«Nach der Diagnose betete ich zu Gott»
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Urs Althaus hat Lungenkrebs:«Nach der Diagnose betete ich zu Gott»

Urner Schauspieler Urs Althaus
Schock-Diagnose Lungenkrebs!

Der Schweizer Schauspieler Urs Althaus kämpft gegen Lungenkrebs. Nach einer beunruhigenden Nacht in Flüelen UR erhielt er die Diagnose: ein Tumor, der nicht operiert werden kann. Nun setzt er auf Chemotherapie und seinen Glauben.
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Der Schweizer Schauspieler Urs Althaus hat die erste Chemotherapie gegen Lungenkrebs hinter sich.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

  • Schauspieler Urs Althaus kämpft seit Frühling 2025 gegen Lungenkrebs
  • Chemotherapie mit sechs geplanten Zyklen startete vor einer Woche
  • Althaus lebt achtsam, verzichtet seit 2025 auf Alkohol und Zigaretten
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

«Plötzlich ist die Luft weg. Ich kann nicht mehr atmen. Mein Herz rast. Alles wird eng.» So beschreibt der Schweizer Schauspieler Urs Althaus (69) die Panik, die ihn überrollt hat.

Es ist spät in jener Frühlingsnacht 2025, als der Urner von Venedig (I) in sein Zuhause in Flüelen UR am Vierwaldstättersee zurückkehrt. «Ich habe die Türe geöffnet und meiner Lebenspartnerin Esti gesagt, sie muss mich sofort in den Notfall bringen.»

Man sieht es ihm nicht an

Ein Moment, der alles verändert. Im Spital Altdorf fällt der Verdacht zunächst auf eine Lungenembolie. Doch die Untersuchungen zeigen Herzklappenprobleme. Nur wenige Tage später kommt die Diagnose, die niemand hören will: Lungenkrebs.

Eine Operation ist wegen der Lage des Tumors unmöglich. Auf ärztlichen Rat beginnt Althaus eine Immuntherapie. Ein leiser, kräftezehrender Kampf startet. «Nur meine engsten Freunde habe ich informiert. Sie tragen und begleiten mich.»

Wie schlecht es ihm gesundheitlich die letzten Monate ging, hat man ihm nicht angesehen. Ein Auf und Ab, das er der Öffentlichkeit verschweigt. «Ich wollte über meine Geschichte sprechen, nachdem ich als geheilt gelte.»

«Sagen, was ich tun muss»

Doch die Heilung ist von kurzer Dauer. Die Immuntherapie schlägt zunächst an, dann tritt eine Mutation auf. «Genaues weiss ich nicht. Ich habe meinem Onkologen gesagt, er solle mich mit medizinischen Details verschonen. Er soll mir nur sagen, was ich tun muss.»

Vor einer Woche hat Urs Althaus mit der Chemotherapie gegen den Lungenkrebs begonnen. Sechs Zyklen sind geplant. «Es kostet mich viel Kraft. Ich bin oft müde», sagt er. Ob er seine Haare verliert, ist offen. «Vielleicht ja, vielleicht nein. Auch wenn ich sie gerne behalten würde, ist es zweitrangig.»

Angst vor dem Tod hat er nicht. «Mein Arzt hat mir gesagt, wir gehen das jetzt zusammen durch. Die Medizin ist heute sehr weit. Ich könnte gut neunzig Jahre alt werden. Aber ich weiss gar nicht, ob ich das überhaupt will», sagt Althaus lachend. 

An der Seite von Sean Connery

Auch im Internet sucht er keine Informationen. Seine Zuversicht stützt sich auf Fachpersonen und seinen Glauben an Gott. Es ist nicht die erste Krebsdiagnose in seinem Leben: Prostatakrebs überstand er vor Jahren. «Da habe ich erstmals gemerkt, dass das Leben endlich sein kann.»

Bekannt wurde Urs Althaus weit über die Schweiz hinaus. Der Sohn eines nigerianischen Medizinstudenten, den er nie kennengelernt hat, wuchs bei seiner alleinerziehenden Mutter Irma in Altdorf UR auf. Eine behütete Kindheit, ein grosses Sporttalent. Er träumte von einer Karriere als Profifussballer, spielte beim FCZ, bevor eine Verletzung diesen Weg stoppte.

Später wurde er international erfolgreich als Model, arbeitete für grosse Modehäuser und spielte an der Seite von Sean Connery (1930–2020) im historischen Klosterkrimi «Der Name der Rose» von 1986. Zuvor war Urs Althaus das erste schwarze Männermodel auf dem Cover des US-Magazins «GQ».

Täglich eine Flasche Wein

Sein Leben verlief lange im schnellen Takt von Exzessen, Abstürzen und Hochs mit Reisen, Modeshows, Filmsets und Partys. «Ich bereue nichts, was ich je gemacht habe. Es hat mich immer mehr zu mir gebracht.»

Heute lebe er achtsam und behutsam. Dass er nun mit seiner Geschichte während der Chemotherapie an die Öffentlichkeit gehe, sei ein bewusster Entscheid. «Ich möchte Mut machen. Den Mut, nie aufzugeben und in jeder Herausforderung das Positive zu sehen.»

Er lebt gesund. Seine tägliche Flasche Wein und die drei Päckli Zigaretten gehören seit rund einem Jahr der Vergangenheit an. Auch dazu habe er sich entschieden. An jenem Tag, als er mit der Immuntherapie begonnen hat. 

Eine abenteuerliche Reise

«Seit ich so gut wie keinen Alkohol mehr trinke, sagen alle, es sei viel angenehmer mit mir.» Für ihn ist der Verzicht ein Wendepunkt – gesundheitlich und persönlich. Die Frage, weshalb er Krebs habe, «habe ich mir nie gestellt. Ich glaube, jedes ‹Bürdeli›, das mir der liebe Gott aufgebunden hat, ist zum Lernen da. So kann ich wachsen und heilen.»

Den Alltag richtet er nach seinem Wohlbefinden und den Therapiebesuchen ein. An guten Tagen geht er länger spazieren und besucht ein Fitnesszentrum. Mal ist es mehr, mal weniger. «Es ist wie eine abenteuerliche Reise, die hoffentlich noch lange nicht zu Ende ist. Ich versuche, jeden Moment bewusst zu geniessen», sagt er.

Als Nächstes zieht es ihn ans Meer, an die Sonne Südfrankreichs. «Esti und ich gehen im Juni nach Saint-Tropez, hören den Wellen zu und trinken einen Cappuccino am Strand.»

Nach den wilden Zeiten, die er in vollen Zügen genossen hat, ist es heute die Ruhe, die ihn glücklich macht. «Und die Erkenntnis, dass jeder Moment meines Lebens ein Geschenk ist, wofür ich sehr dankbar bin.» 

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