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«Es wird rumpeln»:Regierungsrat Pierre Alain Schnegg über das Gesamt-Tarifsystem

13-Milliarden-Brocken
Jetzt kommt der neue Arzttarif

Ab 2026 löst der neue Arzttarif Tardoc den bisherigen Tarmed ab. Es geht um ein Kostenvolumen von 13 Milliarden Franken pro Jahr. Die Hausärzte sollen dabei gestärkt werden.
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Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider machte Druck für das neue Tarifwerk.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Neues Tarifsystem für ambulante ärztliche Leistungen ab 2026 genehmigt
  • Hausärzte profitieren, Spezialärzte müssen Federn lassen
  • Gesamtkosten sollen jährlich nicht um mehr als 4 Prozent steigen

Nach einem jahrelangen Streit ist der Durchbruch definitiv geschafft! Nachdem sich Ärzte, Spitäler und Krankenkassen auf neues Tarifsystem für ambulante ärztliche Leistungen geeinigt haben, hat der Bundesrat die neuen Tarife nun definitiv genehmigt. Per 2026 treten diese in Kraft – vorerst befristet bis Ende 2028.

Insgesamt geht es um Kosten von rund 13 Milliarden Franken. Das neue System verspricht dabei gerechtere und transparentere Vergütungen und soll Fehlanreize beseitigen.

Der seit 2004 geltende Tarif Tarmed wird dabei ersetzt: Einerseits durch den Tardoc, der für rund 1400 ärztliche Einzelleistungen – zum Beispiel Blutdruckmessen oder eine Blutabnahme – eine Vergütung vorsieht. Andererseits werden für komplexe Behandlungen oder Operationen – beispielsweise eine Darmspiegelung – fixe Preise definiert, die künftig als ambulante Fallpauschalen abgerechnet werden. Dies betrifft 315 Positionen.

Baume-Schneider machte Druck

«Ein wichtiger Meilenstein ist geschafft», freut sich SP-Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider (61). Sie hatte die verschiedenen Player zum Kompromiss gedrängt und ihnen unverhohlen das Messer an den Hals gesetzt, sollten sie keine Einigung finden. Dann würde der Bundesrat den Tarif selber durchgeben, machte sie letztes Jahr unmissverständlich klar.

Vom neuen System profitieren in erster Linie die Hausärzte, weil Leistungen, die heute nicht kostendeckend sind, künftig besser bezahlt werden. So sollen Hausärzte mehr Geld für Gespräche mit Patienten, Angehörigen, Heimen und Spitex erhalten. Im Gegenzug sinken die Preise für gewisse Leistungen, für welche der alte Tarif überhöht ist. Das trifft vor allem Spezialärzte, die nun Federn lassen müssen.

Kostenanstieg begrenzen

Unter dem Strich soll der Systemwechsel aber kostenneutral sein. Will heissen: Die effektiven Gesamtkosten dürfen unter Berücksichtigung von Teuerung oder Demografie maximal um 4 Prozent jährlich wachsen – pro Kopf maximal um 3 Prozent.

Wird diese Grenze überschritten, müssen die Tarifpartner Korrekturmassnahmen ergreifen. Allerdings wird das Tarifsystem regelmässig analysiert und angepasst. Der Bund spricht von einem «lernenden System», welches regelmässig überarbeitet werden soll. «Das neue System wurde deutlich verbessert, ist aber nicht perfekt», so Baume-Schneider. Bei der Einführung werde es sicher auch noch rumpeln.

Für Patienten kaum spürbar

Für die Patientinnen und Prämienzahlenden sollte der Systemwechsel im Grunde keine grossen Auswirkungen haben. Am ehesten könnten Patienten mit hoher Franchise etwas spüren – abhängig von den Leistungen zahlen sie mal mehr, mal weniger aus dem eigenen Sack. Unter dem Strich dürfte sich das finanziell aber ausgleichen.

Für Diskussionsstoff sorgen hingegen Fallpauschalen, die im Vergleich zu Einzeltarifen weniger einschenken. Denkbar wäre hier, dass gewisse Ärzte nicht kostendeckende Behandlungen meiden und sich nur auf profitable Eingriffe konzentrieren. Baume-Schneider warnt die Ärzteschaft davor, das neue Tarifsystem derart auszunützen. Dass einem Patienten die Behandlung gar verweigert werden könnte, glaubt sie jedenfalls nicht.

Klar ist aber, dass das neue Tarifsystem die Grundversorger stärken soll. Das könnte Medizinern einen Anreiz bieten, sich für den Job als Hausärztin oder Kinderarzt zu entscheiden. Allerdings bleibt offen, ob damit dem Hausärztemangel entgegengewirkt werden kann. Immerhin ein Puzzlestück dazu könnte es sein.

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