Darum gehts
- Liza Minnelli wird am 12. März 80 Jahre alt
- Ihre Memoiren erscheinen am 11. März und sorgen für Aufsehen
- Minnelli erhielt alle fünf grossen Entertainment-Preise und bleibt eine Ikone
Broadway, das bedeutet Musicals, Showgirls, Frivolitäten! Niemand verkörpert das besser als Liza Minnelli. 1972 räkelte sie sich im Musicalfilm «Cabaret» in neckischen Strapsen auf einem Stuhl und sang «Mein Herr». Die Szene wurde Kult, der Film bekam acht Oscars, Liza den als beste Hauptdarstellerin. Sie wurde ein Superstar, und der Absatz von dicken künstlichen Wimpern ging weltweit durch die Decke.
2026 ist Liza Minnelli eine lebende Legende. Am 12. März wird sie 80, und sie ist wütend, zornig «auf Leute und deren erbärmliche Versuche, mein Leben zu erzählen. Leute, die weder mich noch meine Familie gut kannten», schimpft sie in einem Interview. Es geht um zwei «missglückte» Biografien, einen Film mit «verdrehten Halbwahrheiten» sowie eine TV-Miniserie, deren Macher «es auch nicht richtig hinbekommen» hätten.
Gedemütigt an den Oscars
Bereits an den Oscars 2022 lupfte es der «letzten Diva» den Deckel: Minnelli soll zusammen mit Lady Gaga (39) den Award für den besten Film «Coda» übergeben. Gesundheitlich angeschlagen, bittet sie, das auf einem Regiestuhl sitzend tun zu dürfen. Die Veranstalter stellen sie vor ein Ultimatum: entweder im Rollstuhl oder gar nicht. Minnelli fühlt sich zutiefst gedemütigt und beschliesst, ihre «eigene verdammte Geschichte zu erzählen», schreibt ihr Verlag. Ihre Memoiren mit dem Titel «Liza – Kids, Wait Till You Hear This!» – «Kinder, wartet bis ihr das hier hört!» – erscheinen am 11. März, am Tag vor ihrem 80.
Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.
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Könnte ein dickes Buch werden. Liza ist die Tochter von gleich zwei Legenden, der Sängerin und Schauspielerin Judy Garland und des Regisseurs Vincente Minnelli. Mama Judy kam 1939 zu Ruhm, als 17-Jährige spielte sie die Dorothy in «Der Zauberer von Oz» und sang den Evergreen «Over the Rainbow». Papa Vincente drehte MGM-Klassiker wie «Ein Amerikaner in Paris» und «Gigi». Auf die Frage, wie es sei, mit Halbgöttern als Eltern aufzuwachsen, meinte Liza Minnelli in einem ihrer raren Interviews: «Nichts Besonderes, alle anderen Eltern waren auch berühmt.» Ihre Spielkameraden waren die Kinder von Hollywood-Legenden wie Humphrey Bogart oder Lana Turner. «Es war gut als Kind. Meine Eltern waren grosse Stars und grossartige Menschen.»
Ursprünglich wollte Liza nicht ins Showbiz, sondern Eiskunstläuferin werden. Nachdem sie am Broadway in New York das erste Mal ein Musical gesehen hatte, liess sie das Eis Eis sein und trat in die Fussstapfen ihrer Mutter. 1987 vor einem Auftritt im Zürcher Hallenstadion vom Schweizer Fernsehen gefragt, warum sie die Bühne wählte, antwortete Minnelli: «Es liegt wohl einfach in der Familie. Wenn man ein Talent hat, will man es ganz einfach auch nutzen.»
New York, New York
Ihre Karriere begann in den 1960er-Jahren an den Musicaltheatern in New York. Schnell erarbeitete sie sich den Ruf als herausragende Interpretin amerikanischer Unterhaltungsmusik der 1930er- bis 1960er-Jahre. Sie ging auf ausgedehnte, stets ausverkaufte Konzertreisen. 1969 spielte sie ihre erste Hauptrolle in einem Film. Die Dramedy «Pookie» brachte ihr den Respekt der Kritiker ein.
Es folgen weitere Filme und 1972 der Minnelli-Urknall: «Cabaret» katapultierte sie in die Liga der führenden Filmstar. Und sie begeisterte als virtuose Sängerin. Der Song «New York, New York» wurde 1977 für den gleichnamigen Film von Martin Scorsese geschrieben und von Liza Minnelli gesungen. Doch erst in der Version von Frank Sinatra wurde er Teil des globalen Kulturguts.
In den folgenden Jahren gingen Sinatra und Liza Minnelli zusammen mit Sammy Davis Jr. auf mehrere Konzerttourneen. Liza kann aber auch Pop. 1988 produzierte das englische Duo Pet Shop Boys mit ihr den Song «Losing My Mind». Er landete in den Top ten, und eine neue Generation begeisterte sich für Liza Minnelli. Bloss eine Handvoll Künstler gewann alle fünf grossen Entertainment-Preise: Oscar für Film, Emmy für Fernsehen, Grammy für Musik, Tony für Theater und Musical und Golden Globe für Kino und Fernsehen. Liza Minnelli hat sie alle. 2010 setzte es allerdings auch eine Goldene Himbeere als schlechteste Nebendarstellerin für ihren Gastauftritt in «Sex and the City 2». Pikant: Minnelli spielte sich selbst.
Auch Privat herrschte ein stetes Auf und Ab. 1969 starb Mutter Judy Garland an einer – mutmasslich versehentlichen – Überdosis Schlaftabletten. Wie sie ist auch die Tochter tabletten- und alkoholsüchtig: «Das kann jedem in jeder Branche passieren. Und tut es auch», erklärte sie öffentlich. Auch Hochzeiten und Scheidungen wechselten sich alle paar Jahre ab: je viermal. Ihr letzter Gatte, der US-Entertainer und Produzent David Gest, starb 2016 im Alter von 62 nach einem Schlaganfall. Und Liza plagen zunehmend körperliche Probleme, es ächzt in Knien und Hüfte.
Tiefes menschliches Mitgefühl
Die Höhen und Tiefen hätten aus Liza Minnelli einen Menschen mit viel Mitgefühl gemacht, sagt Michael Feinstein (69), Sänger, Pianist und einer ihrer engsten Freunde. «Ich kenne niemanden, der mehr Verständnis für die menschliche Natur aufbringt. Darum ist sie so grossartig auf der Bühne, sie kann ihr fundamentales Verständnis für menschliche Stärken und Schwächen in Kunst umsetzen.» Liza stand und steht stets zu ihren Schatten: «Die Leute sollen wissen: Was sie durchmachen, habe ich auch durchgemacht. Ich singe nicht zu einem Publikum, ich singe zu jedem Einzelnen persönlich.»
Der britische «Guardian» schreibt, Minnelli werde nach 13 Jahren nun bald neue Musik veröffentlichen. Eine Compilation mit KI-generierter Klavierbegleitung eines Art-Garfunkel-Songs. Eine 80-jährige Diva und KI? Klar. Liza ist zwar eine lebende Legende, aber alles andere als von gestern.