Kommentar zu den Epstein-Akten
Nicht abstumpfen, wütend bleiben!

Die Dokumente enthüllen nicht nur das Netzwerk rund um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, sondern auch eine Kultur der Frauenverachtung.
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Der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein.
Foto: Getty Images

Darum gehts

  • Die Epstein-Akten sind voll von Namen von reichen und mächtigen Männern
  • Opfernamen wurden ungeschwärzt veröffentlicht
  • Mädchen und Frauen werden im Mailverkehr degradiert
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Sara BelgeriRedaktorin

Milliardäre, Tech-Unternehmer, Politiker: Je mehr Namen in den Epstein-Akten auftauchen, desto grösser ist die Gefahr, abzustumpfen. Denn mit jeder weiteren Enthüllung bestätigt sich nur aufs Neue, dass reiche, mächtige Männer sich für unantastbar halten. Und viel zu oft sind sie es auch. Die meisten von ihnen können tun und lassen, was sie wollen.

Jeffrey Epstein war ein verurteilter Sexualstraftäter. Jahrelang hatte er einen Missbrauchsring betrieben. Die Opfer waren Mädchen und junge Frauen. Auch Epstein selbst soll jahrelang Minderjährige missbraucht haben. Trotzdem wurde er weiter von den Reichen und Mächtigen hofiert. Das ist vielleicht die bitterste Erkenntnis: Das System schützt Täter.

Auch die Epstein-Akten führen das vor Augen. In den jüngst veröffentlichten Dokumenten fanden sich unzensierte Nacktfotos von Opfern und deren Klarnamen – während die Namen mutmasslicher Täter geschwärzt wurden.

Die veröffentlichten Dokumente zeigen nicht nur, wer sich in Epsteins Umfeld bewegte, sondern auch, mit welcher Verachtung über Frauen und Mädchen gesprochen wurde. Sie werden im Mailverkehr zu «bitches» und «cunts» degradiert.

Es ist der Nährboden für das, was die Expertin für sexualisierte Gewalt und Opferhilfeberaterin Agota Lavoyer als «Rape Culture» bezeichnet: eine Kultur, in der sexualisierte Gewalt verharmlost, toleriert und normalisiert wird. 

Diese Kultur ist jedoch nicht nur ein Phänomen der Reichen und Mächtigen, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. In der Schweiz ist jede fünfte Frau von sexualisierter Gewalt betroffen.

Wir dürfen nicht abstumpfen. Wir sollten wütend sein. Wütend darüber, dass Täter geschützt werden, dass Opfern nicht geglaubt wird, und darüber, dass diese Gewalt System hat.

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