Das hat selbst Elizabeth Teissier noch nie gesehen. «2026 sind acht von neun Planetenzyklen positiv», berichtet sie beim Fotoshooting für das Jahreshoroskop 2026 im Luxushotel La Réserve in Genf. «In 50 Jahren als Astrologin habe ich kein Jahreshoroskop mit ähnlichen Voraussetzungen berechnet.» Sie hebt ein Glas Champagner und prostet dem Team zu. «Lasst uns anstossen. Es wird ein goldenes Jahr!»
Elizabeth Teissier, was bedeutet «ein goldenes Jahr»?
Ich denke, dass es zu grossen positiven Veränderungen in unserer Gesellschaft kommen wird. Und ich wäre enttäuscht, wenn ich falschliegen sollte.
Sind Sie unsicher?
Es bleibt immer eine Frage der Interpretation. So, wie ich die Einflüsse 2026 lese, hoffe ich auf Frieden. Im Juli zeichnet sich eine Art Höhepunkt des Jahres mit weitreichenden Folgen ab. Neptun wird im Widder stehen – dies war zuletzt 1861 der Fall, als der Amerikanische Bürgerkrieg begann, der im Ende der Sklaverei mündete. Ich bin also sehr positiv gestimmt! Diese Ausgangslage ist äusserst selten.
Wie stehen die Sterne für zwei der wichtigsten Akteure in der Weltpolitik: Putin und Trump?
Der russische Präsident Putin ist Waage und in den ersten Monaten von einem störenden Jupiter beeinflusst. Interessant aber ist, dass das Horoskop von Russland erstmals seit November 1989 wieder vom Saturn-Neptun-Zyklus betroffen ist.
Damals brach die Sowjetunion auseinander …
Genau. Was ich übrigens Jahre davor kommen sah. Bereits 1980 legte ich das Ende des Kommunismus auf dieses Jahr fest.
Was könnte diese Konstellation heute für Russland bedeuten?
Ich nehme an, dass Putin eine schwierige Phase erleben wird, politisch oder auch gesundheitlich. Dieser Zyklus stand stets für grosse Ereignisse: Er bestand auch 1953 zum Zeitpunkt von Stalins Tod oder 1917 während der Oktoberrevolution und des Beginns vom Bolschewismus.
Und Trump?
Er ist Zwilling mit Aszendent Löwe und hat zum Jahreswechsel eine sehr schwierige Phase, bis Februar sind sein Aszendent und Mars in starker Dissonanz.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
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Welche Sternzeichen sind im kommenden Jahr die Favoriten der Sterne?
Man kann sagen, dass 2026 für die Sternzeichen Widder, Löwe, Schütze, Zwillinge, Waage und Wassermann ein guter Jahrgang wird, da fast alle äusseren Planeten – also Pluto, Neptun, Uranus und Saturn sowie Jupiter ab Juni – in Feuer- und Luft-Zeichen stehen.
Während Elizabeth Teissier von ihrer Hoffnung auf Frieden spricht, runzelt ihr Mann, Gerhard Hynek die Stirn. Er wirkt ungewohnt ernst. Als Schütze nimmt er normalerweise die optimistische Sichtweise ein, während Elizabeth Teissier als Steinbock zu Pessimismus neigt.
Dieses Mal ist es umgekehrt. Nach Jahrzehnten an der Seite der bekanntesten Astrologin Europas wagt Hynek es, seine eigene Perspektive einzubringen. «Da wir trotz Recherche keine exakt vergleichbare Phase in der Menschheitsgeschichte gefunden haben, besteht für die Interpretation der Einflüsse kein Referenzwert», gibt der ehemalige Journalist zu bedenken. «Aber ich vertraue Elizabeths Interpretation. Wir haben einmal statistisch die Genauigkeit ihrer Horoskope erfasst. Dabei kam heraus, dass sie zu mehr als 80 Prozent zutreffen.»
Frau Teissier, Sie haben sich mehrfach mit der trojanischen Seherin Kassandra verglichen. Unter all den Seherinnen der Mythologie, weswegen genau sie?
Weil man ihren Prophezeiungen keinen Glauben schenken wollte. Das kam auch bei mir oft vor. Aber dieses Mal wird es anders sein, denn ich bringe sehr gute Nachrichten. Auch wenn ich nicht genau sagen kann, was 2026 passieren wird, sicher ist: Es herrschen selten so positive Einflüsse. Ich bin überzeugt, dass dies einen exzellenten Jahrgang ankündigt.
In Ihrem Buch «2020 – die grosse Veränderung» warnten Sie vor Rechtsrutsch, Krieg, Gesundheitskrise und Überwachung. Denken Sie rückblickend, manche Krisen der vergangenen Jahre hätten verhindert werden können, wenn das gesellschaftliche Vertrauen in die Astrologie grösser wäre?
