ZFF-Direktor zum Streik: «Das ist für die Entertainment-Branche ein Super-GAU»(03:09)

Streik in in der Filmbranche
Die wichtigsten Antworten zum Hollywood-Showdown

Die Filmbranche steht vor einer noch nie dagewesenen Herausforderung: In Hollywood streiken die Schauspielerinnen und Schauspieler. Die Folgen werden auch in der Schweiz spürbar sein. Ein Film-Experte erklärt – und blickt in die Zukunft.
Publiziert: 14.07.2023 um 18:09 Uhr
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Aktualisiert: 14.07.2023 um 18:14 Uhr
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Hollywood steht still. Seit Donnerstagmorgen streikt nebst der Gewerkschaft der Drehbuchautoren auch die Gewerkschaft der Schauspielerinnen und Schauspieler.
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Laszlo SchneiderTeamlead People-Desk

Der 13. Juli 2023 ist ein geschichtsträchtiges Datum. Genau 100 Jahre zuvor wurde das berühmte «Hollywood Sign», der ikonische Schriftzug über Los Angeles, errichtet – damals lautete er noch «Hollywoodland». Die beliebte Attraktion zeigt Millionen von Touristen Jahr für Jahr: Hier ist der Film zu Hause. Und das grosse Geld. Ob sich die Mitglieder der amerikanischen Schauspieler-Gewerkschaft Sag-Aftra die Nacht vom 13. auf den 14. Juli im Wissen um das Hollywood-Jubiläum als Beginn ihres Streiks ausgesucht haben? Möglich, aber nicht überliefert.

Das Datum hat aber so oder so internationale Tragweite: Hollywood steht still, die Filmmaschinerie ist zum Erliegen gekommen – die Gewerkschaft der Drehbuchautoren streikt schon seit Anfang Mai. Die Vereinigung der Film- und Fernsehproduzenten weigert sich, auf die Forderungen der Kreativbranche einzugehen. Die Folgen könnten verheerend sein – nicht nur für Hollywood, sondern auch für Konsumentinnen und Konsumenten in der Schweiz. Blick beantwortet die wichtigsten Fragen zum Super-GAU in Kalifornien.

Was fordern die Streikenden?

Den Streikenden stösst sauer auf, dass die Budgets bei stetig steigender Zahl an Film- und Fernsehproduktionen sinken. Hier spielen die neuen, grossen Streaminganbieter eine tragende Rolle. Wird eine Serie auf Netflix beispielsweise wiederholt, werden den Mitwirkenden tiefere Tantiemen ausgezahlt als das bei einer linearen TV-Produktion der Fall wäre.

Dazu kommen neue KI-Technologien, die der Sag-Aftra grosse Sorgen bereiten. Sie könnten laut der Gewerkschaften reale Figuren schon jetzt gefährlich echt nachbilden – dagegen will man eine Absicherung erzwingen. Stand jetzt – ohne Erfolg.

Wer sind die Streikenden?

Die Sag-Aftra zählt rund 160'000 Mitglieder. Unter ihnen sind, nebst Schauspielern, auch Moderatorinnen, Stunt-Leute oder Journalisten. Der Streik betrifft momentan aber nur Schauspieler für Filme und Serien. Knackpunkt: Wer in den USA überhaupt einen Job in der Branche ergattern möchte, muss nahezu zwingend Mitglied der Gewerkschaft sein. Sag-Aftra hat den Streik für verbindlich erklärt – Schauspielende dürfen de facto also nicht mehr an Produktionen teilnehmen.

Einen offenen Brief der Arbeitnehmerorganisation, in dem die Rede davon ist, «sich nicht in der Mitte treffen zu wollen», unterzeichneten Hollywood-Legenden wie Meryl Streep (74) oder Ben Stiller (57).

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Auch die Schweizerin Andrea Martina Isenschmid (32) ist Mitglied der Sag-Aftra und lebt in Los Angeles. Momentan ist sie in der Schweiz in den Ferien und erklärt gegenüber Blick: «Ich mache mir schon Sorgen.» Isenschmid ist auf Castings angewiesen, die sie momentan nicht wahrnehmen könne. «Ich glaube aber, dass das nicht mehr lange so gehen kann. Sie sind ja auf Schauspielerinnen und Schauspieler angewiesen.»

Wann spüre ich die Auswirkungen des Streiks in der Schweiz?

Der Streik der Gewerkschaften wird für Film- und Serienliebhaber auch hierzulande grosse Auswirkungen haben – und das schon schneller, als man denken könnte. Christian Jungen (50), künstlerischer Leiter des Zurich Film Festivals, spricht vor allem grosse Filmpremieren, aber auch die kommende Festivalsaison an, die traditionellerweise in Venedig beginnt. Es stelle sich die Frage, «ob die Stars hier über den roten Teppich laufen oder eher durch Abwesenheit glänzen».

Es sei ausserdem sehr gut möglich, «dass Filme zurückgezogen werden. Wenn ich an grosse Blockbuster denke, die im Herbst erscheinen sollen und die Stars dann nicht auftauchen, kann es sein, dass die Produktionsfirmen dreimal überlegen, ob sie den Filmstart ins nächste Jahr verschieben».

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Die Filme, die in nächster Zeit erscheinen, sind abgedreht und können theoretisch dem Publikum präsentiert werden – in anderthalb Jahren «gibt es dann einfach ein Loch, weil es zu wenig Inhalt gibt». Auch in der Schweiz müssten sich Film- und Serienfans dann auf Konserven einstellen, ist sich der Zürcher sicher.

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Wann ist der Streik zu Ende?

Jungen betont ebenso, dass es nun im Interesse der Vereinigung der Produzenten sei, auf die Forderungen der Streikenden einzugehen: «Es ist ein Machtkampf wie beim Armdrücken.» Er gehe davon aus, dass die Studios und Streamingdienste den Kreativen entgegenkommen müssten – «weil es ohne Drehbuchautoren keine Geschichten und ohne Schauspieler keine Aushängeschilder mehr gibt».

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