Wegen Sicherheitsbedenken
Berner Gemeinde verbietet Corona-Skeptiker-Festival

In Münsingen BE sollte im August ein Festival von Corona-Skeptikern und Staatsverweigerern stattfinden. Nachdem sich der Landbesitzer gegen die Versammlung auf seinem Gelände gewehrt hat, ist klar, dass die Veranstaltung nicht durchgeführt wird.
Publiziert: 02.06.2023 um 13:34 Uhr
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Aktualisiert: 08.06.2023 um 10:16 Uhr
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Urs Siegenthaler fühlte sich hintergangen.
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Melissa MüllerRedaktorin News

Corona-Skeptiker, Staatsverweigerer und Personen mit Verbindungen zu Rechtsradikalen wollten vom 18. bis 20. August am «Freedom Festival» in Münsingen BE teilnehmen. Organisiert wird das Festival vom «Free Economic Forum». Es fordert eine «freiheitliche Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung», heisst es auf der Website. Rund 900 Teilnehmende wurden erwartet.

Doch daraus wird nichts. Die Gemeinde hat die Veranstaltung nicht erlaubt. «Wir hatten Sicherheitsbedenken», sagt Beat Moser, Gemeindepräsident von Münsingen, zu «TeleBärn». Moser weiter: «Am Anlass wären sehr einseitige und teilweise staatskritische Exponenten aufgetreten.» Und das habe ein zu grosses Konfliktpotential bedeutet. Daher müssten sich die Organisatoren eben einen anderen Standort suchen.

«Das Gedankengut stimmt überhaupt nicht mit meinen Ansichten überein»

Bauer Urs Siegenthaler, auf dessen Land das Festival hätte stattfinden sollen, wusste lange nichts vom Hintergrund der Veranstaltung. Er fühlte sich hintergangen. Politisch fährt der Landwirt eine ganz andere Schiene. Er ist Mitglied der Grünen und sitzt im Gemeinderat. «Das Gedankengut stimmt überhaupt nicht mit meinen Ansichten überein. Ich will mich nicht dermassen exponieren», so der Bauer weiter.

Als er den Veranstaltern sein Land versprach, habe man nicht über den Inhalt der Veranstaltung geredet: «Es steht überhaupt nichts von der Art und Weise des Festivals im Vertrag.» Tatsächlich sorgten viele der Podiumsgäste bereits für negative Schlagzeile. So sollte beispielsweise der deutsche Unternehmer Martin Krall von der «Atlas Initiative» auftreten. Laut der «Zeit» pflegt Krall Kontakt mit deutschen Reichsbürgern, die einen Umsturz planen. Die «NZZ» berichtet ausserdem, dass Krall wegen rechtsradikalem Gedankengut und Antisemitismusvorwürfen letztes Jahr von einer Veranstaltung in Chur ausgeladen wurde.

«Veranstaltungen auf meinem Hof sind politisch immer neutral»

Auch Prisca Würgler von «Graswurzle» sollte auf dem Festival erscheinen. Als ausgesprochene Maskengegnerin verlor sie ihren Job als Lehrerin. Inzwischen hat sie zusammen mit anderen Corona-Skeptikern eine eigene Schule gegründet. Die «Berner Zeitung» berichtet zudem, dass die «Graswurzel»-Bewegung Kontakte zur Staatsverweigerungs-Szene habe. Zahlreiche weitere staatskritische Gruppierungen wie die «Libertäre Partei» und das «Team Freiheit» unterstützen das Festival. Sie setzen sich grösstenteils aus Jungfreisinnigen und SVP-Mitgliedern zusammen.

Siegenthaler erklärt weitergehend, dass er schon oft Events auf seinem Gelände veranstaltet habe. Probleme gab es bislang nie: «Ich bin ein Gutmensch. Wir haben jedes Jahr zahlreiche Veranstaltungen – beispielsweise ein Schwingfest. Die Veranstaltungen auf meinem Hof sind politisch immer neutral, und bis jetzt musste ich die Events auch nie hinterfragen.»

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Band Lauwarm erteilte Festival eine Absage

Seit der Bekanntgabe der Sponsoren und Referenten hagelte es für das Skeptiker-Festival bereits die ersten Absagen. So hat auch die Reggaeton-Band Lauwarm dem «Freedom Festival» einen Korb gegeben, wie «Nau» berichtet. «Es ist nicht Unseres, uns in irgendeiner Form Corona-Skeptikern oder sonstigen Leugnern anzuschliessen», sagen die Berner Musiker zum Newsportal.

Sie seien bereits im Herbst 2022 für einen Auftritt angefragt worden. Damals seien jedoch noch keine Sponsoren bekannt gewesen. Das habe sich nun geändert und den Ausschlag für ihre Absage gegeben. «Als wir dann auf der Webseite des besagten Festivals feststellen mussten, dass wir hinter vielen dieser Sponsoren nicht stehen können, haben wir uns entschlossen, den Gig in Bern abzusagen».

Ein Auftritt der Berner Band hat vergangenen Sommer eine «Woke»-Debatte zur sogenannten kulturellen Aneignung ausgelöst. So hätten sich gewisse Konzert-Besucher daran gestört, dass die weissen Schweizer Bandmitglieder Reggae-Musik spielten, eine aus Jamaika stammende Musikrichtung, und dazu blonde Dreadlocks und farbige Kleider aus Senegal und Gambia trugen. Daraufhin mussten sie das Konzert abbrechen.

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