Wegen schriller Verkleidung in «Ein Käfig voller Narren»
Fiese Anfeindungen gegen Erich Vock

Erich Vock feierte seine fulminante Premiere von «Ein Käfig voller Narren». Nach dem Applaus richtete er nachdenkliche Worte an sein Publikum und erzählte von Anfeindungen.
Publiziert: 20.01.2024 um 00:01 Uhr
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Mit diesem Motiv machen Hubert Spiess (l.) und Erich Vock Werbung für ihr Stück «Ein Käfig voller Narren». Nach der Premiere verriet Vock, dass er böse Online-Kommentare und E-Mails wegen den Outfits lesen musste.
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Michel ImhofTeamlead People

Tosender Applaus, stehende Ovationen: Die Premiere des Stückes «Ein Käfig voller Narren» im Zürcher Bernhard Theater war ein voller Erfolg. Das vom Volksschauspieler Erich Vock (61) und seinem Ehemann Hubert Spiess (59) produzierte Stück erzählt die Geschichte eines Travestieclubs, der Besuch eines konservativen Politikers erhält. In der Hauptrolle als exzentrische Dragqueen Zaza: Erich Vock. Dieser richtete nach der Vorstellung nachdenkliche Worte ans Publikum.

Nach seiner Danksagung sprach Vock über die heutige Relevanz des Stücks, in dem es um die Akzeptanz Homosexueller geht. «Ich werde oft gefragt, ob ein Theater mit diesem Thema überhaupt noch nötig sei», sagte er. «Erstens sage ich: ‹Ja, Theater ist immer nötig›.» Zweitens habe er Erfahrungen gemacht, die ihn bestärken, die Geschichte des schrillen Revue-Theaters auf die Bühne zu bringen.

Er wurde wegen langer Fingernägel an einer Kasse ausgelacht

2012 spielte er und sein Ehemann die Musical-Version des Stück am selben Ort. «Schon damals habe ich die langen Fingernägel für meine Figur – allerdings ohne roten Lack – auch in der Freizeit getragen. Damals ist es mir aber nie passiert, dass mich jemand deswegen an einer Ladenkasse auslacht», erzählte Vock. Er sei froh, dass es Winter sei und er deswegen Handschuhe auf der Strasse anziehen könne.

Ein Blick auf die Statistik zeigt: Ausruhen dürfen sich queere Menschen trotz der Einführung der Ehe für Alle nicht. Die Angriffe auf LGBTQ-Menschen sind gemäss dem Hate-Crime-Bericht der Dachorganisationen Pink Cross, Lesbenorganisation (LOS) und Transgender Network Schweiz vom Mai 2023 auf einem Höchststand. 50 Prozent mehr körperliche und verbale Angriffe als im Vorjahr wurden der Helpline der Vereinigungen gemeldet. 

Vock witzelt über Beleidigung

Auch böse Online-Kommentare und E-Mails erhielt Erich Vock wegen der Vorstellung. Vor allem die Werbung dafür, die Vock in Travestiekleidung und seinen Ehemann in einem weissen Anzug zeigt, habe vereinzelt Kritik ausgelöst. «Einer nannte uns einen Hinterlader», so Vock. Dabei gibt er sich kämpferisch: «Früher war schwul ein Schimpfwort, heute sage ich selber stolz, dass ich schwul bin. Also werden wir uns künftig so vorstellen: Wir sind Hubert und Erich, wir sind Hinterlader.» Für diesen Gag erntete der Volksschauspieler nicht nur viele Lacher, sondern auch tosenden Applaus.

Trotz dieser Erlebnisse scheint der Erfolg von «Ein Käfig voller Narren» vorprogrammiert. Bis Ende April wird das Stück aufgeführt, bereits jetzt sind über 13'000 Tickets verkauft, also umgerechnet 33 Vorstellungen ausverkauft. 

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