Darum gehts
- Deleila Piasko spielt die Hauptrolle im Film «Nacktgeld» von Thomas Imbach
- Der Film basiert auf der Novelle «Fräulein Else» des Österreichers Arthur Schnitzler
- Die Zürcherin wurde in Berlin ausgebildet und arbeitete später am Wiener Burgtheater
Blick trifft die Zürcher Schauspielerin Deleila Piasko (34) im Kino Houdini zum Interview. In ihrem neuen Film «Nacktgeld» nach der Novelle «Fräulein Else» von Arthur Schnitzler (1862–1931) verkörpert Piasko die Tochter eines in Finanznöten steckenden Vaters, die einen Freund der Familie um Geld angehen soll. Dieser verlangt dafür, dass sie sich vor ihm auszieht.
Blick: Frau Piasko, in früheren Boulevard-Zeiten hätten wir Sie als Erstes gefragt, was Sie persönlich zu so einem unmoralischen Angebot sagen würden ...
Deleila Piasko: Oh Gott (lacht schallend), zum Glück sind diese Zeiten offenbar vorbei. Doch es geht im Film tatsächlich um ein unmoralisches Angebot und ein ernstes Thema. Lili befindet sich in einem grossen Dilemma und erlebt einen Machtmissbrauch von zwei Seiten. Aus dieser Ohnmacht versucht sie sich zu befreien und wieder Boden unter die Füsse zu bekommen.
Schnitzler-Stoffe werden gerne verfilmt. Aus der «Traumnovelle» entstand etwa «Eyes Wide Shut» von Stanley Kubrick. Auch «Fräulein Else» wurde zuvor schon mehrfach umgesetzt. Weshalb?
Schnitzler behandelt zeitlose Themen und geht der Psyche seiner Figuren auf den Grund. Er wurde stark von Sigmund Freuds Theorien geprägt. Seine Figuren wirken in ihrer Widersprüchlichkeit ungeheuer menschlich. Deshalb fühlt man sich ihnen auch heute noch so nahe. Bei «Fräulein Else» speziell reizvoll ist der innere Monolog der Hauptfigur mit all seinen überraschenden Brüchen. Was Lili sagt, ist komplett ungefiltert, oft auch witzig und erfrischend pur. Es ist, als sähen wir in ihren Kopf.
Ähnlich wie bei Selbstgesprächen? Neigen Sie selber dazu?
Ich bin eine Träumerin. Ich kann mich sehr tief in neue Szenarien hineinversetzen und sie für mich selber zu Ende spinnen. Das ist eine grosse Freiheit, die jeder Mensch hat und zu der wir Sorge tragen sollten.
«Nacktgeld» beinhaltet auch humoristisch wirkende Szenen, wie Sie selber sagen. Wir haben beim Zuschauen mehr als einmal gelacht. Doch darf man das, angesichts der ganzen Tragik?
Die Frage ist, wo und wie Sie gelacht haben. Es gibt ja verschiedene Formen des Lachens. Hier ist es vermutlich eines, das im Hals stecken bleibt. Ich erachte Humor für mich als ein Mittel, um dem Leid zu entgehen, als Lebenselixier. Lili und Sie als Zuschauer tun dies ebenfalls.
Speziell an «Nacktgeld» ist auch seine innovative Herstellungsart. Der Film wurde vollständig im Studio gedreht, mit 3D-Projektionen anstelle der echten Sommerkurort-Kulissen. Wie war die Umstellung darauf?
Ich habe noch nie unter solchen Umständen gedreht. Meine Theatervorbildung kam mir entgegen, weil der Dreh dem Spiel auf einer Probebühne glich. Auch dort ist grosse Imaginationskraft nötig. Dieser «Muskel» war bei mir schon geschult und die Herausforderung darum nicht ganz so gross.
Macht Ihnen die technische Entwicklung nicht manchmal Angst? Könnten auch Sie bald ersetzt werden?
Eine interessante Frage, nicht nur auf unsere Branche bezogen. Grundsätzlich sollte die Frage heissen: Was interessiert das Publikum wirklich? Wir müssen uns als Gesellschaft wirklich bewusst werden, womit wir unsere Zeit verbringen und welche Geschichten wir erzählen wollen. Ich glaube und hoffe sehr, dass das Unerwartbare nie programmiert werden kann. Was meinen Beruf angeht, bin ich optimistisch. Ich glaube, der Mensch braucht den Menschen. Deshalb habe ich keine Angst, dass es bald keine Schauspielerinnen und Kinos oder Theater mehr gibt. Dieses gemeinsame Erleben ist einzigartig und nicht reproduzierbar.
Aus einer ähnlichen Zeit wie «Fräulein Else» stammt das Stück «Jedermann» von Hugo von Hofmannsthal, in dem Sie 2024 und 2025 an den Salzburger Festspielen in der Rolle der verführerischen «Buhlschaft» gefeiert wurden. Weshalb haben Sie sich entschieden, dieses Engagement nicht fortzusetzen?