Solche Ereignisse lassen sich nicht verhindern. Sogar Politiker, die meine Prognosen ernst nahmen, änderten deshalb kaum ihre Entscheide – etwa der französische Präsident Mitterrand, der sich während des Jugoslawienkonflikts in den 90er-Jahren von mir astrologisch beraten liess. Aber durch die Astrologie könnte man Krisen früher erkennen und besser darauf reagieren.
Kassandras Schicksal war eine Strafe der Götter. Empfinden auch Sie Ihre Position manchmal als Fluch?
Mir wurde oft eine gewisse Ablehnung entgegengebracht. Darunter habe ich gelitten. Aber im Grossen und Ganzen ist es ein Segen. Immerhin wurde ich durch mein Talent, die Sterne zu deuten, bekannt (lacht).
Nutzen Sie dabei heute auch KI?
Vielleicht könnte man damit gewisse Astrologieprogramme verbessern. Aber ich persönlich nutze diese Technologie bisher kaum. Sowieso bin ich vermutlich etwas altmodisch. Mir macht Sorgen, dass wir alle mehr und mehr der Digitalisierung ausgeliefert sind. Wer kein Internet hat, wird zum Aussenseiter und hat auch Mühe, den Alltag zu bewältigen, etwa bei Behördengängen.
In welchem Zeitalter hätten Sie gern gelebt?
Ich fühle mich trotzdem wohl in diesen Zeiten. Vor ein paar hundert Jahren hätte man mich vielleicht verbrannt oder guillotiniert.
Die Astrologie hat Elizabeth Teissier nicht nur beruflich geprägt, sie hat ihr auch die Liebe ihres Lebens beschert. Nachdem ihre Ehe mit dem Vater ihrer beiden Töchter zerbrochen war, lernte die junge Astrologin 1981 den Österreicher Gerhard Hynek kennen. Er war damals noch Journalist und bat sie um ein Interview für eine deutsche Illustrierte.
Inzwischen gehen die beiden seit 45 Jahren Seite an Seite durchs Leben. Nach der Hochzeit im November 2011 auch als Ehepaar. Bei jedem Fotoshooting für die Schweizer Illustrierte ist Gerhard Hynek hinter den Kulissen mit dabei. Und wenn Elizabeth Teissier ihre Horoskoptexte aus ihrer Muttersprache Französisch ins Deutsche übersetzt, unterstützt er sie dabei. «Ich muss sagen, er war ein guter Lehrling», neckt sie ihn. «Mittlerweile bist du selbst fast ein Astrologe, nicht wahr, Wolfie?»
Den Spitznamen verdankt Gerhard Hynek einem der ersten Dates mit seiner heutigen Ehefrau. Er wollte sie in Paris in ein angesagtes Restaurant einladen. Weil das Lokal ausgebucht war, gab er sich als Baron Wolfie von Knittelfeld aus. «Auf Deutsch hätte man meine List sofort durchschaut, so heisst ja kein Mensch. Aber in frankofonen Ohren tönte der Name offenbar edel genug. Man gab uns den Tisch.» Elizabeth Teissier, die spätere Doktorin der Soziologie mit eigener Astrosendung im Fernsehen, muss heute noch über diese Anekdote lachen. «Zum Glück bist du so lustig», sagt sie zu ihrem Ehemann, als er diese während des Fotoshootings zum Besten gibt. «Wieso?», kontert er scheinheilig. «Ist der Rest nicht gut?»
Welche Rolle spielen die Sterne in Ihrer Liebe?
Ich habe bereits vor unserem ersten Telefonat ein Horoskop für uns erstellt. Wäre es nicht gut gewesen, hätte ich ihm kein Interview gegeben.
Also harmonieren Sie total?
Wir haben einen guten astrologischen Mix aus Harmonien und Dissonanzen. Gerhard ist Schütze mit Aszendent Krebs, ich bin Steinbock mit Aszendent Schütze – wir haben also beide viele Schütze-Eigenschaften. Krebs steht dem Steinbock genau gegenüber, was meist starke Anziehung und gute gegenseitige Ergänzung bringt. Beziehungen zwischen astrologischen Gegenpolen funktionieren oft besonders gut und bleiben spannend und entwicklungsfähig.
Was ist wichtiger: das Datum des Kennenlernens oder das passende Sternzeichen?
Die Sternzeichen allein sagen noch nicht viel aus – genauso wichtig sind der Aszendent und die Stellung der einzelnen Planeten. Wenn man zwei Horoskope vergleicht, erkennt man gut, in welchen Bereichen besondere Harmonie besteht und wo nicht. Entscheidend ist dann, wie ein Paar damit umgeht: Offen miteinander sprechen, ist wichtig. Man sollte sich den Humor bewahren und tolerant sein. Und über allem steht natürlich die Liebe. Gerhard sagt mir bis heute mindestens einmal im Monat, dass er mich jederzeit wieder wählen würde. Und ich ihn auch.