Systemwechsel anfangs etwas. Aber mit sechs Jahren Übergangsfrist und digitalisierten Abläufen sei das locker zu stemmen. Die Stadt Winterthur ZH geht noch weiter: Sie spricht von Vereinfachungen für die Steuerpflichtigen und entlasteten Behörden.
Auch die Stadt Luzern ist für die Reform
Selbst aus der Innerschweiz kommen wohlwollende Töne: Luzern geht von mehr Dossiers aus, diese seien aber einfacher zu bearbeiten. Und dank künstlicher Intelligenz könne mehr Arbeit automatisiert erfolgen.
Während die Städte die Individualbesteuerung feiern, malen Gegner in der SRF-«Arena» schwarz. Mitte-Chef Matthias Bregy (47) und SVP-Ständerätin Esther Friedli (48) behaupteten, die Individualbesteuerung führe zu Steuererhöhungen für alle Konkubinatspaare und Alleinerziehende – Aussagen, die laut Fachleuten falsch sind.
FDP kritisiert Mitte und SVP
«Ich erwarte von jeder Partei, dass sie mit den Fakten argumentiert», sagt FDP-Ständerat Andrea Caroni (45) zu Blick. «Es ist faktenfrei, wenn jemand behauptet, ganze Kategorien von Steuerpflichtigen würden generell stärker belastet. Mit der Reform wird der Grossteil der Steuerpflichtigen entlastet.»
FDP-Ständerat Damian Müller (41) kritisiert: «Wenn man Herrn Bregy zuhört, könnte man meinen, morgen würden Paare enteignet und die klassische Familie abgeschafft. In Wahrheit beseitigt die Reform die Heiratsstrafe und sorgt für Gleichbehandlung. Ich dachte, in der Mitte gehört Wahrhaftigkeit zu den christlichen Kernwerten.»