Nach zwei wunderbaren Jahren als «Buhlschaft» kam bei mir das Gefühl auf, nun weitergehen zu wollen. Die Krönung war, dass wir für die TV-Produktion der Aufführung einen «Romy»-Award bekamen (das österreichische Oscar-Pendant, die Red.). Viele Leute haben für uns votiert, weil sie zu Hause auf ihrer Couch ein Theaterstück sahen und es offenbar toll fanden. Das macht mich enorm glücklich und stolz. Wir brauchten keine Cliffhanger und kein reisserisches Szenenbild. Wir konnten mit unserem Spiel und unserem Text begeistern. Das macht auch die Besonderheit von «Nacktgeld» aus, diese Kombination aus Film und Theater.
Sie haben auch in Wien gelebt und waren am Burgtheater engagiert. Sind die Österreicher theateraffiner als die Schweizer?
Solche Vergleiche finde ich schwierig. Was ich sagen kann: Kunst und Kultur sind in Österreich und insbesondere in Wien und Salzburg hoch angesehen, und viele Menschen gehen regelmässig und gerne ins Theater. Das habe ich nirgends so erlebt und vermisse ich hier manchmal etwas. Aber es gibt auch andere Parameter dafür, wo man lebt. Auch das jeweilige Umfeld ist relevant.
Nun leben Sie wieder in Berlin, wo Sie von 2011 bis 2015 Ihre Ausbildung machten, und in Zürich. Doch Sie haben auch eine Bern-Vergangenheit.
Ja, ich habe zwischen 2015 und 2017 am dortigen Stadttheater gearbeitet. Das war mein erstes Engagement nach der Schauspielschule in Berlin. Ich hatte ein paar Angebote und entschied mich für Bern. Das war eine coole Zeit mit einem jungen Ensemble voller Tatendrang. Nach den Proben gingen wir regelmässig zusammen in der Aare schwimmen.
Sie haben kürzlich auch in Bern gedreht, für die Verfilmung des Krimi-Bestsellers «Blind», die 2026 als Serie auf SRF läuft. Haben Sie mit dem Theater abgeschlossen?
Zurzeit bin ich schon eher im Filmbereich tätig. Aber ich würde mich als Hybrid-Schauspielerin bezeichnen. Ich habe beide Welten in mir. Sie haben mich zu jener Schauspielerin gemacht, die ich nun bin. Ich finde, dass sich die beiden Medien gegenseitig befruchten. Vieles, was ich auf der Bühne gelernt habe, konnte ich beim Film umsetzen und umgekehrt.
Was dürfen wir von Ihnen sonst noch erwarten in nächster Zeit?
Vieles ist noch nicht spruchreif. Was ich sagen kann, ist, dass schon bald die Dreharbeiten zur zweiten Staffel der ARD-Degeto-Serie «Die Zweiflers» beginnen, wo ich wieder als Dana Zweifler zu sehen bin. Darauf freue ich mich.
Deleila Piasko, als Tochter eines Physikers und einer Tänzerin in Zürich aufgewachsen, durchlief die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Von 2019 bis 2022 war sie Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. In den Saisons 2024 und 2025 sorgte sie im Stück «Jedermann» an den Salzburger Festspielen für Begeisterung. Ihr Kinodebüt hatte Piasko bereits als Teenager 2006 in der Bundeshaus-Komödie «Cannabis». 2021 und 2022 war sie in den Filmen «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull» und «Stasikomödie» zu sehen. 2023 brillierte sie als Fluchthelferin Lisa Fittko in der Netflix-Serie «Transatlantic» und der ZDF-Reihe «Der Schatten», 2025 in den ARD-Serien «Das zweite Attentat» und «Asbest». Piasko lebt in Zürich und Berlin.
Deleila Piasko, als Tochter eines Physikers und einer Tänzerin in Zürich aufgewachsen, durchlief die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Von 2019 bis 2022 war sie Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. In den Saisons 2024 und 2025 sorgte sie im Stück «Jedermann» an den Salzburger Festspielen für Begeisterung. Ihr Kinodebüt hatte Piasko bereits als Teenager 2006 in der Bundeshaus-Komödie «Cannabis». 2021 und 2022 war sie in den Filmen «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull» und «Stasikomödie» zu sehen. 2023 brillierte sie als Fluchthelferin Lisa Fittko in der Netflix-Serie «Transatlantic» und der ZDF-Reihe «Der Schatten», 2025 in den ARD-Serien «Das zweite Attentat» und «Asbest». Piasko lebt in Zürich und Berlin.
«Nacktgeld» (engl. Titel «The Exposure») von Thomas Imbach läuft ab dem 8. Januar 2026 in den Schweizer Kinos.