Offener Brief von Roger Schawinski an SRG-Generaldirektorin
Liebe Susanne Wille ...

Radiopionier Roger Schawinski gibt SRG-Generaldirektorin Susanne Wille Tipps mit auf den Weg, wie sie die Halbierungs-Initiative nicht verliert.
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Mitten in der grössten Aufgabe ihres Berufslebens: SRG-Generaldirektorin Susanne Wille.
Foto: Keystone

Liebe Susanne,

Du hast nur eine einzige, jedoch unendlich grosse Aufgabe: Du darfst die epochale Halbierungs-Initiative nicht verlieren, über die wir am 8. März abstimmen werden.

Deine Ausgangslage ist prekär. Du wirst jene nicht überzeugen, die der SRG seit Jahren Linkslastigkeit vorwerfen. Ihre Meinungen sind gemacht. Dasselbe gilt für diejenigen, die Zwangsgebühren für Medien ablehnen, da sie dem Zeitgeist nicht mehr entsprechen. Und auch nicht jene, die der Ansicht sind, Medien müssen generell gratis sein, weil man sie im Internet seit Jahrzehnten in diesem Sinn erzogen hat. Und vor allem jene nicht, die zurzeit bei jeder Abstimmung allein darauf schauen, wie sie persönlich finanziell profitieren können.

Deine kürzliche Ankündigung des Abbaus von 900 Arbeitsplätzen bis 2029 verfängt nicht, die Ihr aus Spargründen vornehmen müsst. Bewusst wurde bei Euren Prognosen die jährliche Zunahme von 40'000 Haushalten ausgeklammert, die für Euch zusätzliche Einnahmen in vielfacher Millionenhöhe generieren werden.

Auch Eure Berechnung von Mehrkosten von 60 Millionen Franken aufgrund der Teuerung wirft Fragen auf. Bei nur 0,1 Prozent gibt es eine solche aktuell schlicht nicht. Es wurde von Euch zudem bewusst pessimistisch kalkuliert, dass Eure Werbeeinnahmen um gewaltige 90 Millionen sinken sollen. Insgesamt hast Du also ein sachlich fragwürdiges Schreckensszenario präsentiert, mit dem Du Dir Sympathiepunkte erhoffst. Ich glaube nicht, dass Du damit durchkommst.

Du hast also nur wenige handfeste Argumente, um die Leute von Deiner Sache zu überzeugen. Auch Dein grossartiger Charme wird dazu nicht genügen. Vor allem aber darfst Du keine groben Fehler begehen. Denn gemäss ersten Umfragen kann die Abstimmung ganz knapp ausgehen, mit Tendenz zur Annahme.

Die Abschaltung aller UKW-Sender durch die SRG war ein solch kapitaler Fehler. Ihr habt Hunderttausende von Gebührenzahlern brutal rausgeworfen. Seit Januar können sie ihre SRG-Lieblingsprogramme nicht mehr empfangen, für die sie trotzdem bezahlen müssen. Damit habt Ihr einen zentralen Teil Eurer Aufgabe als Service public verletzt. Denn es geht nicht nur ums Senden. Ihr müsst auch dafür sorgen, dass man Eure Programme überall empfangen kann. Deshalb hättet Ihr nicht als Erste, sondern als Letzte UKW abschalten dürfen.

In einem Radiointerview im eigenen Sender hast Du angedeutet, dass die SRG inzwischen erkannt habe, dass der Abschaltentscheid falsch war. Und dass man die eingemotteten UKW-Sender wieder einschalten könnte. Diese Aussage war leider nur nebulös und verwirrlich. Notwendig wäre ein klares Statement von Dir im Vorfeld der alles entscheidenden Abstimmung im Ständerat am 9. Dezember. Denn wenn UKW in der Schweiz flächendeckend verboten wird, wird man dies vor allem Dir und der SRG anlasten. Und ein Teil Eurer frustrierten ehemaligen Hörerinnen und Hörer wird ein Ja zur Initiative einlegen. Dies kann in der Endabrechnung entscheidend sein.

Eine deutliche Ansage von Dir ist deshalb jetzt nötig. Damit würdest Du für die Schweiz, die SRG und auch für Dich das Richtige tun. Die Schweiz wäre nicht das weltweit einzige Land, das UKW verbieten würde, um so den ausländischen Stationen Tür und Tor zu öffnen. Die SRG würde auf einen Schlag wieder Hunderttausende von ehemaligen Kunden zurückgewinnen. Und Du wärst die Heldin in Deinem Laden, wo die Frustrationen über die massiven Hörerverluste massiv sind. Ja, Susanne, ein solches Statement von Dir wäre ein klarer unternehmerischer Entscheid, der positive Folgen hätte. Wenn Du es nicht machst und die Abstimmung knapp verloren geht, wäre dies ein grotesker Managementfehler, den Du Dir nie verzeihen könntest. Und die SRG hätte die wichtigste Schlacht ihrer Geschichte wegen eines unsinnigen und sturen «unforced errors» verloren.

Roger Schawinski (80) ist Medienpionier. Er gründete sowohl TV-Formate wie den «Kassensturz» als auch den ersten Privatradiosender der Schweiz, Radio 24, und war Geschäftsführer von Sat.1. Heute ist er Chef seines Senders Radio 1.
Weichenstellungen im Service Public

Die SRG steht vor wichtigen Entscheidungen: Derzeit sucht das Haus nach seinem neuen SRF-Direktor. Als Favoriten für die Nachfolge von Nathalie Wappler (57) gelten Unterhaltungschef Reto Peritz (52), RTS-Chef Nicolas Pernet (46) und Radio-Kaderfrau Anita Richner (59), der Ehefrau von Journalist Markus Somm (60). Und am 8. März stimmt das Volk über die Halbierungsinitiative ab, welche die Serafe-Gebühr von 335 auf 200 Franken senken will.

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