Darum gehts
- Bundesumweltminister Schneider verlässt Berlinale-Gala nach Kritik des Regisseurs Alkhatib
- Alkhatib wirft der deutschen Regierung «Völkermord im Gazastreifen» vor
- Terrorangriff am 7. Oktober 2023: Bundesregierung verteidigt Israels Handlungen
Die Berlinale-Abschlussgala wird von einem Eklat überschattet. Bundesumweltminister Carsten Schneider (50) verlässt am Freitagabend während der Rede des syrisch-palästinensischen Regisseurs Abdallah Alkhatib demonstrativ den Saal. Der Grund: Alkhatib warf der deutschen Bundesregierung vor, Partner eines «Völkermords im Gazastreifen» zu sein.
Alkhatib nutzte seine Dankesrede für eine scharfe Kritik an der deutschen Regierung. Mit einer palästinensischen Flagge in der Hand erklärte er von der Bühne aus: «Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war»
Einziger Vertreter der Bundesregierung
Wie deutsche Medien berichten, war Schneider der einzige Vertreter der Bundesregierung bei der Gala. Ein Sprecher des Umweltministeriums teilte später mit, dass Schneider die Vorwürfe als «nicht akzeptabel» empfand und daher den Saal verliess.
Die Position der Bundesregierung sei klar: Israel begehe keinen Völkermord, sondern verteidige sich nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023. Bereits zuvor hatte die libanesische Filmemacherin Marie-Rose Osta bei der Preisverleihung für ihren Kurzfilm genutzt, um die israelische Kriegsführung zu kritisieren. Das Massaker vom 7. Oktober erwähnte sie jedoch nicht. Moderatorin Désirée Nosbusch reagierte darauf, indem sie betonte, man denke an alle Menschen, die durch Krieg oder Terror litten.
Politische Debatte an Berlinale
Der Vorfall spiegelt eine breitere Debatte über die politische Rolle der Berlinale wider. In einem offenen Brief hatten Filmschaffende der Festivalleitung vorgeworfen, sich nicht klar genug zum Gaza-Krieg zu positionieren. Festivalchefin Tricia Tuttle erklärte, die Berlinale sei ein Ort für künstlerische Freiheit, auch wenn Beiträge unbequem oder kontrovers seien.
Jurypräsident Wim Wenders betonte, dass Filmkunst Empathie und Komplexität vermitteln solle und nicht in politische Schlagworte reduziert werden dürfe.