Wirbel bei SRF – Kadermann erklärt sich
«Es tut mir leid, dass ich jemanden verletzt habe»

Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses eines SRF-Kadermitarbeiters sorgt für Wirbel über die Medienszene hinaus. In einer Nachricht, die Blick vorliegt, erklärt er sich.
Publiziert: 11.05.2023 um 15:03 Uhr
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Aktualisiert: 11.05.2023 um 15:50 Uhr
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Das SRF hat sich mit einem Kadermann geeinigt, getrennte Wege zu gehen.

Anfang Jahr warf Wirtschaftsjournalistin und Unternehmerin Patrizia Laeri (46) einem heutigen Kadermitarbeiter bei SRF vor, sie vor 20 Jahren als Praktikantin sexuell belästigt zu haben. Am Leutschenbach wurde daraufhin eine Untersuchung eingeleitet. Laeris Anschuldigungen wurden darin nicht bestätigt, es meldeten sich jedoch fünf weitere Personen mit Beschwerden. Dabei ging es nicht um sexuelle Belästigung. Am Mittwoch wurde klar: Der Mitarbeiter, den Blick aus Gründen des Persönlichkeitsrechts nicht namentlich nennt, wird SRF im beidseitigen Einvernehmen verlassen.

In einer internen Nachricht an seine Kolleginnen und Kollegen nimmt der Kadermann nun selbst Stellung. Blick liegt die Nachricht vor, die wir hier gekürzt wiedergeben: «Letzten Freitag erreichten mich zahlreiche SMS. Viele Kolleginnen und Kollegen von innerhalb und ausserhalb des Hauses fragten an, was denn los sei. Ich blieb eine Antwort schuldig, denn mit SRF hatte ich mich geeinigt, dass wir erst nach Abschluss einer für beide Seiten guten Lösung kommunizieren», schreibt er. Das sei nun geschehen, deshalb schildere er seine persönliche Sicht der Dinge.

Empfehlung des Buches «Generation Beleidigt» verletzte SRF-Mitarbeiter

In der externen Untersuchung hätten sich fünf Personen gemeldet. Die Vorwürfe von zwei Personen habe die externe Fachstelle nicht gewichtet. Die drei übrigen Personen hätten ihn als zu wenig wertschätzend empfunden. «Jemanden habe ich verletzt, weil ich das Buch ‹Generation Beleidigt› der französischen Feministin Caroline Fourest zum Lesen empfahl, mein Diskussionsstil wurde als dominant empfunden, jemand war mit einem Personalentscheid nicht zufrieden», berichtet der Kadermann.

In einer WhatsApp-Nachricht hat sich der SRF-Mann erklärt.

Er stört sich daran, wie die Untersuchung abgelaufen ist, entschuldigt sich aber trotzdem. «Auch wenn ich bis heute wenig Verständnis für die Art der Untersuchung und die darin deponierten Vorwürfe gegen mich aufbringe: Es tut mir natürlich leid, dass ich überhaupt jemanden verletzt habe», betont er. Von der Chefredaktion Video, die Tristan Brenn leitet, habe er erfahren, dass sich einige Leute negativ über ihn geäussert hätten, ohne je ein direktes Gespräch gesucht zu haben. «Das hat mich überaus strapaziert und meine Freude am Verbleib im Newsroom auf ungenügende null Prozent gesenkt», so der Kadermann. Da SRF ihm einen guten Ausweg aus der Situation angeboten habe, sehe er seine Zukunft frohgemut ausserhalb des Newsrooms.

Bereits am Mittwoch vermeldete SRF die Auflösung des Arbeitsverhältnisses (Blick berichtete).

Patrizia Laeri machte Vorwürfe auf Instagram öffentlich

Ausgelöst wurde die Untersuchung wegen Vorwürfen, die Patrizia Laeri auf Instagram gepostet hatte. «Redaktor versucht, mich als junge Praktikantin zu küssen. Muss mich körperlich wehren. Er versucht es genau gleich bei der nächsten Praktikantin. Er sitzt immer noch in Leitungsfunktion beim SRF», schrieb sie damals auf Instagram.

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Ende März kamen die ersten Ergebnisse der daraufhin eingeleiteten Untersuchung. Laeris Vorwürfe wurden darin nicht bestätigt. «Laut Untersuchungsbericht konnte die externe Fachstelle aufgrund der widersprüchlichen Aussagen der Befragten nicht abschliessend klären, wie sich das damalige Treffen vor 20 Jahren abgespielt hat und wie es überhaupt dazu gekommen ist», schrieb SRF. Bei der Befragung habe sich zudem herausgestellt, dass sich der Vorfall nicht am Arbeitsplatz ereignet habe. (bsn)

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